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Gesprächsteilnehmer und Organisatoren der Ringvorlesung vor Beginn der Veranstaltung
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25.06.2015

Südwestfalen auf dem Weg zu Industrie 4.0

Podiumsgespräch in der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn

Iserlohn. Industrie 4.0 geht jedes Unternehmen an. Die Wirtschaft in Südwestfalen muss Schritt halten mit der zukünftigen Form der Industrieproduktion, die gekennzeichnet ist durch eine starke Individualisierung der Produkte, hergestellt unter den Bedingungen einer hoch flexiblen Großserien-Produktion. Darin waren sich die Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft einig. Die Fachhochschule Südwestfalen hatte im Rahmen ihrer öffentlichen Ringvorlesung zum Thema „Industrie 4.0- Internet der Dinge“ zu einem Podiumsgespräch ins Iserlohner Audimax eingeladen.

Industrie 4.0 wird nicht nur die Produktionsprozesse, sondern auch die Geschäfts- und Arbeitsprozesse verändern. Diese neue Arbeitswelt benötigt Spielregeln, geeignete politische Rahmenbedingungen und gemeinsame regionale Strategien. Für staatliche Regulierungen mit Augenmaß sprach sich der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Heider aus: „Wir dürfen die Chancen, die eine solche Technologie beinhaltet, nicht behindern, wir müssen den richtigen Kurs festlegen“. Heider plädierte im Einklang mit allen Gesprächsteilnehmern für einen flächendeckenden Breitbandausbau in Südwestfalen als Voraussetzung für die Umsetzung von Industrie 4.0. Die Unternehmen in der Region, so seine Beobachtung, bereiten sich vor. Dies bestätigte auch Andreas Lux, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der SIHK, der die Ergebnisse einer Kammerumfrage vorstellte. Er wies darauf hin, dass bislang eine Definition dessen, was unter Industrie 4.0 zu verstehen sei, fehle, ebenso Standards in Sachen Daten- und Rechtsschutz. Am Beispiel der Region Ostwestfalen-Lippe stellte Uwe Lück vom VDI-Bezirksverein OWL das Netzwerk „It’s OWL vor: „Damit möchte wir unsere Industrie fit machen für Industrie 4.0“.

Dass die Zeit drängt, verdeutlichte auch Dr. Mikko Börkirchner von Metall NRW: „Der Industrie 4.0-Zug ist 2010 losgefahren, in der 1. Klasse sitzen schon die Internet-Firmen. Die produzierenden Unternehmen müssen in den Zug rein“. „Die bisherigen Konzepte von Industrie 4.0 berücksichtigen hauptsächlich die Bedarfe der IT- und Großindustrie“, sah Prof. Dr. Bernd Engel von der Universität Siegen Gegensätze zu den Interessen der heimischen mittelständischen Industrie, die andere strategische Interessen verfolge. „Wir müssen uns als Modellregion formieren, die Bedürfnisse der Unternehmen vor Ort aufgreifen und Umsetzungspotenziale in den drei, die Region Südwestfalen prägenden Branchen Anlagenbau, Automotive und Gebäudetechnik erarbeiten“, so seine Forderung. Die Hochschulen möchten in diesem Prozess eine aktive Rolle einnehmen. „Wir stehen für die Industrie Gewehr bei Fuß“, versprach Prof. Dr. Erwin Schwab von der Fachhochschule Südwestfalen und verwies auf die zahlreichen Hochschulaktivitäten sowie den Transferverbund Südwestfalen, der Hochschulen und Unternehmen verbindet. Die Hochschulen seien auch im Bereich der Qualifizierung angesprochen, ergänzte Andreas Lux.

Deutlich wurde, dass auf dem Weg zu Industrie 4.0 noch viele Herausforderungen zu meistern sind. Die Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigen steigen, die Entgeltgestaltung muss sich den gehobenen Anforderungen anpassen, es werden mehr Fachkräfte im IT-Bereich benötigt und auch die Arbeitszeiten müssen flexibler werden. Die Veranstaltung machte aber auch deutlich, dass sich die Akteure in Südwestfalen formiert haben. Ein gut funktionierendes Netzwerk von Wirtschaft und Wissenschaft, Kammern und Verbänden wird das Thema Industrie 4.0 weiterentwickeln. Die von Prof. Ulrich Lehmann organisierte Ringvorlesung ist ein Schritt, weitere Industrieveranstaltungen zu diesem Thema in der Hochschule und der SIHK werden folgen.