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Das Mpumalanga-Team 2014: (v.li.) Prof. Dr. Thomas Weyer, Franziska Havelt, Johannes Bayer, Anna Schönweitz und Steffen Hünnies. Foto: Fuchs
Das Mpumalanga-Team 2014: (v.li.) Prof. Dr. Thomas Weyer, Franziska Havelt, Johannes Bayer, Anna Schönweitz und Steffen Hünnies. Foto: Fuchs(Download )
02.12.2014

Hilfe, die gut ankommt und sofort verstanden wird

Studierende berichteten über ihren humanitären Einsatz in Mpumalanga

Soest. „Man kann Afrika nicht in einem Vortrag transportieren“, da sind sich die Soester Agrarstudierenden Franziska Havelt, Steffen Hünnies, Anna Schönweitz und Johannes Bayer einig. Aber die vier haben es versucht und ihren Kommilitonen am Montagabend über ihre Zeit in Mpumalanga berichtet. Drei Monate haben sie die Partnerorganisation „Children in Distress“ (CID) bei ihrer humanitären Arbeit in Südafrika unterstützt.

„Die Kleinen sind sehr fröhlich, aber je älter die Kinder werden, desto mehr guckt man in ein fragendes Gesicht. Sie wissen nicht, was sie später mal machen sollen“, bringt Johannes Bayer die Perspektivlosigkeit vieler Menschen in Mpumalanga auf den Punkt. Über vier Millionen Einwohner leben in der Region, über die Hälfte sind nicht mal 20 Jahre alt. Die Provinz im Nordosten der Republik leidet stark unter den Folgen des HIV-Virus. An der Krankheit ist dort fast eine komplette Elterngeneration gestorben. Um die vielen Aids-Waisen, misshandelte und traumatisierte Kinder und Jugendliche kümmert sich die Organisation „Children in Distress“. Das Ziel des humanitären Projekts ist es, Perspektiven für junge benachteiligte Menschen aufzuzeigen. Genau dort setzt der freiwillige Arbeitseinsatz der Soester Studierenden an.

Noch vor Aufbruch nach Südafrika hatten die vier gemeinsam mit ihrem Hochschullehrer, Prof. Dr. Thomas Weyer, Spendengelder für Saatgut, Wassertanks, Zäune und mehr gesammelt. Mit vielen Fotos eindrucksvoll veranschaulicht, gaben sie am Montagabend vor 60 Zuhörern einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsumstände in Südafrika. „Wir haben die Gärten ziemlich leer vorgefunden, seit vier Monaten hatte es nicht geregnet, der Boden war also sehr trocken und es mangelte an Pflanzen“, beschrieb Steffen Hünnies das Bild. Die Gruppe war für acht über die Region verteilte Gärten verantwortlich, baute oder erneuerte Zäune, befreite Gelände von Gestrüpp, brach Böden mit der Spitzhacke um und legte zu guter Letzt Gemüsebeete an. Als zweite „Soester Gruppe“, brachten die Studierenden neue Impulse in das Projekt. Auf spielerische Weise haben sie versucht, kleinen Kindern einfache Grundlagen des Pflanzenbaus beizubringen. Für ältere Kinder richteten sie kleine Versuchsfelder mit Roter Beete, Salat, Paprika, Spinat und Lauch ein. Für die Pflege der Pflanzen, vor allem die Bewässerung, waren die Nachwuchsgärtner selbst verantwortlich. Hauptziel des Projektes ist es, die Eigeninitiative und Verantwortlichkeit der Kinder zu fördern, die erworbenen Kenntnisse später auf eigener Fläche anzuwenden und das Interesse an der Landbewirtschaftung zu wecken. „Getreu dem Motto, ʻman erntet, was man sätʼ, haben die Kinder erkannt, wenn ich mich gut um mein Beet kümmere, kann ich die Ernte später vermarkten und ein kleines Einkommen erzielen“, berichtete Anna Schönweitz begeistert über den Eifer der Kinder.

„Ja, es gibt viel Gewalt und Hoffnungslosigkeit in den Townships“, bestätigte Prof. Dr. Thomas Weyer, der das Projekt betreut und initiiert hat. „Aber es gibt auch die andere Seite. Südafrika ist ein sehr reizvolles Land, das Chancen und Potenziale hat.“ Die Hilfe sei bei den Menschen vor Ort unheimlich gut angekommen und sofort verstanden worden. Die Arbeit in Mpumalanga war sicher nicht immer einfach, das war den Studierenden anzusehen. Dennoch haben sie sich von der Begeisterung anstecken lassen: „Wir hatten eine so tolle Zeit, als Tourist hätte ich sicher nicht so viele Dinge gesehen, ich sehe die Leute dort jetzt mit anderen Augen“, resümierte Franziska Havelt. „Entschleunigend“ sei das Leben dort, wo nichts selbstverständlich ist. Und Anna Schönweitz fügte hinzu: „Das ist eine komplett andere Welt. Man bekommt eine andere Sichtweise auf Europa.“

Hintergrund:

„Children in Distress“ begann 1989 mit einer Suppenküche für 30 verwaiste Kinder. Heute betreut die Organisation 3.198 Kinder an acht Stationen in Mpumalanga und versorgt sie mit Nahrung und weiteren Grundbedürfnissen.Seit 1995 besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem Bundesland Nordrhein- Westfalen und der südafrikanischen Provinz Mpumalanga. Das Mpumalanga Forum wurde Ende 2001 mit dem Ziel gegründet, allen Organisationen in NRW, die Beziehungen zur Partnerprovinz unterhalten, eine Plattform zum Erfahrungs- sowie Informationsaustausch und gemeinsames Lernen für Bürgerinnen und Bürger in Nord und Süd anzubieten.

Zum Forum gehören 150 Akteure aus Kirche, Gesellschaft und Politik. Sechzig staatliche und nicht-staatliche Institutionen, Verbände und Einrichtungen kooperieren in den Bereichen Gesundheit, Sport, Kunst, Kultur und ländliche Entwicklung. Prof. Dr. Thomas Weyer arbeitet von Beginn an im Mpumalanga Forum. Seit 2010 ist er auch Mitglied der Steuerungsgruppe. Seit Ende 2011 besteht die Zusammenarbeit zwischen dem Soester Fachbereich Agrarwirtschaft und der Partnerorganisation in Mpumalanga.