Pressearchiv

Bilder

Hier wird mit Innenhochdruck umgeformt: 4000 bar bringen das Werkstück in Form
Hier wird mit Innenhochdruck umgeformt: 4000 bar bringen das Werkstück in Form(Download )
Mitarbeiter beim Einrichten der Rohr- und Profilbiegemaschine
Mitarbeiter beim Einrichten der Rohr- und Profilbiegemaschine(Download )
Prof. Dr. Matthias Hermes
Prof. Dr. Matthias Hermes(Download )
03.06.2015

Innovative Umformtechnik für Südwestfalen

Prof. Dr. Matthias Hermes richtet Labor für industrienahe Forschung und Lehre ein

Meschede. Prof. Dr. Matthias Hermes könnte man als Eisenbieger bezeichnen. Wer an muskulöse Männer auf Jahrmärkten denkt, die Eisenrohre zu Kurven verformen, liegt nicht völlig falsch. Allerdings lässt Professor Hermes nicht rohe Körperkräfte walten, sondern Ingenieurwissen und einen hochmodernen Maschinenpark im neu eingerichteten Labor für Umformtechnik.

Jüngste Erwerbung ist eine zehn Tonnen schwere, vollelektrische Rohr- und Profilbiegemaschine.  „Damit sind wir auf einem absolut modernen Stand der Maschinentechnologie in diesem Bereich“, meint Hermes. Vor allem Leichtbauelemente können so gut gefertigt werden. Wichtig ist dies für Forschungskooperationen mit typischen Sauerländer Industrieunternehmen, wie beispielweise Automobil-Zulieferer oder Werkzeugmaschinenbauer.

Ein erstes größeres Forschungsprojekt haben der Umformtechnikprofessor und seine Mitarbeiter im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums schon begonnen. „Wir untersuchen erreichbare Qualitäten im Rohr- und Profilbiegebereich“, so Hermes. Die Ergebnisse sollen als Standards für Biegequalität in eine Richtlinie des Verbandes Deutscher Ingenieure (VDI) einfließen. So wird zum Beispiel die Faltenbildung am Innenbogen eines Rohres untersucht und festgelegt, um Arbeitsebenen für die Industrie zu schaffen. „Der Standard für eine Gartenliege kann anders sein, als der für die makellose Dachreling eines Autos“, veranschaulicht Hermes. 

Am Projekt arbeiten bereits zahlreiche Unternehmen aus Südwestfalen mit. Kein Wunder, denn viele Unternehmen sind mit ihren Produktionen im Stanz- und Biegebereich angesiedelt. Hermes sieht für diese Firmen Wettbewerbsvorteile durch Nutzung innovativer Umformtechnik: „Wichtig ist es vor allem, die eigenen Prozessgrenzen zu erweitern und auch komplexere Bauteile umformtechnisch herzustellen“. Das schaffe Flexibilität und verbessere die Wettbewerbsposition. Ein Ansatz, bei dem er die südwestfälischen Unternehmen gerne unterstützen möchte. Geforscht wird zudem in vielen anderen Bereichen der Umformtechnik: von neuartigen Werkstoffen wie höchstfeste Stähle bis hin zu Explosivumformverfahren.  

Wie kommt man denn überhaupt an die Umformtechnik? Bei Professor Hermes war es eine Erfahrung im eigenen Maschinenbau-Studium. Hier arbeitete er an einem Umformtechnikprojekt am Airbus 38 mit und kam auf den Geschmack. „Seitdem habe ich auch eine Leidenschaft für große Maschinen“, schmunzelt der gelernte Werkzeugmacher. Wie man sieht, stehen diese neuerdings auch im Labor.    

Umformtechnik in der Lehre

Umformtechnik gehört zum Schwerpunkt  Fertigungstechnik, welchen Studierende in ihrem Maschinenbau-Studium in Meschede wählen können.  Im Labor für Umformtechnik lernen sie den gesamten Produktionsprozess von Umformteilen. Sie konstruieren Bauteile mit Computer Aided Design, berechnen CNC-Prozessdaten, entwickeln Werkzeugtechnik, führen den Umformprozess bis zur Vermessung und Qualitätssicherung durch und optimieren abschließend die Prozesse.

Im Labor ist auf 400 Quadratmetern das gesamte Spektrum der Umformtechnik zu finden: Umformung durch Innenhochdruck, flexible und inkrementelle Umformverfahren oder Pressentechnik. Geplant ist die Anschaffung einer Servopresse. Studierende lernen hier die Prototypenherstellung mit dem Kraftformer, außerdem Fügetechniken wie das „Clinchen“ oder Schweißtechniken wie Schmelz- oder Punktschweißen. Wer möchte, kann den ersten Teil der Ausbildung zum Schweißfachingenieur beginnen.