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Veranstalter und Referenten des 25. Soester Agrarforums.Foto: Hinrichs | FH SWF
Veranstalter und Referenten des 25. Soester Agrarforums.Foto: Hinrichs | FH SWF(Download )
Prof. Dr. Jürgen Braun, Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft, eröffntete das 25. Soester Agrarforum, das wieder 800 Gäste in die Soester Stadthalle lockte.
Foto: Hinrichs | FH SWF
Prof. Dr. Jürgen Braun, Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft, eröffntete das 25. Soester Agrarforum, das wieder 800 Gäste in die Soester Stadthalle lockte. Foto: Hinrichs | FH SWF(Download )
17.01.2014

Agrarforum: Nachhaltige Intensivierung gefordert

Landwirtschaft soll Vorreiter im maßvollen Umgang mit Antibiotika werden. 24 Milliarden Tonnen Ackerboden gehen weltweit verloren. Bioenergieerzeugung nur als Brückentechnologie akzeptabel. Produktpreise müssen Knappheit aller Ressourcen widerspiegeln

Soest. Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft hängt entscheidend von ihrem Umgang mit natürlichen und anderen Ressourcen ab, lautete das Fazit des 25. Soester Agrarforums. Zu ihrer jährlichen Tagung konnte der Fachbereich Agrarwirtschaft Soest der Fachhochschule Südwestfalen gemeinsam mit dem Ehemaligenverband Susatia rund 800 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft begrüßen.

Schon heute übersteigt die Ressourcennutzung in allen Wirtschaftsbereichen die natürliche Regenerationsfähigkeit der Erde, so dass sie so nicht fortgeführt werden kann. Die Landwirtschaft mit ihrer globalen Boden-, Wasser- und Biosphärennutzung muss sich dem gesellschaftlichen Auftrag nach nachhaltiger Erzeugung stellen: Umzusetzen vor allem durch wachsende Effizienz in der Produktion - und zu kommunizieren für mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Nach dem einführenden Referat aus ethischer Sicht von Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor des Sozialinstituts Kommende Dortmund, kamen sieben Soester Professorinnen und Professoren der Agrarwirtschaft mit pointierten Beiträgen zum Wort, hervorragend moderiert von Eberhard Breuninger von der Harten & Breuninger GbR aus Weikersheim.

Verantwortungsvolle Verwalterschaft

Der biblische Herrschaftsauftrag des Menschen, sich die Erde untertan zu machen, sei kein Freibrief zur Ausbeutung der Natur, betonte Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor des Sozialinstituts Kommende Dortmund, in seinem einführenden Referat. Der Auftrag stehe im Kontext seiner Gottesbeziehung und müsse als verantwortungsvolle Verwalterschaft begriffen werden. Ein historisches Beispiel für die Wahrnehmung der Schöpfungsverantwortung seien die Beiträge der Klöster zur Entwicklung von Pflanzenbau und Tierhaltung. Eine ressourceneffiziente Landwirtschaft, die auf Umwelt- und Generationenverträglichkeit bedacht sei, werde sich auch angesichts der gegenwärtigen Marktverhältnisse als zukunftsfähig erweisen. Nachhaltige Wirtschaftsweise bedeute, die Bedürfnisse der heutigen Generation zu befriedigen, ohne die Ansprüche zukünftiger Generationen zu gefährden, stellte Prof. Dr. Jürgen Braun, Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft, klar. Eine sogenannte nachhaltige Intensivierung könne Erhöhungen der Produktionsintensität nur innerhalb der durch Nachhaltigkeitskriterien definierten Spielräume akzeptieren. Optimale spezielle Intensitäten in diesem Sinne seien von lokalen Voraussetzungen abhängig und nicht pauschal zu definieren. Die Produktivität stelle die Basis für Aussagen zur Ressourceneffizienz: Wie effizient ein Produktionsverfahren in Bezug auf den Einsatz einer Ressource sei, ergebe sich aus dem Vergleich seiner Faktorproduktivität mit beispielsweise der höchsten beobachteten Produktivität eines Referenzsystems.
Hot-Spot Antibiotika

Präventive Hygieneberatung und gezielte, einzelbetrieblich angepasste Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit böten laut Prof. Dr. Marc Boelhauve ausreichend Spielraum, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu reduzieren. Anstelle von präventiven Anwendungen seien nur kurative Applikationen zu akzeptieren. Das erklärte politische Ziel eines reduzierten Antibiotikaeinsatzes werde aber nicht konsequent verfolgt, da die Verwendung im humanen Bereich nicht erfasst, sondern nur geschätzt werde. Dies lege die Vermutung nahe, dass es weniger um Antibiotika als viel mehr um die Reduzierung der aktuellen Tierhaltung an sich gehe. Zur Beurteilung der Effizienz der Tierhaltung seien Energieeinsatz und Flächenbedarf als Kenngrößen heranzuziehen, erläuterte Prof. Dr. Margit Wittmann. Der sogenannte CO2-Fußabdruck als Teil des "Ökologischen Fußabdrucks" weise den Energieaufwand, ausgedrückt in CO2-Äquivalenten je Produkteinheit, aus. Darin seien auch indirekte Energieeinträge aus Betriebsmitteln, Maschinen und Gebäuden enthalten. Aktuelle Auswertungen zeigten, dass unabhängig von Milchleistungniveau und Wirtschaftsweise je Kuh in etwa eine ähnliche Energieeffizienz pro kg Milch erreicht werde. Eine grünlandbetonte Fütterung könne trotzdem nachhaltiger als andere Verfahren sein, da Grünlandflächen als CO2-Senken dienten.

