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Zwei der ersten Mescheder Studenten: Gerhard Jost...
Zwei der ersten Mescheder Studenten: Gerhard Jost...(Download )
und Hans Molitor mit Ihren Studienbüchern aus dem Jahr 1964
und Hans Molitor mit Ihren Studienbüchern aus dem Jahr 1964(Download )
Die staatliche Ingenieurschule in der Lindenstraße 53 im Jahr 1964
Die staatliche Ingenieurschule in der Lindenstraße 53 im Jahr 1964 (Download )
10.10.2014

Die ersten Studenten

Hans Molitor und Gerd Jost begannen am 1. Oktober 1964 ihr Studium in Meschede

Meschede. Ein einziges Klassenzimmer, 35 junge Studenten und nur vier Dozenten: Das erste Semester an der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen in Meschede im Winter 1964/65 verlief eher improvisiert. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, haben sich die „ersten Mescheder Ingenieure“ sehr wohl in Meschede gefühlt. „Ich kann mich noch genau an meinen ersten Tag erinnern“, erzählt Gerd Jost. Der 70-jährige Arnsberger war einer der 35 Studenten, die am 1. Oktober 1964 ihre Ausbildung in Meschede begannen. „Ich wusste am ersten Morgen nicht, wie lange der Fußmarsch vom Mescheder Bahnhof zum Gebäude der Hochschule dauert.“ Da ihm ein Bekannter erzählte, dass der Weg sehr weit war, stand Gerd Jost schließlich als Erster sehr früh vor der Erstsemester-Begrüßung an der Tür. Und dort lernte er einen seiner zukünftigen Dozenten kennen. „Der Baurat Ignaz Kleineberg sah damals noch so jung und schmächtig aus, dass ich ihn direkt kollegial begrüßt habe, ob er denn heute ebenfalls zu studieren anfängt.“

Auch Hans Molitor begann an diesem Oktobermorgen sein Studium an der Staatlichen Ingenieurschule für Maschinenwesen. Er erinnert sich ganz ähnlich an seinen ersten Tag. „Alles war noch etwas chaotisch“, so der heute 73-jährige Neheimer. „Nach der offiziellen Begrüßung sind wir noch in das Lokal „Schwarzer Peter“ in Meschede gegangen. Viele der Bauräte sind mitgekommen, die hatten ebenfalls noch kein richtiges Zuhause.“ Die Gaststätte entwickelte sich deshalb schnell zum Stammlokal der jungen Studenten und Dozenten. „Wir haben dort oft zusammen mit den Bauräten gesessen und konnten unsere Probleme ansprechen.“ Ein gutes und persönliches Verhältnis zwischen den Dozenten und Studenten gab es an der Fachhochschule Meschede von Anfang an. Da die Bauräte der Anfangszeit aus der Industrie stammten, gab es ab und zu Differenzen mit den Lehrmethoden der Dozenten. „Sie unterrichteten alle mehrere Fächer pro Semester. Da kam es vor, dass sie einfach am Stoff vorbei referierten.“ Für diese Probleme gab es die klärenden Gespräche im „Schwarzen Peter“ erinnern sich Gerd Jost und Hans Molitor. „Aber auch wenn wir uns abends im Lokal so manches Mal mit den Bauräten geduzt haben, war das am nächsten Tag immer ganz schnell vergessen.“

Heutzutage erinnert nicht mehr viel an das Leben der damaligen Ingenieure. „Wir hatten damals nur einen Unterrichtsraum, in dem wir etwa von 8 Uhr morgens bis 13 Uhr mittags Unterricht hatten.“ Gerd Jost kann sich eine Studienzeit ohne Anwesenheitspflicht und mit frei wählbaren Wahlpflichtfächern schwer vorstellen. „Es gab für uns alle zusammen einen festen Stundenplan und ein Klassenbuch. Fehlzeiten wurden nicht geduldet.“ Eine Mensa gab es 1964 noch nicht. „Am Anfang haben uns die Hausmeister Meier mittags einen Wäschekorb mit belegten Brötchen vorbeigebracht, da durfte sich dann jeder zwei Hälften nehmen“, erinnert sich Hans Molitor. Auf Grund fehlender Labore im ersten Semester mussten die praktischen Übungen ab dem zweiten Semester nachgeholt werden, dafür wurde eine Turnhalle zur Maschinenhalle umgebaut.

Das Studentenleben in Meschede war damals, ebenso wie in der heutigen Zeit, nicht sehr abwechslungsreich. Die Hälfte der damaligen Studienanfänger mietete ein Zimmer, oft mit Familienanschluss, die anderen, wie Hans Molitor und Gerd Jost, pendelten täglich. Für Abwechslung sorgten nicht nur Einladungen von Meschedern, wie zum Beispiel den Pfarrern. „Wenn jemand zum Kaffee geladen hatte, sagte von den Studenten niemand ab. Und die Schützenfeste“ sind uns auf jeden Fall noch in guter Erinnerung“, erzählt Hans Molitor.