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(v.l.) Sophie und Corinna Baumeister, Louisa und Nicola Eickhoff  beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa
(v.l.) Sophie und Corinna Baumeister, Louisa und Nicola Eickhoff beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa (Download )
Kostenloser Kinderteller: Louisa mag gerne Pfannkuchen …
Kostenloser Kinderteller: Louisa mag gerne Pfannkuchen …(Download )
… Sophie lieber Nudeln
… Sophie lieber Nudeln(Download )
17.07.2015

Mütter in der Mensa

Corinna Baumeister und Nikola Eickhoff über ihr Leben als Studentinnen und Mütter

Meschede. Es ist ein schönes Bild. Jeden Freitag sitzen in der Mescheder Mensa Luisa (viereinhalb) und Sophie (vier) zwischen Studenten und Dozenten bei Pfannkuchen, Nudeln oder Pommes. Beim gemeinsamen Mittagessen suchen ihre Mütter Corinna Baumeister (29) und Nikola Eickhoff (30) vor allem Austausch und gegenseitige Unterstützung im täglichen Spagat zwischen Kindeserziehung und Prüfungsstress.

Guten Appetit. Haben Sie sich in der Mensa kennengelernt?

Baumeister:  Nein, unser freitägliches Treffen in der Mensa machen wir erst, seitdem unsere Kinder zur Kita gehen.     

Eickhoff: Unser Studienberater Torsten Pätzold hat uns vor zwei Jahren aufeinander aufmerksam gemacht. Seitdem treffen wir uns regelmäßig, auch am Wochenende. Wir motivieren und helfen uns. Dadurch ist eine Freundschaft entstanden.

Darf ich fragen, wie weit Sie im Studium sind?

Baumeister: Ich hasse die Frage, in welchem Semester ich bin, also stellen Sie die lieber nicht. Diese Frage bringt mich immer in einen Rechtfertigungsdruck. Ich möchte aber nichts auf mein Kind schieben. Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik und schreibe gerade an meiner Projektarbeit. Im August kommt dann noch die Bachelorarbeit.

Eickhoff: Aktuell bin ich sehr stolz, denn am 12. Mai habe ich die letzte Prüfung in meinem Bachelorstudium in Wirtschaft geschafft. Jetzt mache ich noch den Master.

Wie meistert man denn ein Studium mit Kind?

Baumeister: Man braucht ein funktionierendes Netzwerk zur Unterstützung. Man merkt aber erst, ob man eines hat, wenn es soweit ist.

Eickhoff: Als die Kinder kleiner waren, hat man halt in der Zeit vom Mittagsschlaf gelernt. In kritischen Phasen vor Prüfungen ist Luisa häufiger bei meinen Eltern. Seitdem sie in der Kita sind ist es einfacher geworden.

Baumeister: Schwierig ist es, einmal Ruhe zu finden, um zu lernen. Meine Kommilitonen sagen, ich wäre ein „Nerd“, weil ich schon mal abends um zehn Uhr etwas fürs Labor tue. Da habe ich aber Zeit, zu denken.

Eickhoff: Das Motto ist „Fertig werden“. Die Noten haben nicht gelitten, es dauert mit Kind halt einfach nur länger. 

Wie finanzieren Sie Ihr Studium?

Eickhoff: Eine Zeitlang habe ich in der Bibliothek gearbeitet, um meine Kosten zu decken, da die BAföG-Höchstdauer überschritten war. Nun bin ich Tutorin. Mein Lebensgefährte kommt derzeit für die Miete auf. Mit dem Master erhalte ich jetzt wieder BAföG. Das schafft mir mehr Freiheit, meine Zeit einzuteilen.

Baumeister: Ich bin alleinerziehend und muss mit einem Nebenjob und dem Alleinerziehenden-Zuschuss auskommen. Das Antragstellen und die Ämtergänge kommen mir schlimmer vor, als bekäme ich Hartz IV. Mein Studiengang ist aber ein guter berufsqualifizierender Abschluss und ich freue mich jetzt aufs Arbeiten.      

Haben Sie auch einmal ans Aufgeben gedacht?

Baumeister: Ich stand ganz oft vor dem Aufgeben. Aber dann habe ich gedacht, Du machst das jetzt, egal wie lange es dauert.

Eickhoff: Man bekommt Nerven wie Drahtseile mit der Zeit.

Baumeister: Das Gemeine ist, für unsere Männer hat sich nichts geändert. Für uns war es eine 180 Grad-Drehung.

Eickhoff: Es gibt bestimmt auch studentische Väter, die hier rumlaufen, aber das fällt hier nicht so auf. Wir haben halt auch in der Hochschule ein klassisches Rollenbild.

Insgesamt wirken Sie alle vier sehr positiv gestimmt. Liegt das am gemeinsamen Mittagessen?

Baumeister: (lacht) Wir sind einfach gleichgesinnt. Seitdem wir uns gegenseitig „pushen“, geht es besser.

Eickhoff: Ich glaube, durch mein Studium  habe ich mehr Zeit für Luisa, als wenn ich arbeiten würde. Und ich werde so nicht zwei Jahre nach dem Berufseinstieg  wieder rausgerissen. Insofern bereue ich nichts.

Baumeister: Ich auch nicht.