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Mohamed Arrass von der Firma Busch-Jaeger-Elektro sowie die Professoren Gerald Lange und Harald Mundinger (hi. vo. li.) gratulierten den Absolventen Christian Hahn und Michael Krüttgen (v. v. li.).
Mohamed Arrass von der Firma Busch-Jaeger-Elektro sowie die Professoren Gerald Lange und Harald Mundinger (hi. vo. li.) gratulierten den Absolventen Christian Hahn und Michael Krüttgen (v. v. li.).(Download )
01.03.2016

„Es hat sich alles gelohnt“

Michael Krüttgen und Christian Hahn sind so etwas wie Quereinsteiger – und die ersten Absolventen ihres Studiengangs an der Fachhochschule Südwestfalen

Hagen/Lüdenscheid. Sie waren schon Strippenzieher und Glücksbringer, Meister und Mann in schwarz. Jetzt sind Michael Krüttgen und Christian Hahn Ingenieure. Die beiden jungen Männer sind die ersten Absolventen des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen-Gebäudesystemtechnologie der Fachhochschule Südwestfalen.

Wenn Michael Krüttgen (29) und Christian Hahn (27) von früher erzählen, dann hat man fast den Eindruck, als müssten sie sich dafür in ein anderes Leben zurückdenken. Als würden sie ein staubiges Buch aufschlagen, und da mit dem Lesen der verschnörkelten Schrift von damals beginnen, wo ihre berufliche Laufbahn vor ein paar Jahren begann. Christian Hahn war einmal Schornsteinfeger, Michael Krüttgen war einmal Elektriker, danach selbständiger Elektromeister. Und das waren sie gerne. „Ich war gerne auf dem Dach, das hat Spaß gemacht“, sagt Chtistian Hahn, „vor allem hat es aber eines gemacht: Hunger auf mehr“. Fast die gleichen Worte kramt Michael Krüttgen aus seinem Gedächtnis hervor: „Ich wollte mehr lernen, habe das Streben nach mehr gespürt.“

Ihr „mehr“ fanden beide an der Fachhochschule Südwestfalen. Weil, wie Michael Krüttgen sagt, „die Inhalte perfekt passten“, entschieden sie sich für den damals nagelneuen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen-Gebäudesystemtechnologie. Jetzt, sieben Semester später, haben dei Stipendiaten dieses Kapitel mit dem Titel Bachelor of Engineering abgeschlossen. Als erste.

Und wie? „Mit Bestnoten“, sagt Harald Mundinger, einer ihrer Professoren. „Die beiden haben das verdient, waren fleißig, pfiffig und haben starke Bachelor-Arbeiten vorgelegt“. Christian Hahn hatte die Kommunikation zwischen verschiedenen gebäudetechnischen Systemen, oder, wie er es viel lieber nennt, „vollendet vernetzte Gebäudetechnik“ zum Thema und dafür mit der Firma Busch-Jaeger-Elektro zusammengearbeitet. Michael Krüttgen hatte seine über hundert Seiten thermoaktiven Bauteilsystemen  gewidmet. Was dahinter steckt? „Fußboden oder Decke haben einen Betonkern“, erklärt er, „in dessen energieeffizienter Nutzung liegen große Potenziale“.

Aber ist das alles? Ist die Abschlussarbeit das, was bleibt? Das Aushängeschild für alles, was man gelernt hat?  Christian Hahn und Michael Krüttgen sind stolz auf ihre Arbeiten, keine Frage. Aber wirklich zufrieden, vielleicht sogar richtig erfüllt, klingen die beiden erst, als das Gespräch über ihr Studium einen anderen Dreh bekommt. Erst als der Rahmen größer gewählt wird, wird das Bild der beiden jungen Männer stimmig. „Wir wussten auch schon vor dem Studium, was es heißt, richtig zu ackern“, sagt Christian Hahn, „aber dann haben wir eine Chance erkannt und sie genutzt“. „Wenn man was leistet, dann wird man belohnt“, sagt Michael Krüttgen. Das jedenfalls habe ihn sein Studium so gelehrt.

Und jetzt? Wie geht es weiter? Michael Krüttgen macht den Master an der TH Köln. Christian Hahn steigt lieber ins Berufsleben ein. Zum zweiten Mal. „Hier in der Region muss man sich mit unserem Abschluss keine Sorgen machen“, ist er sicher. Und deshalb nimmt er sich etwas Zeit. Zeit für sich. „Ich werde den Jakobsweg bummeln“, sagt er mit der Langsamkeit, die seiner Wortwahl gerecht wird. Im Gepäck hat er dann die entschleunigende Gewissheit, die keiner besser ausdrücken kann, als er selbst: „Ich werde nicht mehr auf Knien oder auf dem Dach arbeiten, sondern mein Geld mit dem Kopf verdienen. Es hat sich alles gelohnt.“