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18.05.2016

Staatssekretär Knitsch: „Nachhaltige Fischzucht schont Ressourcen und unser Klima“

Siebte Station der Sommertour „NRW is(s)t“: Staatssekretär Peter Knitsch informiert sich über das Projekt Aquaponik der FH Südwestfalen

Die Landesregierung will die nachhaltige Fischzucht vorantreiben und damit zu mehr Ressourcen- und Klimaschutz beitragen. Deshalb fördert das Landwirtschaftsministerium mit 50.000 Euro die Pilotstudie „Nachhaltige Aquaponik-Erzeugung für Nordrhein-Westfalen“ der Fachhochschule Südwestfalen am Standort Soest. Sogenannte Aquaponik-Produktionssysteme verbinden die Fischhaltung in künstlichen Systemen (Aquakultur) mit der Pflanzenproduktion in Wasser (Hydroponik). Dabei wird das Prozesswasser der Fischanlage, mit den Ausscheidungen der Fische über einen Biofilter und eine weitere Reinigungseinheit so aufbereitet, dass es pflanzenverfügbare Nährstoffe enthält und den Pflanzen als Düngemitteln zugeführt werden kann. Idealerweise kann das durch die Pflanzen gereinigte Prozesswasser in die Fischanlage zurückgeführt werden.

Im Rahmen der Sommertour „NRW is(s)t“ informierte sich Staatssekretär Peter Knitsch heute über das Projekt in Soest. „Aquaponik-Systeme sind aus ökologischer Sicht Trumpf: Landwirtschaftliche Nutzflächen werden nicht beansprucht und durch die Kopplung von Fisch- und Gemüseerzeugung werden Ressourcen geschont und die Klimaeffizienz erhöht“, sagte Peter Knitsch. Wichtig sei auch die Wirtschaftlichkeit der neuen Methode, die im Rahmen des Forschungsprojekts ebenfalls überprüft werde.

2015 ging die Anlage in Soest in den Pilotbetrieb. Neben der FH Südwestfalen sind zudem der Fachbereich Fischereiökologie des Landesumweltamts (LANUV), der Fischzuchtbetrieb Ulrich Schulte aus Halle/Westfalen (Lieferant der Jungfische und Zuchtberatung), das Gemüse- und Saatgutunternehmen Rijk Zwaan aus Welver (Jungpflanzen und Hydroponik-Prozessführung), die  HeiTro GmbH Dortmund (Unterstützung bei Monitoring und Betreuung) sowie die Universität Rostock am Projekt beteiligt.

„Für Nordrhein-Westfalen könnte das Verfahren einen Weg aufzeigen, wie sich das Land an der bundesweit angestrebten Entwicklung der Aquakultur auf nachhaltige Weise beteiligen kann - konkret durch die Vermeidung der Belastung natürlicher Gewässer und durch den funktionsbedingten Verzicht auf Antibiotika, sonstige Medikamentenzusätze und chemische Pflanzenschutzmittel in kombinierten Fisch-Pflanze-Verbundsystemen", sagte Prof. Dr. Wolf Lorleberg als Projektverantwortlicher der FH Südwestfalen. 

Im Fischbecken werden Europäische Welse (Silurus glanis) gezüchtet, die sich gut für die Haltung in Kreislaufanlagen eignen. Im Pflanzensystem wird mit drei Schwimmbeeten experimentiert, ergänzt durch neuartige vertikale Beetsysteme. Aktuell sind die Arbeiten im Rahmen des Pilotprojektes in der Endphase; neben Erkenntnissen zur technischen Machbarkeit und biologischen Optimierung sollen Einschätzungen zur ökologischen Vorteilhaftigkeit, zur Verbraucherakzeptanz und zum wirtschaftlichen Potenzial einfließen.

Wirtschaftliche Perspektiven für Aquaponik könnten sich sowohl im ländlichen als auch im urbanen Raum vor allem dort ergeben, wo z.B. Flächen und Abwärme kostengünstig zur Verfügung stehen bzw. Synergien zu anderen Aktivitäten erschlossen werden können (Nutzung von Abwärme aus Biogasanlagen, warmem Grubenwasser oder industriellen Prozessen, Inwertsetzung von Industriebrachen mit belasteten Böden