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Automatisierung trifft Digitalisierung: Ein Tagungsteilnehmer betrachtet einen Fertigungsroboter, der eine über das Internet getätigte Bestellung bearbeitet.
Automatisierung trifft Digitalisierung: Ein Tagungsteilnehmer betrachtet einen Fertigungsroboter, der eine über das Internet getätigte Bestellung bearbeitet.(Download )
Industrie 4.0 zum Anfassen – auf der Fachtagung verdeutlicht eine „Transfer Factory“ das Zusammentreffen von Automatisierung und Digitalisierung    Fotos: Annika Pilgrim, FH Südwestfalen
Industrie 4.0 zum Anfassen – auf der Fachtagung verdeutlicht eine „Transfer Factory“ das Zusammentreffen von Automatisierung und Digitalisierung Fotos: Annika Pilgrim, FH Südwestfalen(Download )
03.11.2015

Vierte industrielle Revolution als Geschäftsmodell

„Industrie 4.0 – Relevanz für die mittelständische Industrie in Südwestfalen“ – 170 Teilnehmer auf Fachtagung in der Fachhochschule Südwestfalen

Meschede. 170 Teilnehmer aus Wirtschaft und Hochschule hatten sich zur Fachtagung am 29. Oktober in der Fachhochschule Südwestfalen angemeldet. Unter dem Titel „Industrie 4.0 – Relevanz für die mittelständische Industrie in Südwestfalen“ ging es um Themen von Automatisierungstechnik bis After Sales.

Eines zeichnete sich auf der von der Fachhochschule und den Industrie- und Handelskammern Arnsberg und Hagen gemeinsam veranstalteten Tagung ab: Industrie 4.0 wird als „vierte industrielle Revolution“ die Geschäftsmodelle vieler produzierender Unternehmen verändern.

„Industrie 4.0 ist kein Gerät dass man kaufen kann, Industrie 4.0 ist wie ein Puzzle“, brachte Roland Petera von der Firma Haver und Boecker es in seinem Vortrag auf den Punkt. Die Thematik ist komplex, viele Unternehmen tasten sich erst vorsichtig an die unter dem Titel „Industrie 4.0“ zusammengefasste Technologiestrategie der Bundesregierung heran. „Aber Industrie 4.0 ist ein Thema für die südwestfälische Industrie“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. In einer Umfrage haben die südwestfälischen Industrie- und Handelskammern festgestellt, dass sechs von zehn Unternehmen in der Region sich bereits mit dem Thema befassen.

Industrie 4.0 kombiniert Technologien aus dem Internet-Umfeld und moderne Produktionsmethoden. Entsprechende Begriffe fielen in den Vorträgen der insgesamt zwölf Referenten: „Internet der Dinge“, „Smart Factory“, „Cyber-physische Systeme“, „Condition Monitoring“ oder „Big Data“. Kostengünstige Kommunikation via Internet spielt hierbei eine zentrale Rolle. Prof. Dr. Jürgen Bechtloff erklärte es an einem Alltagsprodukt: „Mit ein wenig Silicium kann eine von Ihnen im Internet bestellte Zahnbürste die eigene Produktion steuern und so zu einem sehr individuellen Produkt werden“. Ein integrierter Transponder trägt die benötigten Informationen und kommuniziert mit der Fertigungsanlage.

In der Automobilbranche ist die kundenspezifische Konfiguration schon heute Stand der Technik – künftig vielleicht auch in wesentlich günstigeren Alltagsprodukten. „Auch Maschinenfernüberwachung funktioniert mit einer Zahnbürste, beispielweise wenn diese Ihr Zahnputzverhalten analysiert und auf Ihrem Smartphone auswertet“, so Bechtloff. Und was mit einer Zahnbürste funktionieren kann, funktioniert mit jedem komplexeren Produkt, gleich ob es sich um eine sich selbst überwachende Kaffeemaschine oder eine Sortieranlage in einem Steinbruch handelt.

„Wir entwickeln uns von einer effizienzgetriebenen hin zu einer innovationsgetriebenen Volkswirtschaft“, so Prof. Dr. Ewald Mittelstädt. „Das birgt viele Chancen aber auch Risiken.“ Der Präsident des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer Dr. Reinhold Festge hat jedenfalls keine „Bange“ vor Industrie 4.0: „Wir müssen uns ändern wollen und nicht nur das tun, was wir immer getan haben.“ Dabei gilt es, noch viele Fragen zu klären. Die nächste Veranstaltung für das Jahr 2016 ist deshalb schon in Planung.