Ein Auslandssemester, das zur Startrampe wurde

Ist das jetzt Ausland? Oder vielleicht doch eher ein halbes Heimspiel? Ganz einfach: beides. Als sich der gebürtige Hagener Sandro Scopelliti (24) aufmachte, um per Auslandssemester mehr von der (Studenten-)Welt zu sehen, da entschied er sich für die halbe Heimat. Für Italien. Sandros Vater ist Italiener. Die Mutter Deutsche. Und aus diesen Zutaten formte Sandro eine Erfolgsgeschichte. Ein Auslandssemester, das zur Startrampe wurde.

Sandro studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen. Schon als er sich einschrieb, war klar: Der Weg zum Bachelor führt entweder über ein Praxis-, oder aber über ein Auslandssemester. Das sieht die Studienordnung so vor. Für Sandro war die Entscheidung einfach. „Ich wollte ins Ausland. Ich wollte nach Italien“, sagt er. Gründe gab es wie Sand am Meer. „Ich wollte raus, wollte was erleben, selbständig sein, Kochen lernen und mein Sprachniveau anheben“, zählt Sandro auf.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg nach Genua

Und er wollte nach Genua. Weil er Genua kannte. Weil ein Teil seiner Familie dort lebt. „Das hat mir den Start sehr erleichtert“, sagt Sandro. Dass es tatsächlich geklappt hat, mit dem Auslandssemester an der Università degli Studi di Genova, war dennoch nicht selbstverständlich. „Eigentlich ist das keine Partnerhochschule“, erklärt Sandro, „aber das Akademische Auslandsamt hat es trotzdem geschafft, die Sache einzufädeln.“

Wo ein Wille ist, ist also auch ein Weg nach Genua. Dort angekommen, hielt es Sandro gerade einmal eine Woche bei seiner Familie. Dann zog er in eine WG. „Schließlich wollte ich ein Studenten-Leben“, sagt Sandro. Und das bekam er dann. Mit allem, was dazu gehört. Er lernte Leute kennen. Aus Venezuela. Aus Chile. Aus Australien. Aus ganz Europa. „Kontakte knüpfen ohne Ende“, nennt Sandro das, was erst sein Erasmus-Stipendium richtig möglich machte. „Das Erasmus-Leben ist was für sich. Alle sind zusammen, Leute aus der ganzen Welt.“ Sandro sagt das nicht einfach so daher. Nicht ohne diesen schwärmerischen Unterton. „Wir hatten richtig Spaß“, fügt er dann noch hinzu. Klingt ein bisschen wie Urlaub. „Und ein bisschen war es auch so“, bestätigt Sandro.

"Erasmus war überall präsent"

Aber da war auch das Studium. Und dafür musste sich Sandro ganz schön umstellen. Von der eher persönlichen Studienatmosphäre an der Fachhochschule Südwestfalen zum Massenbetrieb an der Universität Genua. „Dort war alles viel voller. Einen Bezug zum Prof gab es nicht“, sagt Sandro. Gut aufgehoben fühlte er sich trotzdem. „Erasmus war überall präsent. Ob bei der Wohnungssuche oder bei der Erstellung des Stundenplans – wir hatten immer Hilfe“, blickt Sandro zurück. 30 ECTS musste er holen. Das hat er geschafft. „Die Klausuren waren alle mündlich und alle irgendwie machbar.“ Einige früher, andere später.

Eigentlich war das alles. Eigentlich war das Kapitel „Auslandsaufenthalt während des Studiums“ für Sandro damit zugeschlagen. Eigentlich. Denn als Sandro längst wieder in Hagen studierte, bekam er eine Nachricht vom Akademischen Auslandsamt der FH Südwestfalen. „Den Damen dort war ich wohl noch in Erinnerung“, sagt Sandro. So erklärt er sich jedenfalls, dass man im Auslandsamt sofort an ihn dachte, als eine Stellenausschreibung einer Firma ins Amt flatterte, die eine Praktikumsstelle im italienischen Treviso in Aussicht stellte. Und jetzt griffen alle Räder ineinander. „Die Stellenanzeige war mir wie auf den Leib geschrieben.“, sagt Sandro. Er bewarb sich. Und wurde prompt genommen. Auch die während des Auslandssemesters gewonnenen Sprachkenntnisse erwiesen sich im Vorstellungsgespräch als Ass im Ärmel. Und so reihte sich Zusage an Zusage. Auch seine Bachelor-Arbeit könne er im Rahmen dieses Praktikums schreiben.

Business- statt Studentenleben

Und so ging es im Frühjahr 2011 wieder nach Italien. Wieder für ein halbes Jahr. Wieder mit einer Erasmus-Förderung im Gepäck. Diesmal nach Treviso. Und diesmal war Vieles anders. Wohnung statt WG. Business- statt Studentenleben. Und sogar ein Dienstwagen. „Das hat mich alles sehr beeindruckt“, sagt Sandro. „Ich wurde als Praktikant total eingebunden. Das war eine komplett hierarchiefreie Arbeitsatmosphäre.“

Und in dieser scheint er sich bewährt zu haben. Denn die Firma wollte ihn binden. Sandro war stolz, fühlte sich vielleicht sogar ein bisschen geehrt. Doch Sandro wollte nicht. Noch nicht. Er möchte erst den Master machen. Und bis dahin ist Sandro woanders untergekommen. Bei einer Dortmunder Firma, die eng mit der Firma in Treviso kooperiert. Als studentische Hilfskraft. Auf Empfehlung aus Italien.

Und angefangen hatte das alles mit einem Aufenthalt im Ausland. Ausland? Ist Italien für Sandro wirklich Ausland? „Kommt drauf an“, sagt er. „Wenn ich in Deutschland bin, bin ich für alle der Italiener. Wenn ich in Italien bin, bin ich der Deutsche.“

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