Pressearchiv

20.10.2015

FH ermöglicht Gasthörerschaft für Flüchtlinge

Vorlesungsbesuche sollen mögliche Perspektiven aufzeigen

Soest. Die Fachhochschule Südwestfalen nimmt ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst und verstärkt jetzt ihr Engagement für Flüchtlinge: Ohne großen bürokratischen Aufwand soll künftig an allen Standorten eine gebührenfreie Gasthörerschaft möglich sein.

Mit dem Strom an Menschen, die ihr von Krieg und Krisen geschütteltes Heimatland verlassen müssen, erreichen Deutschland auch viele ungeklärte Fragen. Ein Punkt ist die Anerkennung bereits erworbener Qualifikationen sowie die weitere berufliche Ausbildung. Die Fachhochschule Südwestfalen hat nun einen wichtigen Schritt unternommen, um Flüchtlinge bei der Suche nach Perspektiven zu unterstützen. Sie sollen ab sofort an den Standorten Hagen, Iserlohn, Meschede und Soest als Gasthörer Vorlesungen besuchen dürfen. Die übliche Frist zur Beantragung wurde dazu in diesem Jahr einmalig bis zum 15. November 2015 verlängert. Für die Zulassung ist der Nachweis der Hochschulreife nicht erforderlich.

Eine Gasthörerschaft unterscheidet sich wesentlich von einem regulären Studium. Gasthörer können beispielweise keine Prüfungen absolvieren und somit auch keinen Abschluss erwerben. Ebenso hat die Teilnahme keine Auswirkung auf eine spätere Bewerbung um einen regulären Studienplatz oder Einfluss auf ein laufendes Asylverfahren. Dennoch: „Die Gasthörerschaft ist eine gute Möglichkeit, in einem Semester das Studienangebot quer durch alle Fachbereiche sowie den Hochschulalltag an der Fachhochschule kennenzulernen“, so Prof. Dr. Christine Kohring, die sich als Prorektorin für Marketing, Internationales und Diversity mit dem Thema beschäftigt. Bei der Beantragung der Gasthörerschaft helfen an den Standorten eigens benannte Koordinatoren. Außerdem werden studentische Paten bei der Betreuung der zugelassenen Gasthörer unterstützen.

Dass viele Flüchtlinge mit einem Regelstudienplatz die Hoffnung auf eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland verknüpfen, ist Prof. Kohring durchaus bewusst: „Die Anerkennung der Hochschulzugangsberechtigung für die Aufnahme eines Regelstudiums gestaltet sich oft schwierig, da erforderliche Dokumente nicht vorgelegt werden können. Ebenso sind in vielen Fällen die geforderten Sprachkenntnisse noch nicht vorhanden.“ Bei der Prüfung der Zugangsberechtigung werden die Hochschulen durch die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerber, uni-assist, unterstützt. Diese wurde als Verein von 41 deutschen Hochschulen, der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gegründet, um das Zulassungsverfahren internationaler Studieninteressierter zu vereinfachen. Bei der Gasthörerschaft gehe es vielmehr darum, studierfähigen Flüchtlingen zunächst eine eigene Perspektive aufzuzeigen. Die Prorektorin sieht dies als wichtiges Signal der Hochschule, zu helfen und offen für ein Miteinander mit Menschen aus anderen Kulturen zu sein.