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Prof. Dr. Martin Ziron als Moderator, Dr. Thorsten Klauke vom Erzeugerring Westfalen, Dr. Annette Brune, Prof. Dr. Mechthild Freitag, Dr. Theo Schulze- Horsel und Ralf Stuhldreier
Prof. Dr. Martin Ziron als Moderator, Dr. Thorsten Klauke vom Erzeugerring Westfalen, Dr. Annette Brune, Prof. Dr. Mechthild Freitag, Dr. Theo Schulze- Horsel und Ralf Stuhldreier (Download )
18.02.2016

Maßnahmen für mehr Tiergesundheit

Fortbildungsveranstaltung für Berater in der Schweineproduktion an der FH

Soest. Tierwohl, Tierschutz und Tiergesundheit – die Anforderungen an die Haltung und Mast von Schweinen steigen stets. Eine hochqualifizierte Beratung für Landwirte ist daher wichtiger denn je. So trafen sich jetzt mehr als 90 Berater in der Schweineproduktion zu einer Fortbildungsveranstaltung am Standort Soest der Fachhochschule Südwestfalen.

Mit einem vielseitigen Programm aus Vorträgen zu hochaktuellen Themen hatten die Veranstalter, der Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen, der Erzeugerring Westfalen und die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Büren FGS-GmbH, Tierärzt/innen und Berater/innen aus ganz Nordrhein-Westfalen an den Standort Soest geladen. Thematischer Schwerpunkt war zum einen Gesundheitsmanagement durch Impfungen als prophylaktische Maßnahme gegen Erreger wie porcine Circoviren und deren Auswirkungen. Zum anderen ging es – mit Blick auf Tierwohl und Tiergesundheit von Schweinen – um Aspekte der Fütterung.

Den Auftakt machte Ralf Stuhldreier von der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis FGS in Büren. Er berichtete aus der Praxis, welche Ursachen häufig Infektionen hervorrufen und welche Auswirkungen diese auf die Gesundheit der Tiere haben. So nannte er als Grund für Fruchtbarkeitsstörungen und Aborte in 70 bis 80Prozent aller Fälle nichtinfektiöse Ursachen. Dazu zählen nach seinen Angaben beispielsweise ein nicht optimaler Futterzustand, Trinkwasser mit erhöhter Keimbelastung oder Stallklimafehler.

Als Vertreterin der Merial GmbH, eines weltweit agierenden Unternehmens im Bereich Veterinärpharmaka, schloss Dr. Annette Brune an. Sie unterstrich die Möglichkeit der Reduktion des Antibiotika-Einsatzes durch Impfungen und beschrieb gezielte und fachgerecht durchgeführte Impfungen als probates Mittel: „Die Impfungen aus wirtschaftlichen Gründen aussetzen, das geht eine Zeit lang gut. Aber die Infektionen holen einen wieder ein!“ Gezielt ging Frau Dr. Brune auf die technische Durchführung effektiver Impfungen ein.

Dr. Theo Schulze-Horsel vom Schweinegesundheitsdienst NRW referierte zum Thema, „Strategien zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes“. Als eine Strategie, Krankheiten zu verhüten, nannte er ein optimales Management und die Hygiene. So müssten etwa Schweine im Stall nach Altersgruppen getrennt gehalten, Lüftung und Heizung optimal eingestellt und Maßnahmen der hygienischen Stallreinigung eingehalten werden. Generell gelte: „Antibiotikaeinsatz so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aber jedes Tier hat – genau wie wir Menschen – das Recht, einmal krank zu werden und das Recht auf eine entsprechende Behandlung".

Frau Prof. Dr. Mechthild Freitag, Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen, beschrieb in ihrem Vortrag das Geburtsmanagement erfolgreicher Sauenhalter. Sie hob anhand von Auswertungen des Erzeugerrings Westfalen hervor, dass entgegen der allgemeinen Darstellungen in der Öffentlichkeit die Verlustraten der Ferkel trotz gestiegener Anzahl geborener Ferkel in den letzten 25 Jahren nicht gestiegen sondern – bei Betrachtung der letzten 8 Jahre – eher gesunken seien. So liegen die Verluste gut gemanagter Betriebe zwischen 5 und 12 %. Dieser Erfolg ist nach Angaben von Betriebsleiter/innen vornehmlich auf eine gute Geburtsüberwachung zurückzuführen.

Frau Prof. Dr. Petra Wolf beschrieb die Effekte von Nahrungsfasern auf Tiergesundheit und Wohlbefinden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Schweine mit einer ausreichenden Faserversorgung aufgrund verlängerter Futteraufnahme und Sättigung ruhiger sind, weniger Verhaltensabnormalitäten zeigen und weniger Magenulcera aufweisen. Allerdings sind die Anteile löslicher und löslicher Fasern in Futtermitteln unterschiedlich hoch, so dass mit dem bisher gebräuchlichen Begriff der „Rohfaser“ eine gezielte Versorgung nicht möglich ist. Zwingend erforderlich ist eine Neubewertung von Fasern im Hinblick auf ihre direkten und indirekten Effekte im Organismus.

Dr. Stefan Homeier, Tierärztliche Gemeinschaftspraxis, FGS Büren, stellte Untersuchungen zum Einsatz von Maissilage als Bestandteils des Flüssigfutters vor. Fein gehäckselte Maissilage ist bereits in mehreren Betrieben Teil der Ration. Sie hat den Vorteil, dass sie neben der hochverdaulichen Faser auch einen hohen Energiegehalt aufweist und daher für Schweine mit hohem Wachstumspotenzial gut geeignet ist. In einem Versuch mit Einsatzmengen bis 45% der Trockensubstanz sank zwar mit steigendem Maissilageanteil die Verdaulichkeit  der Gesamtration, die der Silage stieg jedoch signifikant. Die Kotkonsistenz verbesserte sich bei steigenden Rohfasergehalten.

Dr. Gerhard Stalljohann von der Landwirtschaftskammer NRW gab einen Einblick in den Einsatz von Heupellets in der Schweinefütterung. Diese Komponente ist zwar recht teuer, kann aber problemlos gelagert werden. Ebenso wie die Maissilage stellt sie eine interessante alternative Rohfaserquelle dar.