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(v.l.n.r.) Bennet Buchmüller und Prof. Dr. Mark Fiolka mit der Simulation des neuen Anschubbügels
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20.02.2017

Juniorenweltmeister Bennet Buchmüller auf Erfolgskurs

Student der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn geht bei der Bob-Weltmeisterschaft am Königssee an den Start und entwickelt neuen Anschubbügel aus Kohlefaser

Iserlohn. Zurzeit hat Bennet Buchmüller wie man so schön sagt, einen „guten Lauf“ in seinem Leben. Gestern beendete er mit Erfolg sein Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn, im Januar gewann er in Winterberg die Juniorenweltmeisterschaft im Vierer-Bob und jetzt ist vielleicht auch eine Medaille bei der Bob-Weltmeisterschaft am 25./26. Februar am bayrischen Königssee drin.

„Ich hänge meine Erwartungen aber nicht allzu hoch“ gibt sich Buchmüller bescheiden. „Es ist mein erstes Rennen bei einer Weltmeisterschaft, da steht für mich die Erfahrung an erster Stelle, wie meine Kollegen und ich uns dort unter all den anderen Teams platzieren. Aber ich werde mein Bestes geben“, verspricht er.

Vor fünf Jahren hat der 24-Jährige den Bobsport für sich entdeckt und fährt seit etwa vier Jahren als Pilot in seinem Heimatverein BSC Winterberg im Vierer- und Zweier-Bob. Vor zwei Jahren hatte er seinen ersten Europa-Cup Einsatz und in diesem Jahr erreichte er mit dem ersten Platz im Vierer-Bob und dem dritten Platz im Zweier-Bob bei der Juniorenweltmeisterschaft die ersten Top-Platzierungen. Dies sicherte ihm auch die Eintrittskarte zur kommenden Weltmeisterschaft in Bayern und vielleicht auch demnächst zu den Olympischen Winterspielen. „Für uns Junioren ist es schon wichtig, wie wir abschneiden, um ins deutsche Bob-Olympia Team nachrücken zu können“, berichtet Buchmüller, der vom Bundestrainer René Spies trainiert wird.

Bei so viel sportlichem Engagement, lag es nahe, sich auch in der Bachelorarbeit mit einem sportlichen Thema zu beschäftigen. Buchmüller, der in Iserlohn Produktentwicklung/Konstruktion studiert hat, entschied sich für die Entwicklung eines gewichtsoptimierten Anschubbügels aus Kohlefaserverbundwerkstoff für den Bobsport. Der Anschubbügel, mit dem der Bobpilot den Bob anschiebt, wird bisher aus Aluminium gefertigt.  Eine neue Leichtbauvariante des Aluminiumbügels und eine neue Anbindung hat Buchmüller entwickelt, die sogar jetzt schon eingesetzt wird. Die eigentliche Innovation seiner Arbeit liegt aber im Ersatz der Werkstoffe. Der von ihm entwickelte neue Anschubbügel aus Kohlefaserverbundwerkstoff ist bei gleicher Steifigkeit wesentlich leichter als die Aluminiumvariante. „Das Gesamtgewicht des Bobs ist festgelegt und darf nicht über- oder unterschritten werden“, erklärt FH-Professor Dr. Mark Fiolka, der die Arbeit betreut hat und sich seit vielen Jahren mit der Auslegung von Kohlefaserverbundwerkstoffen beschäftigt. “Das was wir an Gewicht beim Bügel einsparen können, kann nun an anderer Stelle des Bobs eingesetzt werden, um die Fahreigenschaft zu verbessern“. Kooperationspartner bei der Bachelorarbeit war das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin, das Geräte für die deutschen Olympiateams entwickelt. Bislang existiert von dem neuen Anschubbügel zwar nur eine theoretische  Auslegung am Rechner, Prof. Fiolka und Bennet Buchmüller sehen aber gute Chancen, dass bereits bei den Bobrennen der nächsten Olympiade die deutschen Bobs mit dem Anschubbügel „designed and developed in Iserlohn“ an den Start gehen. „ Mit viel Glück kann ich dann sogar den Bob mit meinem eigenen Bügel anschrieben“, hofft Buchmüller.

Bis dahin stehen aber noch viele Trainingseinheiten an. Seit letztem Jahr ist Bennet Buchmüller als Sportsoldat bei der Bundeswehr eingestellt und wird demnächst in eine neue Trainingsgruppe nach Mainz wechseln. Parallel dazu möchte er noch ein Masterstudium absolvieren. „Ob ich das aber alles zeitlich hinbekomme, weiß ich noch nicht“, sagt Buchmüller auch in Hinblick auf die nicht ganz einfache Zeit, in der er Sporttraining und Studienabschluss unter einen Hut bringen musste. „Aber das haben wir ja gemeinsam bei der Bachelorarbeit gut geschafft“, berichtet Prof. Fiolka, „wir haben uns dann unterwegs  auf dem halben Weg zwischen Hochschule und Trainingscamp getroffen, um die Bachelorarbeit zu besprechen“.