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Einstein elektrisiert die Massen: Mehr als 200 Zuschauer wollten die öffentliche Festvorlesung im Audimax miterleben.
Einstein elektrisiert die Massen: Mehr als 200 Zuschauer wollten die öffentliche Festvorlesung im Audimax miterleben.(Download )
Die Expansion des Weltalls: Prof. Dr. Andreas de Vries und Prof. Dr. Dieter Bangert (v.li.) wissen sie gekonnt zu simulieren.
Die Expansion des Weltalls: Prof. Dr. Andreas de Vries und Prof. Dr. Dieter Bangert (v.li.) wissen sie gekonnt zu simulieren.(Download )
27.11.2015

Das Universum war ein großer grüner Gummiball

Physiker der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen würdigten das Jubiläum der allgemeinen Relativitätstheorie mit einer Festvorlesung

Hagen. „Absolutes Gänsehautgefühl“, beschreibt Prof. Dr. Andreas de Vries den Moment, als er die Einsteinschen Feldgleichungen, das Herzstück der allgemeinen Relativitätstheorie, an die Tafel im Audimax schrieb. Genau 100 Jahre zuvor, am 25.11.1915, hatte Einstein diese revolutionären Gleichungen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Dieses Jubiläum nutzten die Hagener Professoren Andreas de Vries und Dieter Bangert für eine öffentliche Festvorlesung.

„Was hat das alles eigentlich mit uns zu tun?“, fragte Prof. Dr. Andreas de Vries ins Audimax. 45 Minuten der Vorlesung waren da schon vorüber. „45 Minuten harter Theorie“, wie de Vries selbst zugab. Aber als er sich dann tatsächlich aufmachte, Einsteins Theorie in die Praxis der Gegenwart zu transplantieren, da ging nicht etwa ein erleichtertes Raunen durch die Reihen, nein, in einigen Gesichtern war sogar deutlich abzulesen, dass sie mit Prof. Dr. de Vries zu gerne noch einige Minuten in Einsteins Formelwelt verharrt hätten. Ganz klar, im Audimax hatten sich überraschend viele Menschen versammelt, für die die Physik viel mehr als ein Hobby, und Einstein viel mehr als ein Physiker ist.

Zum Ende seines Vorlesungsteils erklärte Prof. Dr. de Vries dann, dass die Uhren auf Satelliten anders – nämlich schneller – ticken als auf der Erde. Und dass deswegen unsere Navigationssysteme genau arbeiten. Und dass wir diese Genauigkeit Einstein zu verdanken haben. Das klang tatsächlich trivial. Relativ trivial zumindest.

An dieser Stelle übernahm dann Prof. Dr. Dieter Bangert. Der hangelte sich zwar elegant von Aristoteles über Gallilei zu Newton und forderte sein Publikum später mit Begriffen wie Galaxienflucht oder Hintergrundstrahlung heraus, klang dabei aber irgendwie völlig geerdet. Bangert kombinierte sein Wissen nämlich mit einem Humor, der trockener daherkam als kosmischer Staub. Dafür gab es dann sogar Szenenapplaus.

Überhaupt nahm die Festvorlesung in ihrem Verlauf immer mehr Tempo auf. In seinem experimentellen Teil schoss Bangert Bälle über die Bühne und ließ Kugeln auf den Boden klatschen. Schließlich simulierte er die Expansion des Weltalls mit einem ziemlich großen grünen Gummiball, den er immer weiter mit Luft füllte. „Wir wollen Einstein mit dieser Vorlesung unsere Ehre erweisen“, hatte Prof. Dr. de Vries zuvor angekündigt.Der große Gewinner dieses Vorhabens war aber nicht Einstein. Eher das Publikum. Ganz sicher aber die Physik.

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