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Lisa Berendes, Thomas Rathmer, Nina Sehnke, Linda Hahn und Prof. Dr. Thomas Weyer freuen sich über spontan zusammen getragene Hilfsgüter für Mpumalanga (Südafrika). Foto: Hinrichs/FH SWF
Lisa Berendes, Thomas Rathmer, Nina Sehnke, Linda Hahn und Prof. Dr. Thomas Weyer freuen sich über spontan zusammen getragene Hilfsgüter für Mpumalanga (Südafrika). Foto: Hinrichs/FH SWF (Download )
Prof. Dr. Thomas Weyer bespricht mit den Soester Studierenden Linda Hahn, Nina Sehnke, Lisa Berendes und Thomas Rathmer den Arbeitseinsatz in der südafrikanischen Region Mpumalanga. Foto: Hinrichs/FH SWF
Prof. Dr. Thomas Weyer bespricht mit den Soester Studierenden Linda Hahn, Nina Sehnke, Lisa Berendes und Thomas Rathmer den Arbeitseinsatz in der südafrikanischen Region Mpumalanga. Foto: Hinrichs/FH SWF (Download )
17.07.2012

Studierende leisten praktische Entwicklungshilfe

Urbanisierung, Wassermanagement, Gemüseanbau und Bildung: Pilotprojekt in Südafrika legt Grundstein für Hilfe zur Selbsthilfe

Soest. Für drei Monate fliegen vier Soester Studierende des Fachbereichs Agrarwirtschaft in die Region Mpumalanga in Südafrika, um an einem humanitären Projekt mitzuarbeiten. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der ländlichen Entwicklung. Ganz praktisch wollen die jungen Leute Savannenland urbar machen und gleichzeitig Kinder und Erwachsene unterrichten.

Waste-Water-Management heißt das Projekt, das Prof. Dr. Thomas Weyer initiiert und koordiniert. Der Experte für Bodenkunde an der Fachhochschule Südwestfalen möchte den dortigen Partner, die Organisation "children in Distress" nachhaltig unterstützen. Weyer arbeitet seit sieben Jahren im Mpumalanga Forum NRW mit, in dem verschiedene Organisationen die politische Partnerschaft des Bundeslandes NRW und dem südafrikanischen Provinz mit Leben füllen.

"Children in Distress" ist eine örtliche Hilfsorganisation, die AIDS-Waisen und vernachlässigten Kindern und Jugendlichen hilft. Gerade in ländlichen Regionen wie Mpumalanga grassiert die AIDS-Seuche; zu lange wurde die HIV-Gefahr von offizieller Seite ignoriert oder gar bestritten. Nach dem Tod unzähliger Erwachsener sind vielerorts nur noch alte Menschen und Kinder übrig. Fast fehlt eine komplette Generation.

"Unser Projekt setzt an mehreren Stellen an", erläutert Weyer das Vorhaben: "Zunächst möchten wir Hilfestellung bei der Anlage von Gemüsegärten zur Selbstversorgung geben und damit ein Konzept zur nachhaltigen Gemüseproduktion in einem Trockengebiet entwickeln." Neben Urbarmachen von Savannenland spielt dabei die Wasserversorgung eine große Rolle.

Die Studierenden habe sich sehr spontan zu ihrem Einsatz entschieden: "Kurz vor Weihnachten stellte uns Prof. Weyer das Projekt vor", berichtet Lisa Berendes aus dem vierten Semester. "Thomas Rathmer und ich sind dann gleich nach der Stunde direkt nach vorne gegangen und haben uns angemeldet", erzählt die 22-jährige. Im zweiten Semester lief es ganz ähnlich: Linda Hahn (23) und Nina Sehnke (27) hatten eigentlich konventioneller Auslandsziele im Visier, aber als sie im Mai von dem Projekt hörten, warfen sie ihre Planungen spontan über den Haufen.

Mit der Zeit reifte und festigte sich bei den angehenden Agraringenieur(inn)en der Entschluss und inzwischen haben sie sich umfassend vorbereitet: Impfungen, Papiere, Reiseapotheke sind besorgt und fachliche und landestypische Informationen zusammengetragen. "Ich habe auch in einem Atlas geblättert", schmunzelt Thomas Rathmer (22) und ergänzt: "Derzeit steht auf dem Areal mannshohes, holziges Tambukigras: Der Boden wurde noch nie für die Land-wirtschaft genutzt. Zunächst werden wir roden und das organische Material kompostieren", verweist der gelernte Landwirt auf die Arbeitsmethoden der Gruppe.

