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(v.li.) Prof. Dr. Harald Laser als Moderator, Dekan Prof. Dr. Jürgen Braun, die Referenten Dr. Christian Geßner, Dr. Dietrich Schulz, Prof. Dr. Bodo Mistele sowie Hathumar Rustige als Vorsitzender des Ehemaligenverbandes Susatia
(v.li.) Prof. Dr. Harald Laser als Moderator, Dekan Prof. Dr. Jürgen Braun, die Referenten Dr. Christian Geßner, Dr. Dietrich Schulz, Prof. Dr. Bodo Mistele sowie Hathumar Rustige als Vorsitzender des Ehemaligenverbandes Susatia(Download )
In den Pausen diskutierten Studierende mit Besuchern die Möglichkeiten neuer Produktionssysteme. Fotos (2): FH SWF/Pösentrup
In den Pausen diskutierten Studierende mit Besuchern die Möglichkeiten neuer Produktionssysteme. Fotos (2): FH SWF/Pösentrup (Download )
12.01.2015

„Nachhaltigkeit hat was von einer Versicherungsprämie“

Agrarforum diskutierte Chancen und Lösungen nachhaltiger Landwirtschaft

Soest. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird von diversen Interessengruppen unterschiedlich definiert. Im Kern meint er, die gegebenen Ressourcen verantwortungsvoll und mit Rücksicht auf zukünftige Generationen zu nutzen. Was das für die Landwirtschaft bedeutet, diskutierten am Freitag rund 800 Gäste aus Praxis, Wissenschaft und Politik beim Soester Agrarforum 2015.

Gemeinsam mit dem Ehemaligenverband Susatia hatte der Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen in die Soester Stadthalle geladen. Zum Auftakt erläuterte Prof. Dr. Jürgen Braun als Dekan die Zukunftsaufgabe der Agrarforschung: „Bei einer global steigenden Nachfrage nach Agrarprodukten und begrenzten Nutzflächen muss nach Lösungen gesucht werden, um ohne Gefährdung von Boden, Wasser und Kima die Erzeugung zu steigern.“ Diese Aufgabe sei nur bei effizienter Nutzung aller Ressourcen zu lösen. 

Welchen Beitrag die Entwicklung modernster und hocheffizienter Landmaschinen leisten kann, war Thema des Vortrags von Prof. Dr. Bodo Mistele, Professor für Landtechnik am Fachbereich Agrarwirtschaft. Die Vernetzung der Maschine mit ihrer Umwelt sei die Entwicklungsaufgabe der kommenden Jahre. Eine Schlüsselposition nehme dabei die globale Satelliten-Navigation sowie die automatische Prozessdatenerfassung ein. Auf dieser Grundlage ließen sich automatisch Anweisungen für teilflächenspezifisch optimierte Bewirtschaftungsmaßnahmen generieren. Bei so genannten Traktor-Implement- Systemen (TIM) beispielsweise, könnten angehängte Geräte wie etwa Rundballenpressen über automatische Datenkommunikation die Fahrgeschwindigkeit der Zugmaschine steuern. Auf diese Weise könne die Presse die maximale Menge an Heu oder Stroh aufnehmen, ohne dabei zu verstopfen.

Ein Risiko stellten laut Mistele allerdings immer leistungsfähigere, größere und damit meist schwerere Maschinen dar. Bei Achslasten von mehr als 20 Tonnen werde der tiefer liegende Unterboden irreversibel verdichtet. Die Folge: Der Boden sei schlecht durchlüftet, Wasser könne nicht versickern und mit den negativen Folgen gehe eine sinkende Ertragsquote einher. Längerfristig sei eine Schadensbegrenzung beispielsweise durch so genannte Regelspurverfahren denkbar. Dabei fahren Traktoren und andere landwirtschaftliche Fahrzeuge in den immer exakt gleichen Fahrspuren.

Allen Unkenrufen zum Trotz, sei die „Nachhaltige Landwirtschaft“ weltweit ein wichtiges Thema, beteuerte Dr. Dietrich Schulz, Fachgebietsleiter Ländliche Entwicklung und Landwirtschaft beim Umweltbundesamt. Allerdings habe die Europäische Kommission die Bodenrahmenrechtlinie zurückgezogen. Somit fehle es an einer europäischen Rechtsgrundlage für den Bodenschutz. Umweltzielen seien daher bisher nur unzureichend realisiert worden. Schulz forderte, auf EU- Ebene eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, um die Erträge auf den vorhandenen Flächen zu steigern, ohne dabei negative Effekte für die Umwelt zu verursachen. Weltweit sei die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf zwar so hoch wie nie zuvor, doch der Kampf gegen den Hunger trete auf der Stelle. „Wir haben kein Produktionsproblem, sondern ein Verteilungsproblem!“ Mehr landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu generieren sei daher keine Lösung. Den anwesenden Landwirten legte er ans Herz, eines der verschiedenen Systeme zur Bewertung der Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu nutzen.

Das Bewusstsein um die Bedeutung von Nachhaltigkeit sei in Unternehmen zwar vorhanden, dennoch würden Strategien nur halbherzig angepasst und auch die Potenziale von Nachhaltigkeit als Innovationsmotor zur Zukunftssicherung nur zögernd erkannt, so Dr. Christian Geßner vom Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) an der Universität Witten/Herdecke. Dabei habe nachhaltiges Wirtschaften etwas von einer Versicherungs-Prämie, da es auf weit in der Zukunft liegende Chancen und Risiken abziele. Kurzfristig rechneten sich Maßnahmen beispielsweise durch Einsparen von Ressourcen wie Energie, Wasser oder Material. Unternehmen müssten eine eigenständige nachhaltige Haltung für die Zukunft entwickeln und sich dabei an grundlegenden Regelwerken und Standards zur Nachhaltigkeit orientieren, wie zum Beispiel vom ZNU entwickelt. Eine Zertifizierung mache die Aktivitäten eines Unternehmens mess- und sichtbar und fundiere eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation. Für eine erfolgreiche Umsetzung sollten sich Unternehmen auf die wesentlichen Herausforderungen konzentrieren und Beteiligte – allen voran die Mitarbeiter – früh mit einbeziehen. Nachhaltigkeitsarbeit brauche Zeit und Raum, um ökonomische Wirksamkeit zu entfalten.

Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgten 21 Studierende des Masterstudiengangs Agrarwirtschaft. Sie hatten zu Themen wie Bodengesundheit neuen, besonders tiergerechten und emissionsarmen Stallkonzepten sowie der Verbesserung des Tierschutzes in intensiven Produktionssystemen informative Poster gestaltet, die im Foyer der Stadthalle präsentiert wurden.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2015 zum „Internationalen Jahr des Bodens“ ausgerufen. Erst im Dezember, beim Weltbodentag in Berlin, wurde der Stauwasserboden zum Boden des Jahres proklamiert. Die Ausstellung zum Thema feierte jetzt beim Soester Agrarforum Premiere. Auf Bitten von Prof. Dr. Thomas Weyer, Experte für Bodenkunde an der Fachhochschule Südwestfalen, hatte Dr. Gerhard Milbert vom Geologischen Dienst NRW die Exponate für die Besucher des Forums ausgestellt.

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