Wichtigste Ressource Boden

Von allen Faktoren, die für den Schwund fruchtbarer Böden verantwortlich seien, sei Erosion weltweit der größte Bodenschaden, betonte Prof. Dr. Thomas Weyer. Jährlich seien 24 Mio ha Land im Wert von schätzungsweise 490 Mrd USD betroffen, so dass bis zum Jahr 2050 nur noch 0,2 ha Ackerland je Person zur Verfügung stehe. Ein breites Umdenken hin zu nachhaltigen Landnutzungs-konzepten sei notwendig, wie es die Kommission Bodenschutz des Umwelt-bundesamtes in ihrem Sieben-Punkte-Programm vorschlage. Auch den Verlusten bei der Produktion von weltweit rund 30 % des Potenzials müsse effizient begegnet werden, forderte Prof. Dr. Verena Korr. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stünden für die Verbraucher leider die Risiken im Vordergrund, während der Nutzen nicht wahrgenommen werde. Ohne Pflanzenschutz sei das aktuelle Produktionsniveau nicht zu halten. Ziel einer nachhaltigen Anwendung müsse ein verantwortungsbewusster, sachgerechter und gezielter Einsatz sein. Prinzipiell sei mehr Effizienz durch optimierte Bodenbearbeitung, Düngung und Fruchtfolgegestaltung zu erzielen, führte Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer aus. Dieser Ansatz werde im Forschungsprojekt "Klimaoptimierte Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft" verfolgt, das verschiedene Fruchtfolgesysteme mit der Schweizer Methodik "Agricultural Life Cycle Assessment" (SALCA) vergleichend analysiere. Die Ergebnisse zeigten allerdings, dass einfache Lösungsansätze zur Ressourcenschonung wenig zielführend seien, sondern die sehr komplexen Zusammenhänge einer differenzierten Betrachtung bedürften.

Alle Faktoren einbeziehen

Die Effizienz von Produktionssystemen sei anhand der Verwertung der Produktionsfaktoren unter Einbezug der natürlichen Ressourcen zu bewerten, forderte Prof. Dr. Friedrich Kerkhof. Maßnahmen zur Minderung des Flächen- und Energieverbrauchs seien erforderlich; gleichzeitig sei die Effizienz der Landwirtschaft durch technischen Fortschritt und optimierte Prozesse weiter zu erhöhen. Nur von Produktionssystemen mit hohen Leistungen seien angemessene Verwertungen der Faktoren Arbeit, Boden und Kapital zu erwarten. Aus Sicht des Klimaschutzes sei die Biokraftstofferzeugung längerfristig keine sinnvolle Option. Zukünftige Landnutzungssysteme seien nur bedingt planwirtschaftlich steuerbar, sondern unterliegen marktwirtschaftlichen Prinzipien: Die Ausrichtung der Landnutzung ergebe sich aus der Knappheit der Faktoren und den Wertvorstellungen der Gesellschaft zur Nutzung öffentlicher Güter. Die nachhaltige Erzeugung der betroffenen Güter sei die Basis zur Beurteilung internationaler Handelsströme, führte Prof. Dr. Wolf Lorleberg aus. Dabei müssten die volkswirtschaftlichen Kosten natürlicher Ressourcen berücksichtigt werden. Durch regionale Arbeitsteilung gemäß Standortvorteilen könnten durch Handel alle Beteiligten profitieren - Spezialisierung erhöhe die Ressourceneffizienz. Allerdings werde die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen wie Boden, Wasser und Biosphäre "vituell" mitgehandelt, wobei ihr Knappheitsgrad in Bezug auf Nachhaltigkeit bei der Beurteilung entscheidend sei. Bei immer mehr beanspruchten globalen Ressourcen sei der Ressourceneffizienz eine Investition in die internationale Wettbewerbsposition und werde Landwirtschaft und Agribusiness Zukunftsmärkte sichern.

www.fh-swf.de/agrarforum | www.fh-swf.de/fbaw | www.fh-swf.de/susatia


Im Rahmen des Agrarforums wurde Stefan Fliegen mit dem Soester Agrarpreis ausgezeichnet. - Siehe separaten Bericht:
www4.fh-swf.de/de/home/ueber_uns/aktuelles_7/pressemitteilungen_4/index.php?pressInfoId=1967