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(v.l.) Andreas Rienhoff, Dr. Susanne Döring, Elena Meininghaus, Prof. Dr. Marc Boelhauve, Dr. Odile Hecker sowie Anne Thönissen wollen Ansätze für mehr Tierhygiene in der Rinderhaltung finden. Foto: Christine Massfeller
(v.l.) Andreas Rienhoff, Dr. Susanne Döring, Elena Meininghaus, Prof. Dr. Marc Boelhauve, Dr. Odile Hecker sowie Anne Thönissen wollen Ansätze für mehr Tierhygiene in der Rinderhaltung finden. Foto: Christine Massfeller(Download )
16.09.2015

Maßnahmen für mehr Tiergesundheit im Rinderstall

Wissenschaftler der FH wollen Landwirte bei der Umsetzung unterstützen

Soest. Mikroorganismen spielen eine wichtige Rolle im allgemeinen Stoffkreislauf und haben in dieser Funktion durchaus ihre Daseinsberechtigung. Anders sieht es aus, wenn sie in Form eines Erregers Mensch und Tier lebensbedrohlich krank machen. An der Fachhochschule Südwestfalen forschen Wissenschaftler jetzt daran, Ansätze zur Tierseuchenprävention und somit für mehr Tierhygiene in der Rinderhaltung zu entwickeln.

Das Team um Prof. Dr. Marc Boelhauve und Prof. Dr. Marcus Mergenthaler steht gern mit Namen und Gesicht für die gute Sache. Der Star des Foto-Shootings war aber eine andere: Holstein-Kuh Amelie gibt dem Projekt „Tierhygiene in der NRW-Rinderhaltung“ ein schwarzbuntes Gesicht. Sie stammt aus dem RUW-Zuchtbetrieb von Ingrid und Burkhard Diekmann aus Soest-Ostönnen. Frisch gewaschen und geschoren, in Pose gestellt und mit Kuhlauten animiert für das perfekte Werbefoto, sorgte die Szene selbst bei eingefleischten Agrariern für Amüsement. Der Hintergrund der Aktion ist jedoch ernst: Gerade aktuelle Medienberichte über Tierhaltung, dort insbesondere die Darstellung der hygienischen Zustände, bewirken ein Umdenken in Bezug auf die Haltung. Ein Merkmal für die gegenwärtige Situation ist die recht kurze Lebenszeit von Milchkühen, die meist aus tiergesundheitlichen Gründen die Betriebe verlassen. Dabei kristallisiert sich immer mehr heraus, dass in die Tiergesundheit und die Tierhygiene investiert werden muss. Einerseits hat sich in den vergangenen drei Jahren die Menge der eingesetzten Antibiotika in der Tierhaltung bereits um 27 Prozent verringert. Mit der Forderung, noch weniger Antibiotika einzusetzen, müssen aber andererseits Maßnahmen ergriffen werden, welche das Risiko der Erregerübertragung und nachfolgende Erkrankungen der Tiere von vornherein reduzieren.

Aus diesen Gründen veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im August 2014 Hygiene-Empfehlungen für das Halten von Wiederkäuern. Bei landwirtschaftlichen Verbänden stießen die Empfehlungen auf heftige Kritik. Die Maßnahmen seien nicht praktikabel, so die einhellige Meinung. Wie soll nun Konsens geschaffen werden, bei Landwirten ein Bewusstsein für die Sinnhaftigkeit zu wecken und sie dabei zu unterstützen, den Prozess hin zu mehr Hygiene im Rinderstall „betriebsverträglich“ zu meistern?

Finanziert von der Tierseuchenkasse NRW ist das Forschungsprojekt am Soester Fachbereich Agrarwirtschaft Anfang des Jahres gestartet. „Ziel ist es, die jetzige Tierhygienesituation in Betrieben zu erfassen, Ansatzpunkte zu finden, an denen Optimierungsbedarf besteht und in einem weiteren Schritt Möglichkeiten zu finden, die in der Praxis auch umsetzbar sind“, so Prof. Dr. Marc Boelhauve. Dazu werden sich die Wissenschaftler landwirtschaftliche Betriebe in ganz Nordrhein-Westfalen ansehen, um etwa Daten zu potenziellen Keimquellen, der Versorgung von erkrankten Tieren, Jung- oder Muttertieren zu erheben. „Es geht uns nicht darum, zu sagen,es läuft alles schlecht in den Betrieben. Vielmehr geht es darum, festzustellen, was wird bereits getan und was kann mit relativ geringem Aufwand noch verbessert werden“, ergänzt Kollege Prof. Dr. Marcus Mergenthaler. Dabei sei das „wie“ ganz wichtig: „Alles geschieht auf freiwilliger Basis und ist auf eine aktive Mitwirkung der Landwirte ausgerichtet. Wir sind nicht mit Druck unterwegs“, betont er. Professor Boelhauve fügt hinzu: „Wir möchten den Landwirten Einblicke in die mikroskopisch kleinen Bereiche der Erreger geben, deren Auswirkungen auf die Tiere visualisieren, und den Effekt von einzelnen Hygienemaßnahmen aufzeigen.“ Dazu sind u.a. Workshops geplant, um Landwirte in den Prozess von Anfang an einzubeziehen. Das übergeordnete Ziel der Tierseuchenprävention im Blick, sollen sich in den Betrieben schon bald positive Effekte wie eine verbesserte Tiergesundheit, eine höhere Leistungsfähigkeit und letztlich steigender wirtschaftlicher Erfolg für den Landwirt einstellen. Die Leitung haben Prof. Dr. Boelhauve sowie Prof. Dr. Mergenthaler inne. Das Pilotprojekt wird bis Juni 2018 laufen.