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Pierre Voigtländer (links) ist Technologiescout an der Forschungsstelle des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid und zudem Student an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen. Udo Hinzpeter ist sein direkter Vorgesetzter.
Pierre Voigtländer (links) ist Technologiescout an der Forschungsstelle des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid und zudem Student an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen. Udo Hinzpeter ist sein direkter Vorgesetzter.(Download )
03.03.2017

Tagsüber Technologiescout, abends Technische Betriebswirtschaft

Pierre Voigtländer hat schon viel erreicht, möchte mit einem Verbundstudium an der Fachhochschule Südwestfalen aber den nächsten Schritt machen

Hagen/Lüdenscheid. Irgendwie passt dieser Mann nicht nach Las Vegas. Wer auch nur fünf Minuten mit ihm verbracht, fünf Sätze mit ihm gewechselt hat, käme kaum mehr auf die Idee, Pierre Voigtländer mit Casinokönigen oder Partylöwen in eine Schublade zu stecken. Trotzdem fliegt Voigtländer auch nach Vegas. Und während andere dort bis in die Nacht hoch pokern, sitzt er nach einem langen Messetag in seinem Hotelzimmer. Und lernt fürs Studium. Sein Zweites.

Schon als Jugendlicher entdeckt Pierre Voigtländer seine Leidenschaft für Physik. Beide, Voigtländer und die Physik, wachsen schnell immer enger zusammen. Abitur, Physikstudium, auch mit der Promotion erweist der damals 29-Jährige seiner Lieblingswissenschaft die Ehre. Doch dann wendet sich Voigtländer plötzlich ab. Genug Physik. Genug Wissenschaft. „Ich hatte das Gefühl, mehr Druck zu brauchen“, sagt er im Rückblick. Er wollte in die Wirtschaft und findet eine Stellenanzeige des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid. Das suchte für seine Forschungsstelle einen Technologiescout. Und findet Pierre Voigtländer.

Seit fast drei Jahren arbeitet Pierre Voigtländer nun in dieser Funktion. Sein Arbeitsauftrag besteht im Grunde darin, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Das klingt vielleicht simpel, zwischen diesen Zeilen entdeckt Voigtländer aber genau das, was ihn antreibt. Aktuell recherchiert er in einem Verbundprojekt für sechs Unternehmen aus Baden-Württemberg Trends und Technologien. Dazu besucht er weltweit für seine Auftraggeber relevante Messen und Konferenzen und kommt im Idealfall mit einer Menge Inspirationen zurück.

Für die Unternehmen ist Pierre Voigtländer also so etwas wie der direkte Zugriff auf den Weltmarkt der Informationen und Innovationen. Und für Voigtländer ist das derzeit nichts anderes als ein Traumjob. „Ich bin fasziniert von Wissen, möchte immer dazulernen. Mein Job ermöglicht es mir, ohne Scheuklappen über den Tellerrand schauen“, schwärmt der 33-Jährige.

Aber warum ausgerechnet Pierre Voigtländer? Warum ausgerechnet ein Physiker?  „Abgesehen davon, dass er uns mit seiner Motivation sehr überzeugt hat, hat er als Physiker eine breite, grundlagenorientierte wissenschaftliche Ausbildung“, sagt Udo Hinzpeter, Geschäftsführer der Forschungsstelle des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid und damit Pierre Voigtländers direkter Vorgesetzter. Und überhaupt lässt Hinzpeter keinen Zweifel daran, mit Pierre Voigtländer eine Idealbesetzung gefunden zu haben: „Er ist jung, geht unbefangen und offen an die Aufgaben heran. Das ist eine wichtige Eigenschaft, wenn es darum geht, gerade jene Sachen zu entdecken, die etwas weiter links oder rechts des üblichen Blickfeldes liegen.“

Und wenn Pierre Voigtländer jetzt nicht Pierre Voigtländer wäre, hätte diese allgemeine Zufriedenheit doch glatt als Bremsklotz für weitere berufliche Initiativen wirken können. Aber: Voigtländer hat ein weiteres Studium begonnen. Neben dem Job studiert er im Master-Verbundstudiengang Technische Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen. Das ist zwar eine Doppelbelastung, für Voigtländer aber eine, die sich auszahlen wird. „Ich möchte wachsen. Und wenn ich irgendwann Budget- oder Projektverantwortung übernehmen will, brauche ich dazu betriebswirtschaftliche Kenntnisse“, ist er sicher.

Überaus hilfreich ist dabei die Rückendeckung seines Arbeitgebers. „Wir stehen als Arbeitgeber in der Region für Aus- und Weiterbildung und unterstützen unsere Mitarbeiter, wo es geht“, erklärt Udo Hinzpeter. In Prüfungsphasen hat Pierre Voigtländer sogar Sonderurlaub bekommen. Aber das geht natürlich nicht immer. Und deshalb kann es durchaus vorkommen, dass Pierre Voigtländer nach einem langen Messetag noch für sein Studium lernt. Im Hotelzimmer. In Las Vegas. Und dann passt doch alles irgendwie zusammen.