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(v.l.): Febriyanti, Yossie Triyandi und Fadli Fajri wurden von Bayer Mitarbeiterin Ayse Aksel  und Azubi Rene Töller betreut. Andrea Will von der SGU Westphalia Stiftung betreute von Soest aus insgesamt 250 Studierende.
(v.l.): Febriyanti, Yossie Triyandi und Fadli Fajri wurden von Bayer Mitarbeiterin Ayse Aksel und Azubi Rene Töller betreut. Andrea Will von der SGU Westphalia Stiftung betreute von Soest aus insgesamt 250 Studierende.(Download )
29.08.2013

"Ich bin sehr glücklich über diese Chance"

Indonesische Studenten im Praxissemester bei Bayer Pharma in Bergkamen

Soest/Bergkamen. Sie kommen aus der kuschelig-warmen 10-Millionen-Stadt Jakarta. Doch für sechs Monate war Bergkamen das Zuhause der indonesischen Studenten Fadli Fajri (20) und Yossie Triyandi (21). Ebenso wie die 21 Jahre alte Studentin Febriyanti (nur ein Name für Vor- und Nachname) absolvierten sie ein halbes Jahr lang ein Praxissemester bei Bayer Pharma in Bergkamen.

Die Ankunft im Februar war ein Schock. "Deutschland ist kalt", sagt Febriyanti. "Sehr kalt", ergänzt Yossie. Fadli dagegen war begeistert, als er nach über 20 Flugstunden den vielen Schnee gesehen hat. "So etwas gibt es bei uns in Indonesien nicht."

Er spricht, ebenso wie die beiden anderen, schon recht gutes Deutsch - und das nicht erst seit der Ankunft in Deutschland. Alle Drei sind Studenten der "Swiss German University" (SGU) in Jakarta, einer privaten Universität, die vor zehn Jahren von Deutschen und Schweizern gegründet wurde. Deutsch gehört dort ab dem 1. Semester zum Lehrplan. Und auch ein Auslandssemester ist Pflicht - ein "Internship" im 6. Semester.

Für Fadli war sofort klar, dass Deutschland sein Ziel sein soll. Er will, ebenso wie Yossie, pharmazeutischer Ingenieur werden. "Und Deutschland ist bekannt für seine Medizintechnik, seine chemische Industrie und seine pharmazeutische Industrie", erklärt er. Die in Soest ansässige Stiftung seiner Universität vermittelte ihm einen Praktikumsplatz bei Bayer Pharma in Bergkamen. Auch Yossie, der schon bei Bayer Indonesia ein Praktikum absolviert hatte, kam im Bergkamener Werk unter.

"Wir hatten noch nie indonesische Praktikanten", berichtet Bayer-Ausbildungsleitung Karl-Heinz Grafenschäfer. "Da mussten wir erst einmal Überzeugungsarbeit im Werk leisten". Das gelang ihm. Er konnte nicht nur die beiden Männer unterbringen, sondern auch die Studentin Febriyanti. Sie hatte sich aus Indonesien direkt bei Bayer per Mail geworben und will in Deutschland den doppelten Abschluss in "Business Administration und Finance" erwerben: Bachelor und Thesis. "Bayer ist eine sehr große Firma. Ich bin sehr glücklich über die Chance, hier ein Praktikum machen zu dürfen", sagt Febriyanti.

Auch Yossie und Fadli arbeiten auf den "double degree" hin. "Das ist quasi ein Doppeldiplom. Das ist sehr sehr hart und wahrlich kein Spaß", erläutert Andrea Will, die in der "Swiss Germany University Westphalia Stiftung" von Soest aus 250 indonesische Studierende in ganz Deutschland betreut hat.

Bevor die Studierenden an ihren Vollzeit-Praktikumsplätzen mit der Arbeit begannen, nahmen sie mehrere Wochen lang an Vorlesungen und Deutschkursen an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest teil. "Dazu gab es Einführungen über die rechtliche Situation in Deutschland", erklärt Andrea Will. Denn natürlich sei jeder Student auch der Ausländerbehörde gemeldet.

Auch Bayer-Ausbildungsleiter Karl-Heinz Grafenschäfer nahm an einer Einführungsveranstaltung in Soest teil, wollte wissen, was von "seinen" Studenten hier in Deutschland erwartet wird. Bei Bayer folgte eine weitere Einführung mit Präsentation des Produktionsstandortes. Zudem wurden den Indonesiern der gleichaltrige Azubi Rene Töller (Industriekaufmann) sowie Mitarbeiterin Ayse Aksel als Kontaktpersonen zur Seite gestellt.

"Die Indonesier sind alle sehr sympathisch und respektvoll", schildert Rene Töller. Die asiatischen Gäste geben die Komplimente gleich haufenweise zurück. Die meisten Kollegen seien nett, freundlich und hilfsbereit, versichern sie. "Wir verstehen uns sehr gut", strahlt Fadli. Die Studentin Febriyanti darf sogar bei einer Kollegin aus der Controlling-Abteilung leben, während sich die beiden jungen Männer eine gemeinsame Wohnung teilen.

Und die Kosten des Aufenthalts? Dafür kommen die Studierenden selbst auf. "Die Arbeitgeber unterstützen sie dabei mit einer Praktikumsvergütung", lobt Andrea Will von der SGU-Westphalia-Stiftung. Zudem gebe es Unterstützung von Zuhause - übrigens keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem sehr große Armut herrscht. Allein im Jakarta leben 1,7 Millionen Straßenkinder in den Slums.

Slums gibt es in Deutschland glücklicherweise nicht. "Hier ist alles sehr ordentlich", hat Fadli festgestellt. Besonders der öffentliche Personennahverkehr hat es ihm und auch Febriyanti angetan. "Ich liebe das Transportsystem hier. Alles ist so gut organisiert", sagt Febriyanti. Und mit den vielen Unterschieden - darunter auch das Essen - komme man gut klar, versichern alle drei, auch wenn Andrea Will von der SGU-Stiftung Westphalia weiß: "Gerade das Essen ist für die Asiaten am Anfang ein Kulturschock."

Auch mit den anderen Größenverhältnissen müssen sich die Studenten, die aus dem viertgrößten Land der Erde (nach Einwohnerzahl) kommen, erst einmal vertraut machen. "Bergkamen ist eine sehr ruhige Stadt. Sehr geeignet für Relax", meint Febriyanti höflich. Doch zum Relaxen bleibt nicht viel Zeit. "Es ist unglaublich, was die jungen Leute während ihres halbjährigen Aufenthalts leisten und wie sie sich weiterentwickeln", sagt Andrea Will: "Im Februar kamen sie als Jugendliche an. Jetzt, Ende August verlassen sie uns als Erwachsene."

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