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Prof. Dr. Matthias Hermes (l.) schickt die Teilnehmer des Projektlabors auch schon mal zum „Basteln“ in die Werkstatt – hier sind es Christian Schmitte, Lukas Schulte, Benedikt Vollmer und Jürgen Weimann
Prof. Dr. Matthias Hermes (l.) schickt die Teilnehmer des Projektlabors auch schon mal zum „Basteln“ in die Werkstatt – hier sind es Christian Schmitte, Lukas Schulte, Benedikt Vollmer und Jürgen Weimann(Download )
So klein, dass man es auf dem Gruppenfoto nicht sieht: das filigrane Bauteil aus dem Labor für Umformtechnik
So klein, dass man es auf dem Gruppenfoto nicht sieht: das filigrane Bauteil aus dem Labor für Umformtechnik (Download )
28.07.2016

„Um die Ecke denken“ lernen im Projektlabor

Maschinenbaustudierende der Fachhochschule Südwestfalen lernen problemorientiert Umformtechnik an einem Projekt für die Elektronikindustrie

Meschede. Auf dem Tisch im Labor Umformtechnik liegt ein Bauteil aus Metall und Kunststoff, etwa einen Zentimeter groß. Vier Maschinenbaustudenten haben das Spezialgehäuse für einen Elektronikbaustein im sogenannten „Projektlabor“ umgesetzt. Prof. Dr. Matthias Hermes ließ sie in diesem Fach Lehrinhalte des gesamten Studiums zusammenführen und auf eine Fertigungsaufgabe anwenden.

„Das was man in den anderen Fächern im Studium lernt, mussten wir hier konkret einsetzen“, erzählt Student Christian Schmitte, „da sieht man schnell was geht und was nicht geht“. Und genau das ist das Ziel des Projektlabors am Mescheder Campus der Fachhochschule Südwestfalen. „Die offensichtliche Lösung ist nicht immer die Beste, beispielweise weil sie nicht zu fertigen ist“, so Hermes. Ingenieure müssen nach seiner Ansicht „um die Ecke denken“. Oft müsse man mit einer Konstruktion noch einmal zurück aus der Fertigung und etwas Anderes ausprobieren. Bewertet wird im Projektlabor deshalb nicht das entwickelte Werkstück, sondern wie der jeweilige Student den Weg der Entwicklung gegangen ist und sein Konzept umgesetzt hat.

Forschungsmäßig arbeitet der Lippstädter Hermes in seinem Labor üblicherweise am gesamten Spektrum der Blechumformtechnik. Hier werden auch schon einmal meterlange Profile zu komplexen Formen gebogen, aber auch kleinere Bauteile mit innovativen Verfahren umgeformt. Die von Christian Schmitte und seinen Kommilitonen Lukas Schulte, Benedikt Vollmer und Jürgen Weimann entwickelten Prototypen sind filigrane Bauteile. „Die Werkstücke erschienen zunächst als Low Tech, sind aber im Detail sehr knifflig und anspruchsvoll“, erklärt Hermes. Zur Anfertigung mussten die Studenten das gesamte Spektrum der Produktentwicklung und Fertigungstechnik durchlaufen. Dazu gehört der Umgang mit einem fertigungsorientierten CAD-Zeichenprogramm ebenso wie die Festlegung der Biegefolge für Bleche, die Auslegung und das Darstellen der Fertigungsschritte, das Laserschneiden oder das Gewindeformen.

Das interdisziplinäre und problembasierte Lernen ist insofern der Kern des didaktischen Konzepts im Projektlabor. Zum Unterricht gehören aber auch Themen wie Innovationsmanagement, Ideenfindung oder Gestaltung von  Produktentwicklungsprozessen. „Und das Ganze nicht nur virtuell sondern sehr praxisorientiert“, meint Hermes. Der Dozent mimt gleichzeitig den Auftraggeber und einen Berater, wohingegen die Studierenden als Ingenieurteam an den Lösungen zusammen arbeiten. Am Schluss werden die Ergebnisse präsentiert und das nicht nur als buntes Bild, sondern praktisch umgesetzt.