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Sorgten mit Beiträgen zu einem aktuell diskutierten Thema für ein gut besuchtes Agrarforum: (v.li) Prof. Dr. Harald Laser als Moderator, Prof. Dr. Bernhard Carl Schäfer, Hathumar Rustige, Prof. Dr. Jürgen Braun, Dr. Frank Wechsung und Philipp Horsch.
Sorgten mit Beiträgen zu einem aktuell diskutierten Thema für ein gut besuchtes Agrarforum: (v.li) Prof. Dr. Harald Laser als Moderator, Prof. Dr. Bernhard Carl Schäfer, Hathumar Rustige, Prof. Dr. Jürgen Braun, Dr. Frank Wechsung und Philipp Horsch.(Download )
Das Soester Agrarforum bringt seit Jahren Generationen zusammen. Hier lässt sich eine Besucherin die Ergebnisse einer Seminararbeit von Studierenden erklären. Fotos (2): FH/Pösentrup
Das Soester Agrarforum bringt seit Jahren Generationen zusammen. Hier lässt sich eine Besucherin die Ergebnisse einer Seminararbeit von Studierenden erklären. Fotos (2): FH/Pösentrup(Download )
16.01.2017

Der Klimawandel fordert ein anderes Denken

Soester Agrarforum zum Thema „Klima wandelt Landwirtschaft“

Soest. „Klima wandelt Landwirtschaft“ – dieses Thema sorgte jetzt beim Soester Agrarforum 2017 für eine nahezu voll besetzte Soester Stadthalle. Gemeinsam mit dem Ehemaligenverband Susatia hatte der Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen ein Vortragsprogramm geboten, das durchaus Diskussionsstoff lieferte. Das Agrarforum ist seit jeher ein beliebter Termin für Gäste aus Praxis, Wissenschaft und Politik, um sich über aktuelle Themen zu informieren und neue Impulse für die landwirtschaftliche Praxis zu gewinnen.


