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(v.l.) Hathumar Rustige als Vorsitzender der Susatia, Prof. Dr. Marcus Mergenthaler, Prof. Dr. Jürgen Braun, Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer, Werner Schwarz, Eckhart Uhlenberg als Vizepräsident des NRW Landtags sowie Moderator Prof. Dr. Thomas Weyer
(v.l.) Hathumar Rustige als Vorsitzender der Susatia, Prof. Dr. Marcus Mergenthaler, Prof. Dr. Jürgen Braun, Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer, Werner Schwarz, Eckhart Uhlenberg als Vizepräsident des NRW Landtags sowie Moderator Prof. Dr. Thomas Weyer (Download )
11.01.2016

Entwaffnende Offenheit für mehr Akzeptanz

Soester Agrarforum: Wertekonflikte akzeptieren, Verbraucher mitnehmen

Soest. Wie weit die öffentliche Vorstellung von der heutigen Landwirtschaft und die innere Wahrnehmung der Landwirte auseinanderliegen, wurde jetzt beim Soester Agrarforum deutlich. Kontrovers diskutierte Vorträge zum Thema stimmten die gut 600 Gäste aus Praxis, Wissenschaft und Politik nachdenklich. Das Programm des Soester Fachbereichs Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen sowie des Ehemaligenverbandes Susatia, hatte Besucher aus ganz Deutschland in die Soester Stadthalle geführt.

„Trotz permanenter Bemühungen der Landwirtschaft, die Verbraucherakzeptanz zu erhöhen, schwindet diese zunehmend.“, stellte Prof. Dr. Jürgen Braun als Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft zur Begrüßung fest. Besonders mit Blick auf die Tierhaltung, werde eine teils wenig sachliche und polemische Diskussion darüber geführt, wie Nahrungsmittel erzeugt werden sollen. Den Landwirten, die das Ziel verfolgen, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu erzeugen, stünden dabei Verbraucher gegenüber, die nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch einen bestimmten Produktionsprozess erwarten. Auf Anregung der Landwirte selbst stand die „Kluft zwischen innerer und äußerer Wahrnehmung der Landwirtschaft“ im Fokus des Agrarforums 2016.

Wie sich die Forschung an der Fachhochschule Südwestfalen mit dem Thema auseinandersetzt, erläuterte Dr. Marcus Mergenthaler, Professor für Agrarökonomie, beispielhaft am Projekt „SocialLab Deutschland – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft“. Ziel des Projektes ist es, die bestehende Kritik an der Nutztierhaltung seitens der Gesellschaft differenziert zu durchdringen. Dazu hatten er und sein Team eine Diskussion zwischen Landwirten und Verbrauchern angeregt. Zwar habe es auf beiden Seiten Ansätze für mehr gegenseitiges Verständnis gegeben, eine wesentliche Imageverbesserung der Landwirtschaft habe das aber nicht herbeiführen können. Mergenthaler erklärte dies mit grundsätzlich vorliegenden Wertekonflikten, die auch kaum auflösbar seien. Er empfahl den Landwirten, Entwicklungsmöglichkeiten hin zu einer höheren Akzeptanz von Tierhaltungsverfahren zu erkennen, die Bedenken anzuhören und gleichzeitig Handlungsbereitschaft zu signalisieren.

Werner Schwarz ist Präsident des Bauernverbandes Schleswig Holstein und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. Er berichtete von persönlichen Erfahrungen und brachte viele Beispiele aus der Praxis eines Nutztierhalters. Obwohl die deutsche Landwirtschaft eine hohe Ernährungssicherheit gewährleiste und so gut wie nie zuvor aufgestellt sei, sehe er einen ganzen Berufszweig chronisch in der Kritik. Gleichzeitig warb er aber dafür, nicht in Resignation zu verfallen. Gesellschaftliche Akzeptanz sei dringend nötig, um auch in wirtschaftlicher Hinsicht bestehen zu können. Er plädierte dafür, der negativen Stimmungsmache gegen Landwirte eine entwaffnende Ehrlichkeit entgegenzusetzen. „Wir sprechen von den vier Säulen unserer Öffentlichkeitsarbeit: Glaubwürdigkeit, Transparenz, Echtheit und Ehrlichkeit. Gehen wir ehrlich mit der Gesellschaft um. Nehmen wir den Bürger auf unserem Weg mit.“ Nur mit einem breiten Konsens zwischen Landwirten, Verbrauchern und der Politik könne es gelingen, eine von der Gesellschaft getragene Landwirtschaft zu sichern.

Noch einen Schritt weiter ging Gerhard Schmidt, der viele Jahre als Journalist gearbeitet hat: „In unserer Gesellschaft herrscht eine fatale Unkenntnis darüber, was Landwirtschaft eigentlich ist. Was müssen wir tun, um das zu ändern und das Image zu verbessern?“ Nach der Darstellung des von ihm in Deutschland beobachteten Phänomens falsch verstandener Tierliebe und der mangelnden Erkenntnis, dass ohne Landwirtschaft die Ernährungsversorgung weltweit nicht gewährleistet werden könne, kam er zu dem Schluss: „Landwirte müssen umdenken und dazulernen!“ Bisher sei die landwirtschaftliche Öffentlichkeitsarbeit eher nach innen gerichtet gewesen. Vielmehr müsse eine strategisch geplante Öffentlichkeitsarbeit her. Dazu brauche es Mut, ebenso Einigkeit und Geschlossenheit unter den Landwirten. Nur so könne die Vielzahl bestehender Vorurteile ausgeräumt werden.

Besonders angesprochen von der Diskussion fühlten sich die gut 150 anwesenden Studierenden der Agrarwirtschaft, für die Landwirtschaft schließlich die Branche der nahen Zukunft darstellt. Wie in den Vorjahren leisteten Master- Studierende mit Kurzvorträgen und Info-Stellwänden zu Themen wie „Glyphosateinsatz im deutschen Ackerbau: Nutzen und Risiken“ sowie „Milchproduktion heute, Sicht der Landwirtschaft und öffentlichen Wahrnehmung“ einen weiteren wertvollen Beitrag zum Forum.