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23.07.2012

Fröbels Pädagogik vorgestellt

Prof. Höltershinken stellte Klassiker der Frühpädagogik vor

Soest. In einem Gastvortrag stellte Prof. (em.) Dr. phil. Dieter Höltershinken mit Friedrich Fröbel einen Klassiker der Pädagogik der frühen Kindheit vor. Der Vortrag richtete sich insbesondere an die Soester Studierenden des Verbundstudiengangs Frühpädagogik, die sich auch mit ausgewählten klassischen und modernen Ansätzen der Frühpädagogik auseinander setzen.

Dass Fröbels Pädagogik in der Themenreihe des Sommersemesters 2012 ein besonderer Höhepunkt wurde, dafür sorgte Dr. Dieter Höltershinken, emeritierter Professor der TU Dortmund, der als Gastreferent eingeladen war.

Unter dem Titel "Friedrich Fröbel: Leben und Werk" gab Dieter Höltershinken einen vertieften Einblick in die Biographie Friedrich Fröbels und seine Pädagogik. Dabei wurden nicht nur die wissenschaftlichen Fakten dargestellt, sondern auch interessante Kuriositäten aufgedeckt: Wer hätte gedacht, dass schon Friedrich Fröbel seinerzeit mit der Kindergartenidee an die Börse gegangen ist?

Denn am Anfang der Geschichte des Kindergartens ging es noch nicht um eine Einrichtung, wie wir sie heute kennen. Dieter Höltershinken verdeutlichte, dass Fröbels Ziel anfangs Produktion und Versand von Spielmaterialien war und erst dieses gescheiterte Unternehmen ihn veranlasste, einen Lehrkindergarten zur Ausbildung von Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen einzurichten, die den Auftrag hatten, die Erziehung in den Familien zu reformieren. Durch die Ausgabe von Aktien zu 10 Reichstalern sollte das Ganze finanziert werden, doch da drei Jahre nach der Eröffnung 1840 nur 37 Aktien bar eingezahlt worden sind, ging auch diese Rechnung nicht auf.

Unternehmerisches Handeln im Feld der öffentlichen Kleinkindererziehung hat also eine lange Tradition. Die Verbreitung der Spielmaterialien und der Kindergärten gelang schließlich durch die Gründung von Vereinen, die u. a. durch Mitgliederbeiträge und Sammlungen das Fröbelsche Werk unterstützten.

Für die Studierenden war es ein besonderer Gewinn, Informationen aus der historisch-systematischen Forschung "aus erster Hand44" zu erhalten; zählt doch Dieter Höltershinken zu den großen Wissenschaftlern dieser Disziplin, die er schon kurz nach seiner Promotion 1970 als seinen Forschungsschwerpunkt entdeckte. Mit über 180 wissenschaftlichen Veröffentlichungen gilt der emeritierte Professor in der Fachwelt als einer der bundesdeutschen Pioniere der Frühpädagogik.

Zuletzt veröffentlichte Höltershinken zwei Bücher über das PEKIP (Prager-Eltern-Kind-Programm) und über den Pädagogen Wilhelm Middendorff, einem Mitarbeiter Friedrich Fröbels. Aktuell arbeitet er an einem Buch "Über die Nichtplanbarkeit der Erziehung und Bildung". Dabei geht es u. a. um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Situationsansatz, dem kindlichen Spiel in der Vorschulerziehung und den Grenzen des "selbstentdeckenden Lernens".

Der Verbundstudiengang Frühpädagogik an der Fachhochschule Südwestfalen richtet sich an ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Im Wintersemester startet der zweite Jahrgang des berufsbegleitenden Studiengangs. Im kommenden Jahr ist ein grundständiger Präsenzstudiengang vorgesehen.

Wissenschaftliches Zentrum Frühpädagogik
Verbundstudiengang Frühpädagogik