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2 Professorinnen in China
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17.07.2014

Lehren im Reich der Mitte

Die Professorinnen Dr. Beate Burgfeld-Schächer und Dr. Anne Jacobi als Gastdozentinnen in China

Hangzhou / Meschede. Vier Wochen lang unterrichteten die Professorinnen Dr. Beate Burgfeld-Schächer und Dr. Anne Jacobi im Sommersemester 2014 in Hangzhou in China. Die Zhejiang University of Science (ZUST) hat die beiden Mescheder Wirtschaftswissenschaftlerinnen als Gastdozentinnen eingeladen.

Warum sind Sie zum Unterrichten nach China gereist?

Burgfeld-Schächer:  Es gibt seit dem Jahr 2007 einen Austausch von Studenten und auch Dozenten für bestimmte Fächer zwischen unseren Hochschulen. Auf eine Anfrage der ZUST hin haben wir uns überlegt, dass wir so das chinesische Hochschulsystem kennen lernen und den Austausch von Studenten fördern können.  

Jacobi: Nächstes Semester kommen dafür fünf Studenten aus Hangzhou zu uns.

Können Sie denn chinesisch?

Jacobi: Nicht wirklich. Nur ein paar Brocken: Ni hao, das heißt „Guten Tag“. Und dann noch „Danke“ und „Auf Wiedersehen“. Es war aber auch nicht nötig, denn der Unterricht lief auf Englisch.

Burgfeld-Schächer: In den Studierendengruppen waren auch Afrikaner und Russen, die sich untereinander auf Englisch verständigen mussten.

Wie war das Hochschulleben in China?

Burgfeld-Schächer: Ganz anders als in Meschede. Die Hochschule ist nicht klein und überschaubar, sondern ein ganzer Stadtteil. Dort gibt es vier Hochschulen direkt nebeneinander. Deshalb leben und wohnen über 100000 Studierende direkt am Campus in Wohntürmen.

Jacobi: Der Campus selbst ist riesig groß, man hat oft Fußwege von 15 Minuten, um zum Unterricht zu kommen. Wenn man in die Stadt möchte, muss man mit dem Bus fahren, sonst ist es zu weit. Auf dem Campus gab es sogar ein großes Teefeld. Hangzhou ist Hauptstadt des grünen Tees. In Teehäusern auf dem Campus konnte man an Teezeremonien teilnehmen.

Wie haben Sie den Unterricht erlebt?

Jacobi: Verschulter. Es gibt Pausenzeichen, die ersten Takte von „Elise“. In den Studentengruppen sind Gruppensprecher eingeteilt, die sich zum Beispiel um die Technik im Vorlesungsraum kümmern. 

Burgfeld-Schächer: Das war auch gut so, auf den Rechnern und Beamern waren nur chinesische Schriftzeichen. Trotzdem haben wir teilweise ratlos vor dem Cockpit-Pult gestanden. Die haben wir dann im „Learning by doing“ ausprobiert.

Jacobi: Wenn nichts mehr ging, half dann nur „Stecker raus“.

Burgfeld-Schächer: Die chinesischen Studenten waren dabei aber immer sehr hilfsbereit. Insgesamt sind die Studierenden dort sehr respektvoll. Das Verhältnis zu den Dozenten ist nicht so partnerschaftlich wie bei uns, sondern eher hierarchisch. Im Unterricht sagen und fragen sie nichts. Mit unseren interaktiven Unterrichtsmethoden ist das dann eher schwierig.

Jacobi: Es geht, wenn man Teams bildet und diese Aufgaben erledigen müssen. Der Einzelne stellt sich nie in den Vordergrund. Man muss deshalb im Unterricht Umwege gehen, um Interaktion hinzubekommen.

Was nehmen Sie aus China für sich persönlich mit?

Burgfeld-Schächer: Mehr Verständnis für die Schwierigkeiten ausländischer Studenten hier bei uns. Und ich bin „geerdet“ worden. Viele Dinge, die bei uns selbstverständlich sind, waren es dort nicht.

Jacobi: Auf den chinesischen Studenten liegt als Folge der „Ein Kind“-Politik ein sehr hoher Erwartungsdruck. Ein schlechter Schul- oder Studienabschluss ist dort ein Desaster. Diesen Druck kenne ich aus Deutschland nicht. Wenn eine Sache nicht klappt, kann man etwas anderes ausprobieren. Trotzdem gehen die Chinesen alles etwas lockerer und nicht so strukturiert wie wir an. Diese Lockerheit möchte ich ein Stück weit mit in meinen Alltag nehmen.