Pressearchiv

Bilder

Prof. Dr. Martin Ehret
Prof. Dr. Martin Ehret(Download )
22.02.2016

Drei Fragen

an den Volkswirtschaftsprofessor Dr. Martin Ehret zum Thema „Ökonomische Auswirkungen von Flüchtlingsmigration“

Wie schätzen sie generell die wirtschaftliche Wirkung von Flüchtlingsmigration ein?
Nach meiner Einschätzung hat Flüchtlingsmigration aktuell eine positive gesamtwirtschaftliche Wirkung. Ich denke, dass unterm Strich für 2015 ein Impuls herauskommt, der etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte Wachstum für die deutsche Wirtschaft bedeuten kann.

Von welchen ökonomischen Auswirkungen spricht man überhaupt als Volkswirt?
Volkswirte fragen zuerst immer nach Angebot und Nachfrage. Bei der Flüchtlingsmigration sind die Nachfragewirkungen zumindest in der ersten Runde sehr einfach. Es sind die Ausgaben des Staates, die dieser beispielweise für die Unterbringung von Flüchtlingen aufwenden muss. Auf der Angebotsseite haben wir Effekte beim Arbeitsangebot, vorausgesetzt Migranten werden erfolgreich integriert. So können wir beispielsweise einen Fachkräftemangel aus dem demographischen Wandel und der Überalterung unserer Gesellschaft abmildern.

Aber belastet die Flüchtlingsmigration nicht die öffentlichen Haushalte?
Ja doch, das stimmt. Der Sachverständigenrat schätzt, dass die Ausgaben für Flüchtlinge im Jahr 2015 zwischen 5,9 und 8,3 Milliarden Euro betragen. Im Jahr 2016 sind es voraussichtlich zwischen 9,0 und 14,3 Milliarden Euro. Das sind die Erstausgaben, die sich für die Staatshaushalte ergeben. Aber Ausgaben für Flüchtlinge sind auf der anderen Seite Einnahmen für Einzelhändler, für die Hersteller von Containern oder Unterkünften, für die Anbieter von Fortbildungen und so weiter. Und es ist in der Ökonomie so, dass jeder Euro mehr als einmal ausgegeben wird. Es kommt also eine ganze ökonomische Wirkungskette hintendran. Letztlich kommt uns das über unseren Wirtschaftskreislauf zugute. Wer hierzu mehr wissen möchte, dem empfehle ich das Jahresgutachten 2015/16 des Sachverständigenrates als Lektüre.