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Wenn zwei sich streiten: Prof. Dr. Thomas Knobloch beschäftigt sich mit dem Verhalten von Konfliktparteien und sucht Lösungen durch Mediation
Wenn zwei sich streiten: Prof. Dr. Thomas Knobloch beschäftigt sich mit dem Verhalten von Konfliktparteien und sucht Lösungen durch Mediation(Download )
Prof. Dr. Thomas Knobloch
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22.02.2016

Wenn zwei sich streiten

Als Wirtschaftsmediator entwickelt Prof. Dr. Thomas Knobloch Instrumente für das Konfliktmanagement in Unternehmen

Meschede. Wenn zwei sich streiten, freut sich – genau: der Mediator. Mediation bedeutet im Prinzip Streitbeilegung durch Vermittlung eines unparteiischen Dritten. Prof. Dr. Thomas Knobloch von der Fachhochschule Südwestfalen ist ein solcher Mediator, sein Forschungsfeld das Konfliktmanagement in Unternehmen. Hierzu hat er an einem Forschungsprojekt der Europa-Universität Viadrina und der Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers mitgewirkt. Von 2005 bis 2015 untersuchten diese in einer Studienreihe das Konfliktmanagement deutscher Unternehmen.

Streitfälle gibt es demnach in Unternehmen genug, beispielweise zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung oder mit Lieferanten und Kunden. „Mediation ist dabei sinnvoller als eine Gerichtsverhandlung, da die Geschäftsbeziehung meist erhalten bleibt“, meint Professor Knobloch. Bei der Umsetzung in Unternehmen sieht er aber eine Praxislücke: „Unternehmen wünschen sich Mediation, ziehen aber regelmäßig vor Gericht.“

Das kostet. Nicht nur Anwalts- und Gerichtskosten summieren sich, auch verlorene Arbeitszeit kommt hinzu. Knobloch unterscheidet für das Personal zwischen Nutz- und Leerkosten. „Wenn Mitarbeiter sich mit Konflikten beschäftigen, sind sie nicht produktiv“, erklärt der Professor seinen Ansatz. Bewertet man die verlorene Arbeitszeit, lassen sich die sogenannten Leerkosten berechnen. Nutzkosten fallen hingegen durch produktiv genutzte Arbeitszeit an.

Ein Anteil Knoblochs an der Studie ist entsprechend ein „Modell der retrograden Konfliktkostenschätzung“. Dieses berechnet geschätzte Personal-Konfliktkosten in Abhängigkeit von Reichweite, Intensität und Dauer eines Konflikts. Schnell kommen hier fünf- bis sechsstellige Euro-Beträge beispielsweise als Folge eines Streits am Arbeitsplatz zusammen. Noch teurer kann es bei Konflikten mit Geschäftspartnern sein, wenn Aufträge storniert oder künftige Aufträge gar nicht erteilt werden.

„Unternehmen gehen möglicherweise erhebliche Risiken ein, wenn sie einen Konflikt nicht aktiv steuern“, so Knobloch. Er empfiehlt deshalb, Konflikt-  und Risikomanagement zusammenzuführen. Hiermit trägt er auch zur Schließung einer Theorielücke in der Wissenschaft bei. In seinem Modell der integrierten Konflikt- und Risikosteuerung werden Konfliktkosten, Eskalationsniveaus und Eintrittswahrscheinlichkeiten  in Abhängigkeit betrachtet. In einer sogenannten „Conflict/Risk Map“ stellt Knobloch dar, wann das Management eines Unternehmens in einen Konflikt eingreifen sollte. Zum Beispiel, indem es einen Mediator engagiert.

Hintergrund:
Prof. Dr. Thomas Knobloch ist Steuerberater und Wirtschaftsmediator. An der Fachhochschule Südwestfalen vertritt er neben dem Bilanzrecht die Fachgebiete Risiko- und Konfliktmanagement in Lehre und Forschung.

Knoblochs Modell zur integrierten Konflikt- und Risikosteuerung ist nachzulesen in der Studie „Konfliktmanagement als Instrument werteorientierter Unternehmensführung“.  Die Studie ist kostenlos erhältlich unter www.pwc-wissen.de.

An der Studienreihe haben sich rund 50 Großunternehmen beteiligt. Ein zentrales Ergebnis ist das „Viadrina-Komponentenmodell“, dessen Bedeutung für Unternehmen der Ansatz von Professor Knobloch herausarbeitet. Dieses Modell dient unmittelbar als in Unternehmen einsetzbarer Werkzeugkasten für das Konfliktmanagement.