Elektrotechnik

In der Region Südwestfalen gibt es viele Unternehmen der Licht- und Gebäudetechnik, viele Automobilzulieferer und Unternehmen, die der Automation zugerechnet werden können. Die Ausrichtung des Studiengangs orientiert sich an der umgebenden Industrie. Um diese Orientierung deutlich zu machen, sind die fachlichen Schwerpunkte bereits im Namen des Studiengangs enthalten, wobei die Schwerpunktbildung eher moderat ist. Daher erhalten alle Absolventen eine Kompetenz, die sie befähigt, in vielen Einsatzgebieten tätig zu werden, nicht nur in den oben Genannten. Die Schwerpunkte erlauben lediglich einen erleichterten Einstieg in Unternehmen des gewählten Fachgebiets.


Energie

Dieses Einsatzgebiet umfasst die Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Anwendung elektrischer Energie. Wichtige Elemente sind Generatoren, Motoren, Transformatoren, Leistungselektronik oder intelligente Antriebssysteme. Entsprechend ist das Einsatzgebiet eines Elektrotechnik-Ingenieurs im Bereich Energie vielfältig und er ist in allen Branchen einsetzbar, in denen elektrische Energie erzeugt, verteilt oder genutzt wird. Durch den zunehmenden Energieverbrauch und die damit verbundenen Umweltanforderungen erweitert sich das Einsatzspektrum und damit die Nachfrage nach Ingenieuren der elektrischen Energietechnik, da die Erzeugung zunehmend regenerativ und der Einsatz möglichst effizient erfolgen muss. Einher gehen mit dieser Entwicklung neue Tätigleitsfelder:

  • Bereitstellung elektrischer Energie durch Nutzung regenerativer Energien wie Sonne, Wind oder Wasser
  • Optimierung des Energieverbrauchs in Gebäuden oder bei Antrieben in der Produktion
  • Nutzung elektrischer Energie um fossile Energieträger wie Kohle oder Öl ablösen zu können. In diesen Bereich gehören u.a. die effiziente Beheizung von Gebäuden durch Wärmepumpen und der Einsatz elektrischer Antriebe in Fahrzeugen (E-Mobility)


Licht

Licht ist mehr als nur Beleuchtung nach dem Motto: Hauptsache hell. Licht beeinflusst Stimmungen, ist für die Wahrnehmung von Gegenständen oder Farben eminent wichtig, beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Menschen und wird in vielen technischen Anwendungen (nicht nur zur Beleuchtung) benutzt. Durch die erfolgreiche Forschung und Bereitstellung immer neuer Lichtquellen auf Basis der lichtemittierenden Dioden (LED) ergeben sich neben den klassischen Anwendungen neue Anwendungen, die nur durch diese ermöglicht werden. Usache sind die Eigenschaften der LED wie hohe Robustheit, geringe Abmessungen, einfache Helligkeits- und Farbsteuerung oder eine hohe Lichtausbeute, die für eine Reduzierung des Energieverbrauchs sorgt. Daher gibt es derzeit viele neue Anwendungsgebiete, die nur duch die Verfügbarkeit der LED-Technologie ermöglicht werden. Entsprechend eröffnet die Lichttechnik Ingenieuren der Elektrotechnik mit Kenntnissen der Lichttechnik ein weites Anwendungsfeld, z.B. in der Gebäudebeleuchtung, in der Automobilindustrie, in der Medizintechnik oder in technischen Anwendungen, in denen Licht z.B. für die Qualitätssicherung oder in der Automation benutzt wird.


Automation

Die Automatisierungstechnik hat zum Ziel, Prozesse oder Verfahren hinsichtlich Kosten, Sicherheit, Umweltbelastung oder Effizienz zu optimieren. Dies gilt mehr oder weniger für alle Branchen. Daher sind Absolventen der Automatisierungstechnik in vielen Branchen einsetzbar, z.B. in der Elektro- und Maschinenbauindustrie, dem Anlagenbau, in der chemische Industrie, in der Gebäudeautomation oder in der Medizin- und Umwelttechnik. Je nach Schwerpunkt können dabei die Arbeitsinhalte variieren. So werden Ingenieure in der Komponentenentwicklung (z.B. Sensoren und Aktoren), in der Prozessoptimierung (Mess- und Regelungstechnik), in der Steuerungstechnik, in der Realisierung verteilter Automatisierungssysteme (Kommunikation, Feldbusse), in der Robotik oder in der Einbindung von Automatisierungsanlagen in übergeordnete Managementsysteme benötigt. Die Ausbildung umfasst allerdings nicht alle Bereiche, sondern vermittelt Kompetenzen für die Komponentenentwicklung, Prozessoptimierung, Steuerungstechnik und Kommunikationsverfahren in technischen Anwendungen.

