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 Philip Hillebrand bringt mit seinem Wasservorhang Motive wie das Logo der FH scheinbar zum Schweben. Foto: FH/Uhlmann
Philip Hillebrand bringt mit seinem Wasservorhang Motive wie das Logo der FH scheinbar zum Schweben. Foto: FH/Uhlmann(Download )
23.01.2017

Verblüffende Effekte aus Luft und Wasser

Vielseitiger Maschinenbau: FH-Student baut automatisierten Wasservorhang

Soest. Größte Zufriedenheit stellt sich bei Ingenieuren ein, wenn das technische Produkt, welches sie konstruiert haben, schon beim ersten Knopfdruck funktioniert. So geschehen jetzt bei Philip Hillebrand. Er ist zwar noch Student an der Fachhochschule Südwestfalen, dennoch war die Freude über die gelungene Premiere nicht weniger groß: Im Rahmen einer Projektarbeit hat er einen automatisierten Wasservorhang entwickelt und gebaut, der durch An- und Abschalten von Ventilen beliebige Muster aus Wasser erzeugen kann.

Die Begeisterung für Physik und naturwissenschaftliche Phänomene, das ist es wohl, was Philip Hillebrand antreibt. Vor Beginn seines Maschinenbau-Studiums in Soest hat der gebürtige Briloner eine Ausbildung zum physikalisch-technischen Assistenten am Berufskolleg Olsberg absolviert. Derzeit schreibt der 22-Jährige an seiner Bachelor-Arbeit zum Thema „Validierung einer Inline-Partikelmesssonde zur Ermittlung der Partikelgrößenverteilung von feuchtem Granulat“. Doch noch im Spätsommer hat ihm ein ganz anderes Projekt Kopfzerbrechen bereitet: ein automatisierter Wasservorhang. Bei diesem fließt im Normalzustand Wasser durch  25 einzelne Magnetventile, sodass sich ein Vorhang aus feinen Wasserstrahlen bildet. Auf Knopfdruck werden, je nach gewünschtem Muster, sehr schnell einzelne Ventile geöffnet oder geschlossen. So lassen sich verschiedenste Dessins, wie beispielsweise das Logo der Fachhochschule Südwestfalen, aus Wasser visualisieren. Die Steuerung übernimmt dabei ein Industrie-PC, bzw. eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). Der Clou ist, dass außen an der Anlage keine Rohrleitungen oder Kabelbäume sichtbar sind. Stattdessen wurden diese alle im Rahmen des Wasservorhangs verbaut. Auf die Verkleidung von Bauteilen wurde überwiegend verzichtet, um dem Betrachter „Technik zum Anfassen“ bieten zu können. „In der Eventtechnik gibt es bereits ähnliche Wasservorhänge, nur viel größer. Wir wollten eine kleinere, mobile Variante bauen, die beispielsweise bei Messen eingesetzt werden kann.“, erinnert sich Hillebrand, wie er die Idee gemeinsam mit den Mitarbeitern aus dem Labor für Strömungsmechanik und Verfahrenstechnik, unter der Federführung von Laborleiter Prof. Dr. Martin Stumpe, entwickelt hat.

Zunächst arbeitete sich der Maschinenbau-Student in die Bereiche Elektrotechnik, Programmierung, Konstruktion und Fertigung ein. Die Aufgabe stellte sich rasch als recht knifflig heraus. Neben scheinbar profanen Fragen, wie, „wie groß muss der Wasserauffangbehälter sein?“, beschäftigten das Team auch Probleme, die im Vorfeld nicht einzuschätzen waren. Zum Beispiel war unklar, ob die Steuerung die Ventile wirklich schnell genug schalten würde oder ob das dargestellte Motiv deutlich zu erkennen ist. Ursprünglich sollte dieses aus „Luft“ bzw. unterbrochenem Wasserfluss bestehen und sich von einem Vorhang aus Wasser abheben. Da das Motiv bei dieser Art der Darstellung aber schlecht zu erkennen war, entschied sich der angehende Absolvent kurzerhand für eine Umkehrung des Prinzips. Die Beharrlichkeit hat sich gelohnt: „Der finale Wasservorhang hat beim ersten Versuch direkt und auch nach längerem Betrieb noch einwandfrei funktioniert“, freut sich der Student. Für ihn ist das Potenzial der Anlage noch nicht ausgereizt. Da jedes der 25 Ventile einzeln angesteuert werden kann, ist es möglich, noch viel komplexere Motive darzustellen. Ebenso hält er den Anschluss einer Tastatur für denkbar. Das Geschriebene könne so direkt sichtbar gemacht werden. Der Wasservorhang bietet also weitere attraktive Ansätze und Projektthemen für nachfolgende Studierende. Der 22-Jährige schließt eine spätere berufliche Karriere im Bereich Eventtechnik nicht gänzlich aus, jetzt will er sich aber erst einmal auf seinen Bachelor- Abschluss konzentrieren.