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von Sarah Herhausen, Bibliothekszentrale Hagen

„Die dunkelste Stunde“ (Darkest Hour) – dunkel und ernst, vermischt mit viel Schweiß, schlagfertiger Entschlossenheit und Zigarrenrauch.

Gary Oldman konnte man als Winston Churchill in dem brillanten und spannenden Kinohighlight zum Jahresstart sehen: „Die dunkelste Stunde“ von Joe Wright. Dafür erhielt er einen Golden Globe und einen Oscar als bester Hauptdarsteller – und das vollkommen berechtigt!

Historisch spielt der Film zur Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus. England findet sich in einer Kabinettskrise wieder, die ausweglos scheint: Keiner ist vorbereitet auf das, was sich als Krieg der europäischen Nationen entwickelt. Auf die Schnelligkeit der Deutschen. Auf die Inbrunst, mit der sie ihre (gesellschafts-)politischen Maßnahmen ergreifen. Der Schuldige ist schnell gefunden: Der konservative Premierminister Chamberlain muss zurücktreten; es stellt sich die Frage der Nachfolge.

Er ist politisch wankelmütig, spricht gern unbeliebte Wahrheiten aus und ist damit für seine Parteigenossen nicht einzuschätzen: Winston Churchill. Doch er ist der einzige, der infrage kommt.

Churchill, eine Type: Eingelullt in Zigarrenrauch steht er nie vor dem Mittag auf, konsumiert schier endlose Mengen Champagner und arbeitet sich an den tagespolitischen Entwicklungen ab wie in einem Rausch, auf der Suche nach den richtigen Worten für seine nächste Rede oder auf der Suche nach dem speziellen Cicero-Band. Ständig gedankenversunken, hin- und hergerissen von möglichen Lösungen, beinahe ein Gejagter vom täglichen innen- und außenpolitischen Schlagabtausch.

Churchill ringt mit dem politischen Für und Wider seiner Entscheidungen, vom unbedingten Widerstand gegen die Deutschen überzeugt und poltert, schnaubt und grunzt sich durch den Film – und wird von seiner Ehefrau liebevoll dafür „Pig“ genannt. Mal hitzköpfig, mal konzentriert-versunken: Keiner weiß, was als nächstes kommt. Nicht nur das Kabinett kann seine nächsten Schritte nicht einschätzen, selbst sein privates Umfeld reagiert oft vorsichtig-abwartend.

Sehenswert ist der Film jedoch nicht nur wegen Oldmans Darbietung. In den Nebenrollen sind Kristin Scott Thomas als Ehefrau Clemmie und Lily James als Churchills Sekretärin Liz Layton besonders hervorzuheben.

Spannende Perspektiven auf Churchill und seine Rolle in Englands Politik bieten auch „Dunkirk“ (2017), „Churchill's Secret“ (2016), „The King’s Speech“ (2010) sowie die Netflix-Serie „The Crown“ (2016).

Wright, Joe [Regie] ; McCarten, Anthony [Drehbuch]: Die dunkelste Stunde : Darkest hour. Spielfilm, 2018Infos zum Film: kinocheck.de

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