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Preisverleihung im Hörsaal: Prof. Dr. Anne Jacobi (r.) und Frank Kleine-Nathland (l.) mit drei prämierten Guerilla-Marketing-Teams im Studiengang  Wirtschaftsingenieurwesen. Foto: Christian Klett, FH Südwestfalen
Preisverleihung im Hörsaal: Prof. Dr. Anne Jacobi (r.) und Frank Kleine-Nathland (l.) mit drei prämierten Guerilla-Marketing-Teams im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Foto: Christian Klett, FH Südwestfalen (Download )
22.12.2016

Guerilla-Marketing gegen Ärztemangel

Studierende der Fachhochschule Südwestfalen erarbeiten Ansätze, um ärztlichen Nachwuchs in die Region zu locken

Meschede. Im Wintersemester 2016/2017 haben Studierende der Fachhochschule Südwestfalen Guerilla-Marketing-Konzepte erarbeitet, die angehende Mediziner auf die Region Südwestfalen aufmerksam machen sollen. Auftraggeber sind der Verein zur Förderung der ärztlichen Berufsausübung e.V., kurz „Doktorjob“, Sauerland Initiativ und die Südwestfalen Agentur.

Dozentin Prof. Dr. Anne Jacobi und ihr Team hatten den Studierenden vorab das notwendige Hintergrundwissen in Vorlesungen vermittelt. Das Problem: In ländlichen Regionen steht die medizinische Versorgung vielerorts vor großen Herausforderungen. Laut einer bundesweiten Umfrage wählen nur noch wenige Medizinstudenten die Fachrichtung Allgemeinmedizin. Zudem prognostizieren Studien, dass immer weniger junge Mediziner auf dem Land praktizieren wollen.

In Gruppen behandelten die Studierenden das Thema als teamorientierte Semesterarbeit in den Studiengängen Wirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen in Form eines Wettbewerbs. David Bartel, Nadine Bock, Nils Braun, Christina Frank, Vanessa Heinemann, Valerie Kempel, Jessica Klein und Marius Tampier erreichten mit ihrem Team „Pusteblume“ den ersten Platz bei den Wirtschaftswissenschaftlern. „Wir haben uns für einen sogenannten Guerilla Stunt entschieden“, erklärt Valerie Kempel. „Das ist eine einmalige kreative Aktion, die viel Aufmerksamkeit erregen, aber nicht viel kosten soll.“ Beispielsweise hatte sich die Gruppe überlegt, einen Sarg in einer medizinischen Fakultät aufzustellen, um mit diesem auf die Unterversorgung in ländlichen Gebieten hinzuweisen. „Aber das erschien uns zu abschreckend“, sagt Nadine Bock, „wir haben uns deshalb letztlich für einen positiven und informativen Stunt entschieden“. Welche Idee sich hinter diesem Konzept verbirgt, darf die Gruppe im Interesse des Auftraggebers (noch) nicht verraten. Man darf gespannt sein.

An der Präsentation der Ergebnisse der Studierenden nahm auch Frank Kleine-Nathland als Vertreter des Vereins Doktorjob teil. Er hat selbst schon mehrere medizinische Fakultäten bereist und Werbung für die Region gemacht. „Aber letztlich gibt man einen Flyer ab und ist damit nur einer von zig Bewerbern um medizinische Fachkräfte“, meint Kleine-Nathland. Auch andere Maßnahmen wie ein Messestand auf einer Mediziner-Jobbörse hätten guten Anklang gefunden, aber letztlich keinen Mediziner nach Südwestfalen gelockt. Bei Doktorjob setzt man deshalb jetzt auf ungewöhnliche Werbemaßnahmen, sprich auf die Guerilla-Marketing-Aktionen der Studierenden. Soweit möglich, soll im kommenden Frühjahr eine Auswahl aus den besten Konzepten umgesetzt werden. Die besten Teams durften sich jeweilsüber eine Prämierung in Höhe von 300, 200 oder 100 Euro freuen.

Hintergrund „Doktorjob“

In der Region Südwestfalen ist der Altersdurchschnitt vieler Fach- und Hausärzte sehr hoch. In Orten wie Schmallenberg, Marsberg, Brilon, Winterberg, Medebach, Eslohe oder Hallenberg sind viele Hausärzte mindestens 55 Jahre oder älter.

Auf Initiative von Landrat Dr. Karl Schneider wurde daher bereits vor einigen Jahren ein Arbeitskreis eingerichtet, der sich mit der Sicherung der medizinischen Versorgung im Hochsauerlandkreis beschäftigt. Aus diesem Arbeitskreis ging letztendlich im Dezember 2009 der Verein Doktorjob hervor. Er zielt auf die Vorstellung des Sauerlands als attraktive und innovative Region ab.

Im Jahr 2012 hat der Hochsauerlandkreis außerdem das „Medizinstipendium Hochsauerlandkreis“ eingeführt. Dieses fördert Medizinstudenten bis zu vier Jahre mit einem monatlichen Beitrag von bis zu 500 Euro. Im Gegenzug verpflichten sich die Studierenden, im Anschluss an das Studium eine gewisse Zeit im Sauerland zu praktizieren. Seit 2016 arbeiten die ersten vier Stipendiatinnen im Hochsauerlandkreis: drei von ihnen am Klinikum Arnsberg, die vierte absolviert eine Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin in Schmallenberg.

Die angehenden Ärzte werden zudem auf Wunsch auch bei Fragen des alltäglichen Lebens unterstützt, zum Beispiel bei der Beschaffung einer Wohnung oder eines Bauplatzes, bei der Suche nach einer Arbeitsstelle für die Partnerin oder den Partner oder auch beim Thema Kinderbetreuung. Und auch bei der Übernahme oder Neugründung einer Praxis kann Hilfestellung geleistet werden.