Ob in Form von besonderen Wetterereignissen oder durch veränderte Wachstumsbedingungen für landwirtschaftliche Nutzpflanzen – die Veränderung des Klimas sei seit einigen Jahren spürbar, so Prof. Dr. Jürgen Braun als Dekan des Fachbereichs. „Das Thema, ‛Klima wandelt Landwirtschaft‛ ist ganz aktuell, aber auch ‛Landwirtschaft wandelt Klima‛.“, machte er deutlich, dass sich landwirtschaftliche Betriebe als Betroffene, aber auch als Mitverursacher, nicht von der Problematik distanzieren können. Welche Ursachen hat die Klimaveränderung grundsätzlich und welche Bedeutung kommt hier der Landwirtschaft zu? Welche klimarelevanten Wirkungen haben praxisübliche Verfahren der Landbewirtschaftung und welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich aus landtechnischer Sicht? Wie beeinflussen wichtige pflanzenbauliche Entscheidungen die Klimawirkung und wie werden Ertrag und Wirtschaftlichkeit beim Einsatz emissionsmindernder Verfahren beeinflusst? Referenten und Studierende des Master-Studiengangs Agrarwirtschaft haben im Rahmen des Forums versucht, Antworten zu finden.
Dr. Frank Wechsung vom Forschungsbereich 2 – Klimawirkung und Vulnerabilität am Institut für Klimaforschung in Potsdam, vertrat die These, dass der Klimawandel regional durchaus vorteilhafte Effekte erzielen könne. Ein Anstieg des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre habe ähnliche Wirkung auf das Pflanzenwachstum wie eine Düngung. Besonders die deutsche Landwirtschaft, die im weltweiten Vergleich auf Gunststandorten produziere, stehe in der Verantwortung, diese Vorteile im Sinne der Welternährungssicherheit offensiv zu nutzen. Ein kontinuierlicher Anstieg der mittleren Jahrestemperaturen und die Zunahme von Klimaanomalien seien bestätigt, das belegen Aufzeichnungen seit 1965. Dennoch sei die Ursachenforschung für den Klimawandel immer noch ein Indizienprozess: „Der Klimawandel findet statt, doch sein temporäres und regionales Maß ist noch unsicher und Überraschungen sind immer möglich!“. Das erschwere präzise Prognosemodelle in Bezug auf die Klimaentwicklung sowie Ertragsprognosen für die Landwirtschaft. Den Landwirten bescheinigte er, bereits gut gerüstet zu sein: „Die wichtigsten Anpassungsmaßnahmen sind vorhanden: Gute fachliche Praxis mit abgestimmten Fruchtfolgen, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, betriebsinterner Risikoausgleich sowie - je nach Standort -  Investitionen in Zusatz-Beregnungsanlagen bereiten Landwirtschaftsbetriebe sicher auf die Zukunft vor.“
Mit welchen Verfahren der Landbewirtschaftung den Folgen des Klimawandels begegnet werden kann, dazu referierte Philipp Horsch als Geschäftsführer des Landtechnikherstellers Horsch Maschinen GmbH in Schwandorf. Er stellte Möglichkeiten im modernen Ackerbau zur Reduktion des CO2-Eintrages in die Atmosphäre vor. So könne der Energieeinsatz durch sinnvolle Kombinationen und Reduzierungen von Arbeitsschritten deutlich sinken. Weniger Arbeitsgänge könnten den Humusaufbau – und damit die Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre – deutlich fördern, Wasser sparen sowie Bodenschäden und Erosion begrenzen. Eine effizientere Nährstoffversorgung – beispielsweise durch gezielte Platzierung von Dünger bei allen eingreifenden Arbeiten – könnten Ausbringungsverluste reduzieren. Als praktische Beispiele neuer, auf Nachhaltigkeit ausgelegter Pflanzenbauverfahren, nannte er vielfältigere Fruchtfolgen und Konzepte wie Begleitfruchtanbau und Streifenbewirtschaftungsverfahren. Es gelte, Synergieeffekte der beteiligten Kulturen, beispielsweise in Bezug auf die Stickstoff-Nachlieferung und Phosphat- Verfügbarkeit, zu nutzen. „Was für Türen sich öffnen, wenn man beginnt, anders zu denken“, ermutigte er das Publikum zu mehr Experimentierbereitschaft.
Prof. Dr. Bernhard Carl Schäfer stellte die Untersuchungsergebnisse des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Ministerium Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) gemeinsam geförderten Verbundforschungsvorhabens „Optimierter Klimabetrieb“ vor. Dieses verfolgt das Ziel, Anpassungsstrategien zu entwickeln, die sowohl negative Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft als auch deren klimaschädliche Emissionen minimieren. Dazu wurden im Versuchsgut Merklingsen durch den Fachbereich Agrarwirtschaft der FH und in Braunschweig durch die Projektpartner Thünen- Institute und Julius-Kühn-Institut auf der Grundlage von jeweils drei so genannten Modellbetrieben Systemvergleiche durchgeführt. So haben die Projektergebnisse beispielsweise gezeigt, dass Stickstoff bzw. das Stickstoffmanagement das entscheidende Instrument zur Verbesserung von Klimabilanzen ist, das den Einfluss der Bodenbearbeitung deutlich übertrifft. Klimafreundliche Bodenbewirtschaftungssysteme müssten daher Stickstoff möglichst effizient nutzen, so der Professor. Er gab aber auch zu bedenken, dass dem Ziel einer Verbesserung der Stickstoffeffizienz und Verminderung der Stickstoffauswaschung wichtige Bodenziele gegenüberstehen können. Als Beispiel nannte er die Wirtschaftsdünger-Ausbringung, die gemäß Neuregelung der Düngeverordnung (DüngeVO) künftig ins Frühjahr verlagert werden muss. Ohne zusätzliche Maßnahmen könne dies auf wassergesättigten und druckempfindlichen Böden zu Verdichtungen und anderen Bodenschäden führen. Sein Fazit: „Insgesamt stellt die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel eine große Herausforderung dar, die nicht ohne Zielkonflikte zu lösen ist".
In seinem Schlusswort dankte Hathumar Rustige als Vorsitzender der Susatia allen Rednern, ebenso den Master-Studierenden, die Kurzvorträge und eine Poster-Ausstellung zu den Themen „Fütterungsstrategien zur Minimierung klimarelevanter Emissionen aus der Schweinemast“ sowie „Konsequenzen des Klimawandels in Deutschland auf die Milchrinderzucht“ ausgearbeitet hatten. Besonders würdigte er Dekan Prof. Dr. Jürgen Braun. Der 53-Jährige wird nach 15 Jahren die Fachhochschule Südwestfalen Ende Februar verlassen. Er möchte sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen und folgt einer Berufung an die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.