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Präsentierten die „gedruckte“ Gitarre: (v.l.n.r.) Michael Gieß, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Produktentwicklung und Prozesssimulation, Student Mike Grillo und Prof. Dr. Ulrich Lichius
Präsentierten die „gedruckte“ Gitarre: (v.l.n.r.) Michael Gieß, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Produktentwicklung und Prozesssimulation, Student Mike Grillo und Prof. Dr. Ulrich Lichius(Download )
10.12.2015

Gedruckte Gitarre liefert Super-Sound

Iserlohner Student konstruiert für seine Bachelorarbeit eine Gitarre für den 3 D-Druck

Iserlohn. Der Preis für die außergewöhnlichste Bachelorarbeit der Fachhochschule Südwestfalen ist Mike Grillo sicher. Der Student des Iserlohner Studiengangs Produktentwicklung/Konstruktion hat sein Studium mit einer Arbeit zum Thema „Simulation und Konstruktion einer Gitarre mittels FE- und FFT-Analysen und Realisierung durch den Fertigungsprozess des 3 D-Druckens“ abgeschlossen. Mit anderen Worten, er hat im Rahmen seiner Bachelorarbeit eine Gitarre aus dem Drucker hergestellt.

Was sich wie ein Scherz anhört, hat durchaus einen seriösen wissenschaftlichen Hintergrund. Bereits seit längerem forscht die Fachhochschule über das akustische Verhalten neuartiger Werkstoffe. Diese sollen sich, wenn sie beispielsweise im Auto eingesetzt werden, nicht durch störende Geräusche bemerkbar machen. „Unter Akustik versteht man landläufig, dass man etwas hören kann. Ich fand die Idee reizvoll, im Rahmen der Bachelorarbeit etwas zu konstruieren, was man auch einem technischen Laien erklären kann“, outet sich Prof. Dr. Ulrich Lichius als Ideengeber für die Arbeit.

Mike Grillo war der richtige Mann für diese Aufgabe. Selber Musiker, „ich spiele E-Bass“, und zurzeit dabei, eine Band mit der Stilrichtung „ progressiver atmosphärischer Rock“ aufzubauen, brachte er nicht nur wissenschaftliches Erkenntnisinteresse in die Aufgabenlösung ein. Die „Bachelor-Gitarre“ wurde aus einem Prototypen-Material hergestellt, einem  Kunststoff, der unter UV Licht aushärtet. Zuvor wurde die Gitarre am PC konstruiert und über eine Modalanalyse der Klang der Saiten und die Resonanzen ermittelt. „Es wurden die Frequenzen theoretisch ermittelt, die besonders schön klangen“, berichtet Mike Grillo. Die Gitarre selber wurde aus verschiedenen Teilen zusammengesteckt, die zuvor im 3 D-Drucker hergestellt wurden. Lediglich die Saiten und Bünde wurden zugekauft.

Die fertige Gitarre ist kleiner als eine normale Gitarre, was dem 3 D-Drucker der Hochschule geschuldet ist, der keine größeren Einzelteile herstellen kann. Und der Klang: der entspricht den zuvor theoretisch ermittelten Tönen. Prof. Lichius und Mike Grillo sehen für die Zukunft viel Potenzial in dem Verfahren:  “ Die Gitarrenherstellung wird individualisierter, Kundenwünsche können schnell umgesetzt werden. Wenn ein Kunde beispielsweise gerne eine Gitarre besitzen würde, die Bob Marley auf einem bestimmten Konzert gespielt hat, so kann diese mit demselben Sound identisch hergestellt werden“.  Zurzeit ist dieses Verfahren noch nicht wirtschaftlich, die FH-Gitarre hat einen Materialwert von rund 600 Euro, aber, da ist sich Mike Grillo sicher: „Das 3 D-Druckverfahren wird immer billiger und es gibt bereits Material für den 3 D-Druck, das wie Holz klingt“.

Seit 5000 Jahren gibt es gitarrenähnliche Instrumente, seit dem 19. Jahrhundert wird die Gitarre in der heutigen Form von Fachleuten gebaut, die sich als Künstler verstehen. Der 3 D-Druck verändert auch diese Handwerkskunst.