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18.12.2014

Gerinnungszustand von Blut einfacher überwachen

Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn, Universitätsklinikum Tübingen und Unternehmen entwickeln neues Gerät

Iserlohn. Während einer Herzoperation muss das Herzkreislaufsystem häufig zeitweise durch eine Herzlungenmaschine ersetzt werden. Das Blut des Patienten kommt dann mit der völlig fremden Oberfläche dieser Maschine in Verbindung. Ohne blutgerinnende Medikamente würde das Blut sofort gerinnen und der Patient sterben. Ein neues Gerät zur Überwachung des Gerinnungszustandes des Blutes direkt am Patienten wird derzeit in einem Gemeinschaftsprojekt zwischen der Fachhochschule Südwestfalen, dem Universitätsklinikum Tübingen und Unternehmen entwickelt und soll bisherige Verfahren optimieren.

Wird das Blut durch Medikamente während der Operation verdünnt und ungerinnbar gemacht, muss der Gerinnungszustand des Blutes kontrolliert werden, damit der Patient weder verblutet noch durch übermäßige Gerinnung stirbt. Aufgabe des Anästhesisten ist es, eine optimale Balance herzustellen. Dies geschieht bislang durch Blutabnahme und Analyse des Gerinnungszustandes. Bei Störungen gibt der Anästhesist Medikamente bzw. Blutplättchen, um die Balance wieder herzustellen. Das neuentwickelte Gerät soll 10- minütlich direkt online am Patienten im OP und auf der Intensivstation das Gerinnungssystem überwachen. Es arbeitet damit schneller und komfortabler als bisherige Verfahren und ersetzt die aufwendige Blutentnahme und -analyse. 

Prof. Dr. Nicole Rauch, Dr. Theresia Groß und Silju Kunnakattu vom Labor für Mikro- und Nanoanalytik der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn entwickeln gemeinsam mit den Partnern ein Gesamtsystem, welches direkt am Patienten zur Anwendung kommen soll (Point-of-Care-Überwachung). In diesem Gemeinschaftsprojekt werden in Iserlohn die rheologischen Untersuchungen durchgeführt, die Forscher beschäftigen sich also mit dem Fließverhalten des Blutes. „Blut ist eine sogenannte viskoelastische Flüssigkeit. Es besitzt sowohl Eigenschaften eines Festkörpers als auch einer Flüssigkeit. Gleiches findet man bei Honig oder Haargel“ erklärt Rauch, „diese Eigenschaften können wir mit rheologischen Modellen beschreiben, die es uns erlauben, unterschiedliches Fließ- und Deformationsverhalten qualitativ und quantitativ zu beschreiben. Diese Methode möchten wir auch jetzt nutzen, um die Blutgerinnung zu messen“.

Silju Kunnakattu ergänzt: „ Rheologische Eigenschaften verändern sich während der Gerinnung. Die Schwierigkeit besteht darin, genau diese Veränderung messtechnisch kontinuierlich zu erfassen“. Der Absolvent des FH-Studiengangs Bio- und Nanotechnologie ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Rauch und wird über dieses Forschungsprojekt im Rahmen einer kooperativen Promotion zwischen Fachhochschule und Universität Tübingen seinen Doktortitel erwerben.

An dem Projekt sind neben der Universitätsklinik Tübingen, die das medizinisch-biologische Wissen über Blutgerinnung einbringt, auch die Unternehmen Probe & Go Lambordiagnostica GmbH aus Osburg und ABW Medizin und Technik aus Lemgo beteiligt.

Den ersten Erfolg hat Silju Kunnamattu für seine Arbeit bereits eingeheimst. Er erhielt im Rahmen des Aulonius Ideenwettbewerbs 2014 der Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft Südwestfalen eine Auszeichnung für seine Forschungsergebnisse.