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19.12.2016

Digitale Technologien in der Umformtechnik

Fachhochschule Südwestfalen erhält 920.000 Euro an Forschungsgeldern

Iserlohn. Das Bundesministerium für Wirtschaft fördert ein neues Projekt an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn. Mit dem Projekt „Effizienzschub in der Massivumformung durch Entwicklung und Integration digitaler Technologien im Engineering der gesamten Wertschöpfungskette (EMuDig4.0) hat sich ein Konsortium aus Hochschulen und Industrie erfolgreich im Wettbewerb um eine öffentliche Projektförderung beworben.

Die Chancen von „Industrie 4.0" sind derzeit im politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Raum in aller Munde. Damit gemeint ist die Verzahnung der industriellen Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik auf der Grundlage intelligenter und digital vernetzter Systeme. Diese Vernetzung soll es möglich machen, nicht nur einen einzelnen Produktionsschritt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette zu optimieren. „Das ist natürlich auch ein Thema für die Branche Massivumformung“, erklärt Prof. Dr. Rainer Herbertz, Leiter des Labors für Massivumformung an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn und Mitglied des Konsortiums, „im Rahmen des neuen Forschungsprojektes möchten wir untersuchen, in welchem Umfang durch die Integration digitaler Technologien die Gesamtanlageneffektivität und damit die Wirtschaftlichkeit in der Massivumformung signifikant gesteigert werden kann“.

„Unser Ziel ist es, mittels zweier Demonstratoranwendungen eine methodische Vorgehensweise zu entwickeln, zu erproben und zu bewerten, mit der die Daten komplexer Produktionsanlagen entlang der gesamten Wertschöpfungskette kontinuierlich erfasst, gespeichert, verarbeitet und analysiert werden können, um damit präventive Maßnahmen zur Steigerung der Gesamtanlageneffizienz abzuleiten und umzusetzen“, fasst Herbertz die Projektidee zusammen. Dabei werden gleich mehrere Technologiefelder mit der Wertschöpfungskette verzahnt . Die Rohmaterialerzeugung soll mittels eines “digitalen Fingerabdrucks“ bezüglich der Produktions- und Eigenschaftsdaten mit der Weiterverarbeitung verbunden werden. Bei den Produktionswerkzeugen möchte man den Werkzeugzustand bzw. den Verschleißstand frühzeitig ermitteln, um entsprechende vorbeugende Maßnahmen einleiten zu können. Gleiches gilt für die Produktionsanlagen. Bei dem Produktionsprozess Umformen einschließlich der Wärmebehandlung wird die prozesssichere Beherrschung aller Qualitätsanforderungen an die Umformprodukte angestrebt. Beim Logistikprozess geht es um die logistische Steuerung und Rückverfolgbarkeit von kleinstmöglichen Teilmengen eines gesamten Fertigungsloses.

Ausgestattet mit einem Gesamtfördervolumen von rund 4,7 Mio. Euro, wovon auf die Fachhochschule Südwestfalen ca. 920.000 Euro entfallen, ist das Projekt im Oktober gestartet. Dabei konnte sich „EMuDig4.0“ von insgesamt 79 eingereichten Projektvorschlägen als eines von 13 geförderten Projekten behaupten. Dem Projektkonsortium gehören neben der Fachhochschule Südwestfalen, die OTTO FUCHS KG aus Meinerzhagen, die Hirschvogel Automotive Group in Denklingen, die SMS group GmbH in Düsseldorf sowie zwei Institute der Universität Stuttgart an. Als assoziierte Partner sind die Georgsmarienhütte GmbH in Georgsmarienhütte, die SAP Deutschland SE & Co. KG in Walldorf und der Industrieverband Massivumformung e.V. in Hagen eingebunden.

„Dadurch, dass wir die einzelnen Prozessschritte digital vernetzen, möchten wir eine Effizienzsteigerung der gesamten Wertschöpfungskette erreichen. Für die Massivumformung als bedeutende Branche der deutschen Industrie stellt das eine große Chance dar, sich auch in Zukunft als Innovationstreiber aufzustellen“, ist sich Herbertz sicher. Mit Ergebnissen rechnen die Projektteilnehmer in drei Jahren.