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Die Studierenden der Fachhochschule Südwestfalen bildeten für eine Woche die Besatzung der Banjaard.
Die Studierenden der Fachhochschule Südwestfalen bildeten für eine Woche die Besatzung der Banjaard.(Download )
Sich einfach mal treiben lassen. Aber so ruhig ging es für die Studierenden an Deck der Banjaard natürlich nicht immer zu.
Sich einfach mal treiben lassen. Aber so ruhig ging es für die Studierenden an Deck der Banjaard natürlich nicht immer zu.(Download )
24.09.2014

„Hier ist nichts. Und das ist schön“

Exkursion: Hagener Studierende der Fachhochschule Südwestfalen segeln eine Woche über die Ostsee

Hagen. Es wäre übertrieben, wenn man behaupten würde, dass sie ihr Schicksal in die Hände der Natur, genauer in die des Windes gelegt hätten. Aber so ganz falsch wäre es eben auch nicht. „Wohin uns unsere Route führt, ist die Entscheidung des Windes“, sagt nämlich Volker Weiß. Mit 13 Studierenden segelte der Dozent der Fachhochschschule Südwestfalen eine Woche auf der Ostsee.

Die Banjaard. 38 Meter lang, sechs Meter breit, 1913 gebaut. Eigentlich ein alter Kahn. Aber einer, auf dem man viel lernen kann. Einer mit Tiefgang. Diese Tugenden muss man dem Zweimast-Topsegelschoner jedenfalls schon fast an die Reling heften, wenn man den Studierenden, die eine Woche an Bord des Schiffes verbracht haben, genau zuhört. „Auf See verschiebt sich der Fokus“, sagt der 21-jährige Kevin Schmidt, „da ist es egal, welches Handy du hast, da zählt eher, ob noch ausreichend Wasser zum Kochen im Tank ist“. Arzu Herlemann (22) erging es ähnlich. „Die Grundstimmung ist eine andere. Alles schaukelt, man wird ein ruhigerer Mensch“, sagt sie.

Volker Weiß hört das gerne. Denn wenn der Dozent des Fachbereichs Technische Betriebswirtschaft seine Studierenden so reden hört, dann weiß er, dass die von ihm organisierte und geleitete Exkursion auf hoher See eigentlich schon ein Erfolg war. „Es geht dabei auch um Teambuilding. Es geht darum, auch mal ein Kommando anzunehmen, wenn es vielleicht ohne freundlichen Tonfall und ein ‚bitte‘ daherkommt“.  Bei Jan Röding ist diese Lektion angekommen. „Man merkt sehr schnell, dass man an Bord zusammen funktionieren muss“, sagt der 24-Jährige und zieht Parallelen zum beruflichen Alltag: „Da muss man auch in ungewohnten Gruppen zusammenarbeiten, als Team funktionieren.“

Auch das hört Volker Weiß gerne. Wenn er seine Mitsegler dann aber als „ruhige Genießergruppe, die den Reiz des entschleunigten Lebens erkannt hat“, bezeichnet, dann lobt er im gleichen Atemzug  auch deren Fleiß. Denn an Bord wurde auch gelehrt und gelernt. Schließlich war die Woche auf der Banjaard der Höhepunkt eines Informatik-Seminars. Zuvor wurde in Hagen das Basiswissen vermittelt. „Das Koordinatensystem der Erde, nautisches Grundwissen, sphärische Mathematik und natürlich Programmierung, damit sollte man sich auskennen, bevor man an Bord geht“, sagt Volker Weiß. Auf der Banjaard arbeiteten die Studierenden dann in kleinen Gruppen an Subprojekten, allesamt zum Thema Positionsbestimmung. Die Projektthemen wurden zuvor an der Hochschule vergeben und vorbereitet.

Bei aller Vorbereitung blieb eine große Unbekannte: die Route. Zwar stand mit Kiel ein Startpunkt fest und auch eine grobe Richtung war mit der angestrebten Umsegelung der dänischen Insel Fünen vorgegeben, welchen Weg der Wind der Banjaard dann aber tatsächlich durch die Wogen der Ostsee diktieren würde, war völlig offen. „Der Wind entscheidet, so ist es nun mal“, sagt Volker Weiß. Und der Wind meinte es gut mit der Banjaard und ihrer Besatzung. Zwischen mehreren kleinen dänischen Inseln rief Arzu Herlemann über das Deck: „Keine Party, keine Aida, hier ist nichts. Und das ist schön.“

Internet: www.banjaard.net 
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