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Prof. Dr. Stephan Breide setzt auf Glasfaser (rechts im Bild) bis ans Gebäude statt auf den bisher üblichen „Kabelbaum“ aus Kupferzweidrahtleitungen (links) Foto: FH Südwestfalen, Christian Klett
Prof. Dr. Stephan Breide setzt auf Glasfaser (rechts im Bild) bis ans Gebäude statt auf den bisher üblichen „Kabelbaum“ aus Kupferzweidrahtleitungen (links) Foto: FH Südwestfalen, Christian Klett(Download )
14.07.2016

Glasfaser für alle

Prof. Dr. Stephan Breide sieht die aktuellen Ausbauvorhaben für Breitband in Südwestfalen kritisch

Meschede. Prof. Dr. Stephan Breide ist Prodekan des Fachbereichs Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften in Meschede und Leiter des Breitbandkompetenzzentrums NRW. Er plädiert für einen Breitbandausbau in Südwestfalen nach dem Prinzip des „Fiber to the building“ mit frei wählbaren Diensten.

Herr Professor Breide, was heißt eigentlich „Fiber to the building“?

Beim „Fiber to the building" gibt es ein überregionales Glasfasernetz mit sogenannten “POPs” in Kommunen. POP steht für „Point of Presence“. Von diesen werden Glasfaserverbindungen zu allen Teilnehmern gezogen, also direkt zu Haushalten oder Unternehmen. Das wird in anderen Regionen oder Ländern wie zum Beispiel Holland schon so gemacht.

Und in Südwestfalen nicht?

Nein, hier legt man aktuell Glasfaserkabel zu den Kabelverzweigern an den Straßenecken des jetzigen Telefonnetzes. Dann führen Kupferzweidrahtleitungen zu den Teilnehmern. Das ist Technologie des letzten Jahrhunderts.

Was wäre denn der Vorteil der Glasfaserverlegung direkt zu den Teilnehmern?

Zunächst gäbe es deutliche Einsparungen bei der Energieversorgung. Darüber hinaus wären die Dienste vom Nachfrager frei wählbar und nicht vom Betreiber abhängig. In einem reinen Glasfasernetz sind zudem alle Dienste abzubilden, die wir uns heute vorstellen können. Und nicht zuletzt hätten wir eine hervorragende Plattform für Energiemanagement, zum Beispiel für sogenannte „Smart Grids“.

Gäbe es auch Nachteile?     

Ja, vor allem wäre der Glasfaserausbau auf kurze Sicht deutlich aufwändiger und teurer, insbesondere durch den erforderlichen Tiefbau. Langfristig wäre dieses System aber sinnvoller.

Warum wird es dann nicht umgesetzt?

Das Hauptproblem ist das Preisniveau und die in Deutschland üblichen „Flatrates“. In Deutschland haben wir im europäischen Vergleich die niedrigsten Kosten für die Breitbandnutzung. Daraus können die heutigen Netzbetreiber oder neue Anbieter kaum die erforderlichen Investitionen tätigen. In Ländern wie Schweden wird deshalb eine Anschlussgebühr erhoben, um die Kosten für die Infrastruktur zu tragen. Alle Anbieter haben dann mit ihren Diensten freien Zugang zum Glasfasernetz, das nennt man „Open Access“. Für die Inanspruchnahme gibt es dann eine verbrauchsabhängige Nutzungsgebühr.

Und warum funktioniert das bei uns nicht?

In Deutschland liegt die Netzinfrastruktur in den Händen von Konzernen wie Telekom oder Unitymedia. Über Fördermittel versuchen wir zurzeit, den Breitbandausbau voran zu treiben. Damit zementiert man aber die Ausbaustrategie der großen Netzbetreiber in den bestehenden Netzen. Mit staatlicher Hilfe wird letztlich eine suboptimale privatwirtschaftliche Dienstleistung unterstützt.    

Hintergrund:

Über Glasfaserleitungen werden Daten als optische Signale übertragen. Dies ermöglicht hohe Übertragungsgeschwindigkeiten und macht Datenübertragungen wenig störanfällig. In Kupferzweidrahtkabeln werden Daten hingegen durch elektrische Impulse übermittelt.
Glasfasernetze gelten als echte Datenautobahn. Auf Glasfaserleitungen werden aktuell bis zu 1000Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Download und Upload angeboten. Theoretisch sind die Grenzen derzeit nicht erreicht.
Zum Vergleich: Der klassische digitale Teilnehmeranschluss (Digital Subscriber Line, kurz DSL) bringt es auf bis zu 16 Mbit/s im Download. Als Variante VDSL oder Vectoring sind es bis zu 100 Mbit/s. Alternativ stehen das Kabel-TV-Internet mit bis zu 200 Mbit/s Datenübertragungsrate im Downstream zur Verfügung