Pressearchiv

Bilder

Der Professor im Zentrum seines Schaffens: Das Hochspannungslabor der Fachhochschule Südwestfalen in der ehemaligen Militärkapelle. Foto: FH/Pösentrup
Der Professor im Zentrum seines Schaffens: Das Hochspannungslabor der Fachhochschule Südwestfalen in der ehemaligen Militärkapelle. Foto: FH/Pösentrup(Download )
20.08.2015

Forschung an der FH: Immer (hoch)spannend

„Blitzexperte“ Professor Jan Meppelink geht in den Ruhestand

Soest. 23 Jahre lang hat Prof. Dr. Jan Meppelink an der Fachhochschule Südwestfalen geforscht und gelehrt, mehr als 100 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und dabei, wie er sagt, die „mentale Freiheit“ genossen. Die bestmögliche Ausbildung der Studierenden sowie der intensive Austausch mit Partnern aus der Industrie, das waren die wichtigsten Ziele seiner Arbeit. Zum Ende des Monats geht der Professor für Hochspannungstechnik in den Ruhestand.

Professor ist der schönste Beruf, gleich nach dem Papst“, blickt Prof. Dr. Jan Meppelink voller Enthusiasmus zurück auf 23 Jahre Forschung und Lehre an der Fachhochschule. Tatsächlich hat der für ihn wichtigste Ort auf dem Soester Campus etwas Sakrales: Das Hochspannungslabor ist in einer ehemaligen Militärkapelle untergebracht. Meppelink hat sich für die deutschlandweit einzigartige technische Ausstattung eingesetzt: „Hier lernen die Studierenden, wie Physik funktioniert. Und für die Forschung und Entwicklung von Produkten braucht man immer noch ein Labor.“ Schwerpunkt ist die Blitzforschung. So wurde hier das Grundprinzip eines geschlossenen Blitzstromableiters erfunden, später von einem heimischen Unternehmen industriell gefertigt. Die intensive Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus der Industrie ist für den Professor essentiell: „So gibt es für die Studierenden immer Forschungsthemen dicht an der Praxis. Hier werden keine Abschlussarbeiten für den Bücherschrank geschrieben, damit kann man was anfangen!“ Der Wissenschaftler selbst ist weltweit ein gefragter Problemlöser, erstellt Gutachten zu Schadensfällen, bringt sein Wissen in internationalen Gremien zum Thema Blitz- und Überspannungsschutz ein und gibt Medienvertretern deutschlandweit als „Blitzexperte“ geduldig Auskunft. Ständig klingelt das Telefon. Nicht selten rufen Vertreter namhafter Hightech-Unternehmen an, wenn nichts mehr geht. Dann wirft der Professor den Schutzanzug über und sucht an der Schadensstelle mit Pinsel und Pinzette nach mikroskopisch kleinen Spuren, die Aufschluss über die Störung geben können. Die geplante Silberhochzeitsreise nach Venedig muss da schon mal verschoben werden. Auskunft geben, helfen – niemals habe er das als lästig empfunden: „Daraus lernt man, welche Probleme es gibt. Oft entsteht daraus wieder ein neues Forschungsprojekt. Wenn man hier nur im Labor sitzt und um 14 Uhr nach Hause geht, um Rosen zu züchten, dann kommt man nicht auf diese Ideen!“

Die erstklassige berufsqualifizierende Ausbildung der Studierenden ist für den 65- Jährigen das Wichtigste überhaupt. Persönliche Betreuung, praxisbezogene Ausbildung, Diskussion statt Frontalvortrag, dafür ist Meppelink bekannt. Die Biografien zahlreicher Absolventen, die heute in Top-Unternehmen weltweit arbeiten geben ihm Recht in der Lehre gehe es darum Potenziale zu erkennen,  Talente zu fördern und Qualität zu fordern: „Wir müssen das hohe Niveau der Ausbildung halten. Ich verstehe uns als Lieferant der Volkswirtschaft. Damit wir Exportweltmeister bleiben, brauchen wir gute Leute. Und wenn die Studierenden die Bachelor-Prüfung bestanden haben, freut sich die Seele!“ So ganz kann der Professor nicht loslassen und wird weiterhin Abschluss-Arbeiten betreuen. Er freut sich auch darauf, künftig mehr Zeit für die Familie und die Fliegenfischerei zu haben. Und dazwischen will er zuhause sitzen und warten, bis das Telefon klingelt.