Die Zielrichtung dieses Studien­ganges ist jedoch nicht die Ausbildung zu einer Spezialistin /einem Spe­zialisten im jeweiligen Anwendungsgebiet, sondern zu einer praxisorientierten Systemingenieurin / eines praxisorientierten Systemingenieurs mit der Fähigkeit, vernetzte elektrotechnische Systeme konzipieren, entwerfen, realisieren und Instand halten zu können. Neben der fachlichen Ausbildung erhalten die Studierenden weitere Kenntnisse und Fähigkeiten, die für einen Erfolg in der Berufswelt von großer Bedeutung sind. In speziellen Veranstaltungen werden Soft Skills wie Arbeitsorganisation, Teamfähigkeit oder Projektmanagement geschult. Zudem werden Grundlagen der Unternehmensführung wie z.B. Betriebswirtschaftslehre oder Marketing vermittelt.

Dem Studiengang Elektrotechnik für Energie, Licht, Automation liegen die zentralen Qualifikationsziele des Fachbereichs zugrunde, wobei die Ausgestaltung eines Studiengangs ein Kompromiss zwischen diesen Zielen darstellt. Die Ziele lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Gute Einstiegschancen in die Berufswelt: Um dies zu gewährleisten, findet eine Orientierung der Studieninhalte an den Anforderungen aus der Industrie statt. Zudem wird darauf geachtet, dass die Studierenden ausreichende praktische Fähigkeiten besitzen, da fehlende praktische Kenntnisse laut ZVEI-Studie die häufigste Ursache für Kündigungen in der Probezeit sind.
  • Erfolgreiche Umsetzung von Wissen in Produkte und Dienstleistungen: Die Ausbildung zielt auf den Ingenieur im technischen Umfeld, z.B. in der Entwicklung, in der Wartung von Anlagen oder im Service. Um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten, muss der Absolvent neben der fachlichen Qualifikation ebenso über eine entsprechende Handlungskompetenz verfügen. Daher ist z.B. der Anteil Praktika im Studienverlauf relativ hoch.
  • Befähigung zur Weiterbildung: Basis für eine Befähigung zur Weiterbildung sind gute Grundlagenkenntnisse. Entsprechend wird auf eine breite Ausbildung in den Grundlagenfächern geachtet. Diese Ausbildung soll die Absolventen zudem befähigen, erfolgreich ein Masterstudium durchführen zu können.


Insgesamt steht die Ausbildung von Fachkompetenzen im Vordergrund. Weniger berücksichtigt werden Führungskompetenzen, da Ingenieure typisch in einer Fachlaufbahn beginnen und erst nach einigen Berufsjahren und bei entsprechendem Erfolg eine Führungslaufbahn beginnen.

Die Lernziele orientieren sich an den Qualifikationszielen des Fachbereichs und gliedern sich wie folgt:

  • In den ersten drei Semestern werden Grundlagen der Mathematik, Physik, Elektrotechnik und Programmierung vermittelt, wobei im dritten Semester ebenfalls die ersten Fachveranstaltungen wie z.B. Messtechnik oder Systemarchitektur angeboten werden. Ergänzt werden diese Semester durch Veranstaltungen zur Förderung der Methoden- und Selbstkompetenz. Der Studierende sollte am Ende des dritten Semesters die Grundlagen verstanden haben und ausreichende Methodenkompetenz besitzen, um diese anwendungsspezifisch nutzen zu können.
  • Zur Förderung einer möglichst breiten elektrotechnischen Ausbildung erhalten alle Studierenden einen Einblick in alle angebotenen Schwerpunkte. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, den Studierenden einführende Kenntnisse in diesen Schwerpunkten zu vermitteln. Diese Kenntnisse sollen sie z.B. befähigen, in einem interdisziplinären Team mit Spezialisten aus diesen Schwerpunkten zusammenarbeiten zu können. Zudem erhalten sie weitere nichttechnische Kompetenzen, die der fachlichen Ausbildung zugeordnet werden.
  • Ab dem vierten Semester muss jede/jeder Studierende einen der angebotenen Schwerpunkte gewählt haben. Die Vertiefung ist allerdings eher moderat mit dem Ziel, dass wesentliche Elemente des Schwerpunkts verstanden worden sind und dass im Projektpraktikum oder in der Bachelor Thesis dieses angewendet und weiter vertiefen werden kann.
  • Das siebte Semester dient der Vertiefung in Spezialgebieten mit gleichzeitiger Förderung der Selbst- und Methodenkompetenz. In diesem soll die/der Studierende zeigen, dass sie/er in der Lage ist, das zuvor Erlernte praktisch umzusetzen. Daher hat das siebente Semester keine regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen mehr, sondern nutzt nur noch Module (Seminar, Projektpraktikum und Bachelor Thesis) mit einem hohen Selbstlernanteil.

