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(v.l.) Dr. Ralf Biernatzik (i.green), Dr. Peter Dapprich, Prof. Dr. Verena Haberlah- Korr, Dipl.-Ing. chem. Rolf Morgenstern, Dekan Prof. Dr. Jürgen Braun, Prof. Dr. Wolf Lorleberg sowie Agraringenieur Pierre Winckler stellten das Projekt jetzt vor.
(v.l.) Dr. Ralf Biernatzik (i.green), Dr. Peter Dapprich, Prof. Dr. Verena Haberlah- Korr, Dipl.-Ing. chem. Rolf Morgenstern, Dekan Prof. Dr. Jürgen Braun, Prof. Dr. Wolf Lorleberg sowie Agraringenieur Pierre Winckler stellten das Projekt jetzt vor.(Download )
Die Europäischen Welse (Silurus glanis) haben seit Mai bereits gut an Gewicht zugelegt und nebenan die Pflanzen gedeihen lassen. Fotos (2): FH /Pösentrup
Die Europäischen Welse (Silurus glanis) haben seit Mai bereits gut an Gewicht zugelegt und nebenan die Pflanzen gedeihen lassen. Fotos (2): FH /Pösentrup(Download )
10.09.2015

Eine „bodenlose“ Alternative für den Pflanzenbau

Aquaponik-Forschung an der FH: Fische lassen Gemüse gedeihen

Soest. Weltweit sind Anbauflächen für landwirtschaftliche Erzeugnisse ein knappes Gut. Mit stetig wachsender Weltbevölkerung steigt parallel dazu die Nachfrage nach Agrarprodukten. Der Ruf nach ressourcenschonenden Lösungen wird lauter. Am Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen wird jetzt eine innovative und nachhaltige Alternative erforscht: in einem Aquaponik-System profitieren Fisch und Nutzpflanze voneinander.

Ein boden-, klima- und umweltschonendes, dabei noch tiergerechtes, wirtschaftlich attraktives und von den Verbrauchern akzeptiertes Produktionssystem schaffen – für die Wissenschaftler am Fachbereich Agrarwirtschaft ist das längst keine Vision aus dem Science-Fiction-Genre mehr. Gemeinsam mit dem am Soester Campus ansässigen Institut für Green Technology & Ländliche Entwicklung i.green arbeitet der Fachbereich seit gut einem Jahr auf weitestgehend unerforschtem Gebiet. Seit Mai verfügt die Fachhochschule am Standort Soest über eine Aquaponik-Anlage. Dabei werden Europäische Welse in drei jeweils 1,5 Kubikmeter großen, mit Filter, Fütterungsautomaten und Warmwasseraufbereitung ausgestatteten Fischtanks gehalten. Im Gewächshaus nebenan wachsen Nutzpflanzen in Nährstoffbecken. Beide Systeme sind miteinander verbunden. Das Wasser aus der Fischhaltung (Aquakultur) fließt zur Düngung in die Pflanzenbecken (Hydroponik). Die Pflanzen wiederum reinigen das Kreislaufwasser „biologisch“, das heißt durch biochemische Reaktionen. Pflanzen und Speisefisch gedeihen prächtig. Die Kombination spart Düngemittel, reduziert den Wasserverbrauch und senkt die Abwasserbelastung – ein Problem der reinen Fischhaltungsanlagen –, ohne landwirtschaftliche Flächen zu beanspruchen. Das Prinzip funktioniert weitgehend unabhängig vom regionalen Klima und könnte an vielen Standorten der Erde eingesetzt werden.

Vorläufer der modernen Co-Kultur ist das bereits vor mehr als 1.000 Jahren in Asien praktizierte gemischte Produktionssystem der Karpfenhaltung in überfluteten Reisfeldern. In Deutschland gibt es wissenschaftliche Pilotanlagen in Berlin, Rostock und Abtshagen. Die Soester Wissenschaftler wollen neue Akzente setzen und arbeiten vermutlich als erste mit dem Europäischen Wels als einheimischer Fischart in einem solchen integrierten System. In einer ersten Pilotstudie sollen zunächst die technische Machbarkeit, ökologische Vorteile sowie das wirtschaftliche Potenzial des neuen Systems bewiesen werden. Gefördert wird die „Pilotstudie Nachhaltige Aquaponik-Erzeugung für Nordrhein-Westfalen“ vom Landesumweltministerium. Die Studie ist zunächst auf eine Dauer von neun Monaten angelegt.