Nach dem Master reif für die Insel

Geht es nach England eigentlich bergauf? „Das kann man wohl so sagen“, behauptet Nikolas Antzoulatos. Gerade erst hat der 24-Jährige an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn seinen Master gemacht. Jetzt geht er nach England. Nach Nottingham. Als Doktorand. Wie das geht? Wie jemand, der die Schule noch als schnöde Pflichtübung definiert hatte, auf der akademischen Leiter zum Gipfelstürmer wird? Zuerst kam bei Nikolas die Motivation. Dann der Mut. Und dann kam auch noch Glück dazu.

Wie gesagt, die Schule mochte Nikolas nicht sonderlich. „Ich war nicht immer hundertprozentig motiviert“, gibt er zu und ergänzt sofort, dass sich das nach der Schulzeit schlagartig geändert habe. Nikolas begann an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn. Er studierte Mechatronik und fühlte sich plötzlich um all jene Fächer erleichtert, die ihm das Leben vorher so schwer gemacht hatten. „Kein Deutsch, kein Reli, nur noch Fächer, die ich für meine Zukunft wirklich brauche. Das war toll“, sagt Nikolas. Die Noten wurden immer besser, das nächste Ziel schnell gesteckt. Nach dem Bachelor hängte er den Masterstudiengang Intergierte Produktentwicklung dran. Und in dessen Endphase passierte dann Erstaunliches.

„Ich wollte meine Masterarbeit draußen schreiben“, sagt Nikolas. Was er meint: Er wollte sich eine Firma suchen, dort ein Praktikum machen und dann in Kooperation mit dieser Firma seine Masterarbeit verfassen. Wo diese Firma sein sollte, war Nikolas nicht wichtig. Wichtig waren einzig die Inhalte. Er suchte eine Firma, die sich mit Automatisierung beschäftigt. Und er fand sie. Eine Firma mit einem Projektstandort in England. In Nottingham. Seine Bewerbung war ebenso spontan wie erfolgreich, in trockenen Tüchern war das Auslandspraktikum damit aber noch nicht. „Das Gehalt war an der Schmerzgrenze“, blickt Nikolas zurück. Fast wäre alles gescheitert. Aber dann streckte das Erasmus-Stipendium seine helfende Hand aus und hievte Nikolas tatsächlich über den Ärmelkanal.

Die Arbeit in Nottingham war anstrengend, Überstunden an der Tagesordnung. „Freie Tage waren selten“, sagt Nikolas. Wenn es sie gab, wusste Nikolas sie allerdings überaus sinnvoll zu nutzen. „An einem freien Tag bin ich an die Universität von Nottingham gegangen. Ohne Termin. Mit dem Ziel, zu gucken, woran geforscht wird“, erzählt Nikolas. Dort sei er dann einige Zeit über den „riesigen Campus“ geirrt, um schließlich ein Gebäude mit der Aufschrift „Engineering“ zu finden. Nikolas ging rein, schlenderte Gang auf, Gang ab. Irgendwann stand tatsächlich eine passende Tür offen. „Da bin ich dann rein“, sagt Nikolas. Sein Englisch hatte sich verbessert, sodass er es nicht scheute, dem Herrn in diesem Büro, wie sich schnell herausstellte ein renommierter Professor, das Gespräch zu eröffnen.

Und was für ein Gespräch. Nikolas fand ein unerhofft offenes Ohr. Er stellte sich vor, erklärte, was er im Studium für Schwerpunkte gesetzt hatte. Dann wurde es blitzartig konkret. „Der Professor wollte wissen, ob ich gute Noten hatte“, sagt Nikolas. Mit einem flinken „Ja, ich war Jahrgangsbester“ löste er die Eintrittskarte in ein Fachgespräch allererster Güte. Und an dessen Ende dann das: „Der Professor hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, meinen Doktor bei ihm zu machen“, erzählt Nikolas. Nein, an eine Promotion hatte er nun wirklich nicht gedacht. Nicht, als er sein Studium begann. Nicht, als er seine Masterarbeit schrieb. Und auch nicht, als er sich an diesem Tage auf den Weg zur Universität gemacht hatte. Nikolas schüttelte dem Professor die Hand, bedankte sich und erbat sich Bedenkzeit. Nicht viel. Nur ein paar Tage.

Inzwischen ist die Entscheidung gefallen. Anfang Dezember geht Nikolas wieder nach England. Nach Nottingham. Für mindestens drei Jahre. Als Doktorand. Und wo es danach hingeht? „Weiß ich noch nicht“, sagt Nikolas. „Dorthin, wo es dann interessant für mich ist“. Oder vielleicht auch ganz einfach weiter bergauf.

Nikolas Antzoulatos (24) wird Doktorand in Nottingham.