Das folgende Bild stellt den prinzipiellen Studienverlauf grafisch dar.

Die folgende Tabelle zeigt die einzelnen Fächer und deren Zuordnung zu übergeordneten Gebieten. In der Tabelle sind die Kreditpunkte pro Fach angegeben worden. Diese geben Auskunft über die zu erbringende Arbeitszeit. Mit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge wird die erforderliche Arbeitszeit in sogenannten ECTS-Kreditpunkten angegeben. ECTS steht für "European Credit Transfer System". ECTS ist ein System zur Anrechnung von Studienleistungen bei einem Hochschulwechsel. Dazu wird jede Veranstaltung mit ECTS-Punkten so bewertet, dass innerhalb eines Studienjahres 60 Punkte erreicht werden können. Je höher diese Zahl ist, desto aufwendiger ist das Fach. Nicht angegeben wird die Semesterzuordnung, da sich einige Fächer über mehrere Semester erstrecken und im Wesentlichen die inhaltliche Ausgestaltung angegeben werden soll.

Gebiete Fächer Kreditpunkte
Mathematische, naturwissenschaftliche
und technische Grundlagen
Mathematik 21
Physik 10
Elektrotechnik 20
Programmierung für Ingenieure 12
Digitaltechnik 5
Fachliche Grundlagen
und Anwendungen
Optik und Einführung in die Lichttechnik 7
Elektronik 11
Messtechnik 8
Systemarchitektur 6
Regelungstechnik 7
Sensorsysteme 5
Automatisierungssysteme 5
Angewandte Schaltungstechnik 5
Leistungselektronik 6
Elektrische Antriebe 5
Wahlpflichtfach:
EMV oder
Objektorientierte Programmierung
5
Schwerpunkt Energie Energiesysteme 5
Elektrische Netze 5
Wahlpflichtfächer 2 aus 7
   Elektrische Antriebe 2
   Elektronische Systeme
   Industrielle Kommunikation
   Photovoltaik
   Regenerative Energien
   Spezielle Gebiete der Elektrotechnik
   Spezielle Gebiete der Energietechnik
6
Schwerpunkt Licht Lichttechnische Bauelemente 5
Neue Beleuchtungstechnologien 5
Wahlpflichtfächer 2 aus 6
   Lichtplanung und -Design
   Elektronische Systeme
   Industrielle Kommunikation
   Photovoltaik
   Spezielle Gebiete der Elektrotechnik
   Spezielle Gebiete der Lichttechnik
6
Schwerpunkt Automation Echtzeitprogrammierung oder
Digitale Systeme 1
5
Regelungstechnik 2 oder
Digitale Systeme 2
5
Wahlpflichtfächer 2 aus 6
   Elektrische Antriebe 2
   Industrielle Kommunikation
   Advanced Control Systems
   Regenerative Energien
   Spezielle Gebiete der Elektrotechnik
   Spezielle Gebiete der Automatisierungstechnik
6
Persönlichkeitsbildendes und
betriebswirtschaftliches Basiswissen
Präsentations- und Arbeitstechniken 4
Technisches Englisch 5
Projektmanagement 4
Betriebswirtschaftslehre 4
Seminar 5
nichttechnisches Wahlpflichtfach 3
Vertiefung und Abschluss Projektpraktikum 10
Bachelor Thesis 12
Kolloquium 3