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Monique, Dennis, Sarah und Alex (v.li.) haben in Lüdenscheid eine WG gegründet.
Monique, Dennis, Sarah und Alex (v.li.) haben in Lüdenscheid eine WG gegründet.(Download )
11.12.2015

Vom Leben zusammengewürfelt

Vier Studierende der Fachhochschule Südwestfalen in Lüdenscheid haben eine WG gegründet

Lüdenscheid. Vier Zimmer. Viermal 15 Quadratmeter. Vier Leben, vier Menschen. Vier Menschen, die hier leben. Alex, Monique, Dennis und Sarah kennen sich noch gar nicht so lange. Alex kannte bis vor kurzem noch nicht einmal Lüdenscheid. Jetzt hat das Leben sie zusammengewürfelt. Seit September wohnen Alex, Monique. Dennis und Sarah in einer Wohngemeinschaft, einer WG.

Die WG der vier Medizintechnik-Studenten der Fachhochschule Südwestfalen liegt am Rande des Lüdenscheider Stadtteils Dickenberg. Und öffnet sich eine der beiden Wohnungstüren, dann öffnet sich eine Welt der Gegensätze. In der Wohnung, in der wahrscheinlich schon viele Menschen zu Hause waren, stößt ein alter Plastikboden überall an schneeweiße Tapeten, legt sich eine nagelneue Arbeitsplatte über die Schränke der betagten Einbauküche, baumelt eine einsame Glühbirne von der frisch gestrichenen Esszimmerdecke.

Viel wichtiger ist aber etwas ganz anderes: Hier im zweiten Stock, wo ein Durchbruch einst aus zwei Wohnungen eine werden ließ, herrscht Aufbruchstimmung. Die Vier haben mit ihrer Mischung aus Anfangseuphorie und Angekommensein kräftig durchgelüftet. Und sie sind stolz auf das, was sie ohne viel Geld geschafft haben. „Wir haben richtig reingehauen, alles selbst renoviert“, sagt Alex. „Jetzt sind wir fast fertig“, ergänzt Dennis. Im Prinzip fehle nur noch die Esszimmerlampe. „Das Esszimmer ist unser Gemeinschaftsraum“, erzählt Monique. Aber eigentlich ist es viel mehr. Der Gemeinschaftsraum ist die Herzkammer der WG. Hier wird gemeinsam gegessen, hier ist genug Platz für den gemeinsamen Spieleabend, hier zocken Alex und Dennis bis spät in die Nacht am Computer. „Aber ganz leise“, sagt Dennis. „Wir wollen die Mädels nicht wecken“, ergänzt Alex. Beide klingen fürsorglich, wenn sie erläutern, dass es ohne gegenseitige Rücksichtnahme in einer WG nun einmal nicht funktionieren könne.

Kennengelernt haben sich die Vier in Hagen. Dort haben sie ihr Studium begonnen, bevor sie es nun mit dem fünften Semester in Lüdenscheid fortsetzen.  Monique aus Hagen, Dennis aus Waltrop, Sarah aus Radevormwald und Alex aus dem rheinland-pfälzischen Siershahn wurden Freunde. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. „Wir verstehen uns super“, unterstreicht  Monique. Alle vier sind sich einig, dass eine WG sonst auch nicht funktionieren würde.

Ihr Ziel vom gemeinsamen Wohnen in Lüdenscheid hing dennoch am seidenen Faden. Eigentlich hatten sie gedacht, dass sich  die Mieter hier noch ihre Vermieter aussuchen können. In ihrem Fall war das umgekehrt. „Sie sind Studenten und wollen eine WG aufmachen? Nein, das ist nicht das, was wir suchen“, bekamen sie mehrfach zu hören. „Die haben garantiert gedacht, dass bei uns nur getrunken und gefeiert wird.  Und dass wir spätestens nach einer Woche das Haus abgerissen hätten“, vermutet Dennis.  Sarah, die wahrscheinlich Stillste im Quartett, nimmt’s den Lüdenscheidern nicht krumm: „Vielleicht fehlt Vermietern auch einfach die Erfahrung mit WGs, vielleicht sind wir sogar die einzige hier.“ In „ihrem Viertel“, wie Dennis es nennt, fühlen sie sich trotzdem wohl. „Die Leute hier sind toll, richtig zuvorkommend“.  Sogar einen besonderen Zusammenhalt hat Dennis ausgemacht: „Die Leute hier begegnen sich auf Augenhöhe. Das schweißt zusammen.“

Die Gemeinschaft von Alex, Monique, Dennis und Sarah ist brüchig. In spätestens zwei Jahren ist das Studium beendet. Und dann wird es auch keine Rolle mehr spielen, wie viel mehr als eine Zweck-  ihre Wohngemeinschaft bis dahin  geworden ist.  Alex will den Master machen. Sarah will dafür sogar in den hohen Norden ziehen.  Die anderen beiden wird es schnellstmöglich dorthin verschlagen, wo es die besten Arbeitsplätze gibt. „Das kann von mir aus auch hier in der Region sein“, sagt Dennis, „muss es aber nicht.“

Bis dahin wird es noch viele Tage geben, an denen irgendwann am Abend, irgendwann  in der Nacht, die Glühbirne im Gemeinschaftsraum erlischt. Das ist dann der Moment, in dem aus einer WG vier Zimmer werden. Dann schläft Monique in Ihrem Zimmer mit der Amerika-Flagge an der Wand, Sarah in ihrem Zimmer mit den vielen Familienfotos, Dennis in seinem  Zimmer mit Bud Spencer und Terrence Hill in Lebensgröße auf der Tapete und Alex in seinem Zimmer, in dem nur deshalb ein Bild hängt, damit da ein Bild hängt. Viermal 15 Quadratmeter Privatsphäre. Vier Menschen, vier Leben.