Der Boden soll nicht mit Pflug bearbeitet, sondern mit Kompost geschützt und gedüngt werden. Bis zu sieben Hektar stehen dem Projekt für Gemüsegärten zur Verfügung. "Davon werden wir zunächst nur einige Parzellen bewirtschaften und mit den Erfahrungen einen Plan für das weitere Vorgehen entwerfen", blickt die gelernten Pferdewirtin Nina Sehnke nach vorn.

"Als erstes werden wir von einheimischen Fachleuten lernen", betont Linda Hahn und berichtet von den ehrenamtlichen Frauen, die bereits an anderen Orten Gemüsegärten für "Children in Distress" bewirtschaften. "Daneben steht uns die staatliche Agrarforschungsorganisation Südafrikas ARC beratend zur Seite", betont Weyer, der eine Exkursion nach Südafrika für konkrete Absprachen zu diesem Projekt nutzte. Anbaumethoden und Sorten gilt es vor Ort zu begutachten.

Existenziell für die Urbarmachung des Geländes ist die Wasserversorgung. "Derzeit ist Winter in Südafrika. Die dortigen Temperaturen entsprechen den derzeitigen bei uns. Aber im krassen Gegensatz zu den hiesigen Regengüssen ist es in Mpumalanga knochentrocken. "Dafür fallen von Oktober bis März bis zu 2.000 mm Niederschlag auf den Boden." Der grobe Sandboden kann das Wasser jedoch nicht halten und ohne Vorratshaltung sickert das kostbare Nass einfach weg.
Wassermanagement ist der dritte große Baustein des Soester Projektes.

Neben ihren agrarpraktischen Tätigkeiten wollen die vier Soester Studierenden auch Wissen weitergeben: "Zunächst steht Englisch auf dem Lehrplan. Viele Kinder sprechen fast nur Afrikaans", legt Linda Hahn dar, die bereits viele andere Länder kennengelernt hat. Später soll auch das angepasste agrarische Wissen weiter¬gegeben werden. "Schwarze durften fast hundert Jahre kein Land besitzen. Nun, nach Ende der Apartheid, erhalten sie das Land zurück und können nichts damit anfangen", schildert Weyer die bittere Realität. "Eine wichtige Botschaft an die Kinder und Jugendlichen lautet daher: "Ich kann etwas auf die Beine stellen" - und auch das wollen wir mit der Anlage der Gemüsegärten zeigen."

Angesteckt vom Enthusiasmus der Studierenden gab es aus dem Umfeld des Fachbereichs Agrarwirtschaft spontane Sach- und Geldspenden. "Wir müssen Wassertanks und Saatgut kaufen", lädt Weyer weitere Spendenwillige ein. "Zudem brauchen wir ein Auto, um die weiten Strecken zurücklegen zu können." Die Fachhochschule Südwestfalen hat ein Spendenkonto eingerichtet. Spender bekommen eine Spendenquittung ausgestellt.


Spendenkonto

Fachhochschule Südwestfalen
Konto Nr. 161 752
BLZ 445 500 45
Sparkasse Iserlohn
Verwendungszweck: 990906099/590010000, Stichwort Mpumalanga

Kontakt
Fachhochschule Südwestfalen
Fachbereich Agrarwirtschaft
Prof. Dr. Thomas Weyer
Lübecker Ring 2, 59494 Soest
FB Agrarwirtschaft

Hintergrund: Artikel zur Südafrika-Exkursion des Fachbereichs Agrarwirtschaft:
hier

Children in Distress: Hilfe für AIDS-Waisen in Südafrika

AIDS-Waisen und unterversorgten Kindern hilft die Hilfsorganisation „Children in Distress“: In fünf ländlichen Siedlungen der Provinz Mpumalanga kümmern sich 250 Ehrenamtliche ("Caregivers") um rund 470 Kinder. 750 Menschen werden täglich mit Lebensmitteln versorgt, im Monat geben die Ehrenamtlichen an den fünf Versorgungsstationen rund 15.000 Essen aus. Daneben kümmern sich die Helfer auch um Hausaufgabenbetreuung, Spiel und Sport. Der südafrikanische Wohltätigkeitsverein wurde 1989 vom Pfarrer Tony Rankin gegründet und ist amtlich registriert (NGO Nr. 088-246).

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