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Aufgrund der großen Resonanz musste der Vortrag über Klein-Windenergie-Anlangen spontan in das Soester Audimax der Fachhochschule Südwestfalen verlegt werden.
Aufgrund der großen Resonanz musste der Vortrag über Klein-Windenergie-Anlangen spontan in das Soester Audimax der Fachhochschule Südwestfalen verlegt werden.(Download )
Referent Uwe Hallenga nahm kein Blatt vor den Mund: Der Verfechter der energietischen Selbstversorgung gerade auch mit Wind stellte die Wirtschaftlichkeit von KWEA in Frage. 	Fotos: Scholtes | TWS Soest
Referent Uwe Hallenga nahm kein Blatt vor den Mund: Der Verfechter der energietischen Selbstversorgung gerade auch mit Wind stellte die Wirtschaftlichkeit von KWEA in Frage. Fotos: Scholtes | TWS Soest(Download )
05.04.2013

Kleinwindanlagen: Hoffnungsträger oder Sackgasse?

Expertenvortag mit hohem Zuspruch

Soest. Wenige Tagen nach dem Südwestfälischen Energietag kamen über 200 Interessenten zu dem Vortrag über Kleinwindanlagen, den das Institut für Technologie und Wissenstransfer (TWS) zusammen mit dem Energiestammtisch des Vereins "Umschalten in der Energieversorgung" und der KonWerl Zentrum GmbH auf dem Campus angeboten hat. "Wegen des großen Andrangs mussten wir zehn Minuten vor dem Start in das Audimax umziehen", berichtet TWS-Geschäftsführer Dr. Jörg Scholtes.

Referent Uwe Hallenga hat als Energie-Rebell angefangen; sein Vortrag war gespickt mit Beispielen und Anekdoten: Als leidenschaftlicher Bastler begann er bereits vor Jahren, sich selbst über Photovoltaik und Windenergie mit Energie zu versorgen. Seine reichen Erfahrungen - auch verbunden mit der Erkenntnis, dass Formeln und Berechnungen sowie die genau Kenntnis des Standorts gerade bei der Windkraft unumgänglich sind - teilt der Buchautor und gefragte Referent heute über sein Internetportal www.kleinwindanlagen.de.

Insbesondere bei den Kleinwindanlagen tummelt sich ein unübersichtliches Feld an Herstellern und Typen. "Da wird viel versprochen", stellt Hallenga fest, der wegen seiner klaren Position bei manchem Hersteller nicht gerne gesehen ist oder sogar Hausverbot hat.. "Um in die Nähe von Rentabilität zu kommen, müssen Sie die Energie selbst nutzen!" Selbst an günstigen Standorten ist eine betriebswirtschaftliche Rendite kaum zu erzielen. "Es gibt verlässliche Anlagen, aber es gibt auch viel Unsinn auf dem Markt."

Wichtig ist zunächst eine exakte Standortanalyse: Denn Kleinwindanlagen haben nur eine Höhe von 10 bis 20 Meter. Da kommt es immer zu Verwirbelungen und "wenige Meter weiter kann das Windprofil schon ein ganz anderes sein." Um diese schwierigen Bedingungen bestmöglich zu nutzen, haben Tüftler und Ingenieure diverse Windradformen ersonnen. Neben dem klassischen horizontalen Propeller sind zahlreiche Vertikalformen auf dem Markt. Egal ob diese als Widerstandläufer oder nach dem Auftriebsprinzip funktionieren, haben diese Bauformen den Nachteil, dass immer ein Blatt gegen den Wind dreht und dass sie mit niedrigeren Geschwindigkeiten arbeiten.

Daher favorisiert Halenga das klassische dreiflügelige Windrad. Dies habe einen Wirkungsgrad von ca. 45%. Vertikalläufer erreichen dagegen nur 25 bis 35 Prozent. Zudem laufen die klassischen Propeller bis zu zehnmal schneller als der Wind. "Und je schneller das Ding dreht, desto kleiner und damit billiger in der Anschaffung ist der Generator."

Es ist wie mit windigen Geldanalgen stellt Dr. Jörg Scholtes vom TWS fest: "Manche Hersteller verheißen, mit Trichterförmigen Düsen oder durch spezielle Gehäuse das Mehrfache aus dem Wind herauszuholen". Solchen Tricks und weiteren versprochenen Wunderdingen sollte man generell mit Misstrauen begegnen. Die physikalischen Zusammenhänge wie das Betzsche Gesetz sprächen eine klare Sprache - dagegen.

Trotz aller Widrigkeiten ist Hallenga ein Verfechter der Windenergie. "Selbst wenn Kleinwindanlagen auch an einem guten Standort kaum betriebswirtschaftlich darstellbar sind, lohnt sich ein solche Anlage in vielerlei Hinsicht". Hallenga nennt zunächst den idealistischen und ökologischen Blickwinkel Außerdem durchleuchtet, wer über Selbstversorgung nachdenkt, auch gründlich Gewohnheiten und Verbrauch. Aber auch die erzieherische Komponente hält Halenga für wichtig: Strom kommt eben nicht einfach aus der Steckdose.

Zum Schluss gibt der Windfachmann handfeste Empfehlungen: "Setzen Sie sich im Vorfeld mit Menschen und Anlagen auseinander, die wirkliche existieren." Gerade in Internetforen findet man zahlreiche konkrete Erfahrungen. "Wenn sie sich ein konkrete Lösung anschauen, nehmen Sie Ihre Frau mit", mahnt der Praktiker. "Das erspart viel Schlichtungsarbeit."

Kleinwindanlagen sind unter bestimmten Umständen nicht genehmigungspflichtig. Aber auch hier rät der Fachmann: "Sprechen mit dem Bauamt. Mit einer amtlichen Genehmigung kann ihnen auch ein neuer Nachbar keinen Strich mehr durch die Rechnung machen." Wenn man schließlich alles richtig gemacht hat, kann man bei einem allgemeinen Stromausfall vielleicht die Nachbarn zur gemeinsamen Fußballübertragung einladen. Hallenga konnte diesen Trumpf schon sehr früh in seiner Karriere als Energie-Rebell ausspielen.

"Kleine Windenergieanlagen sind gerade auch ein Thema für die Selbstversorgung in ländlichen Alleinlagen", stellt Scholtes fest. Der Geschäftsführer des TWS möchte das Thema im Herbst erneut aufgreifen, dabei auch näher auf physikalische Aspekte eingehen.

Mit dem Thema Wind beschäftigen auch weitere Einrichtungen auf dem Campus Soest: Prof. Dr. Egon Ortjohann verantwortet bereits mehrere Forschungsprojekte, etwa den Aufbau einer Windkraftanlage im Kleinleistungsbereich für Inselstromversorgungssysteme.
Mit einer Machbarkeitsstudie und einer Marktanalyse wollen Prof. Dr. Jens Bechthold und das Institut i.green den Grundstein für die Entwicklung einer Kleinwindkraftanlage zur Einzelhausversorgung legen.

Institut für Technologie- und Wissenstransfer | Fachhochschule Südwestfalen in Soest | i.green Soest | Kleinwindanlagen