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(v.l.) Dr. Jürgen Harlizius, Katrin Peperkorn, Nicole Hellenkamp, Caren Ahrendt, Prof. Dr. Mechthild Freitag, Dr. Thorsten Klauke, Dr. Sabine Schütze, Prof. Dr. Martin Ziron, Prof. Dr. Jürgen Braun und Dr. Bernhard Schlindwein
(v.l.) Dr. Jürgen Harlizius, Katrin Peperkorn, Nicole Hellenkamp, Caren Ahrendt, Prof. Dr. Mechthild Freitag, Dr. Thorsten Klauke, Dr. Sabine Schütze, Prof. Dr. Martin Ziron, Prof. Dr. Jürgen Braun und Dr. Bernhard Schlindwein (Download )
27.06.2016

Fachgespräch: Tierwohl in der Schweinehaltung

Fachhochschule Südwestfalen bringt Forschung und Praxis zusammen

Soest. Das Wohl der Tiere immer im Blick zu haben und dabei wirtschaftlichen Ansprüchen zu genügen, ist eine große Herausforderung für Landwirte. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat im September 2014 eine Initiative für mehr Tierwohl gestartet, um tierhaltenden Betrieben entsprechende Unterstützung anzubieten. Ein Bestandteil dieser Initiative ist das Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz. Zum Fachgespräch im Rahmen des MuD trafen sich jetzt ca. 140 Interessierte: VertreterInnen des MKULNV NRW, der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, des WLV, landwirtschaftliche BeraterInnen, TierärztInnen und Studierende des Fachbereichs Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest.

Das Ziel der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz ist der effektive Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis zur Verbesserung des Tierschutzes in der Nutztierhaltung. Fachlich und administrativ betreut wird das Vorhaben von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), gefördert wird das MuD vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Ein schneller und effektiver Transfer von Forschungsergebnissen in die landwirtschaftliche Praxis soll dabei die Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis schließen. „Ein praxisnaher Forschungsansatz steht am Fachbereich Agrarwirtschaft im Vordergrund.“, so Prof. Dr. Jürgen Braun als Dekan des Fachbereichs zur Begrüßung. Aktuell beschäftigen sich mehrere Soester WissenschaftlerInnen mit Forschungsprojekten zur Optimierung des Tierwohls. So ist die Fachhochschule ein adäquater Treffpunkt für den Austausch zwischen VertreterInnen aus Wissenschaft, Beratung und Praxis aus Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Bundesländern.

Im Rahmen des Fachgesprächs wurden wissenschaftliche Projekte mit anwendungsorientiertem Ansatz zur Haltung von Schweinen vorgestellt. So referierte Caren Ahrendt über ein Projekt der Landwirtschaftskammer Schleswig- Holstein zum Thema, „Reduzierung des Medikamenteneinsatzes in der Ferkelerzeugung“. Sie konnte nachweisen, dass bereits mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen zur Verbesserung von Wasserversorgung und Hygiene eine deutliche Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bei den Tieren erreicht werden konnte. Im Vortrag von Katrin Peperkorn von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ging es um die Verbesserung des Tierwohls durch eine Optimierung der Lüftung. Im Rahmen der Studie wurden 16 Betriebe über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet. Dabei wurde deutlich, wie negativ sich Fehlströmungen bei der Zu- und Abluft im Stall oder Zugluft im Bereich der Boxen auf Tiergesundheit und Tierverhalten auswirken können.

Prof. Martin Ziron, Fachbereich Agrarwirtschaft, erläuterte Möglichkeiten für Landwirte zur Eigenkontrolle der Betriebe im Hinblick auf das Wohlbefinden von Schweinen. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe des KTBL entwickelt er Indikatoren, die erkennen lassen, ob Tiere stressfrei ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben können. Wilhelmine Grothmann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Nicole Hellenkamp, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Agrarwirtschaft, und Dr. Sabine Schütze vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW stellten in ihren Beiträgen Ursachen für Caudophagie und Möglichkeiten zur Reduzierung der Verhaltensanomalie vor. Auswirkungen des Schwanzbeißens auf die Tiergesundheit – offenen Wunden, Abszesse, Lahmheiten – wurden mit Hilfe von Bildmaterial demonstriert. Aber es sind auch erste Erfolge bei der Haltung von unkupierten Tieren zu verzeichnen. Zwar erreichten nur etwa ein Drittel der Langschwanzferkel das Ende der Mast unversehrt, jedoch war die Erfolgsrate zwischen den Betrieben sehr unterschiedlich (von 0 bis über 90%). Allerdings ist noch viel Erfahrung notwendig, bevor großflächig mit der Haltung von Langschwanz-Tieren begonnen werden kann.