Recherche

Bilder

Im Audimax der Soester Fachhochschule wurde das Sprachförderkonzept präsentiert. Foto: Pösentrup | FH SWF
Im Audimax der Soester Fachhochschule wurde das Sprachförderkonzept präsentiert. Foto: Pösentrup | FH SWF (Download )
29.08.2014

„Mehr Personal allein reicht nicht aus“

Teilnehmer des Projektes zur Sprachförderung im Kreis Soest kommen zu dem Schluss: In Kitas ist mehr Qualitätsmanagement gefragt

Soest. 18 Erzieherinnen aus dem Kreis Soest haben an dem Projekt zur Entwicklung eines gemeinsamen Sprachförderkonzepts für Kindertageseinrichtungen teilgenommen. Unterstützt wurden sie dabei von Wissenschaftlerinnen der TU Dortmund und der Fachhochschule Südwestfalen. Zum Abschluss erhielten sie nicht nur ihre Zertifikate, sondern auch jede Menge kritischer Denkanstöße für ihre pädagogische Arbeit.

Zweieinhalb Jahre lang haben sich die Erzieherinnen zu Themen wie Wortschatz oder Erzählkompetenz fortgebildet. Zusätzlich erhielt jede Teilnehmerin ein Coaching-Gespräch mit Verbesserungsvorschlägen für die pädagogische Arbeit in der Kita. Die Ergebnisse aus Weiterbildung und Praxisanalyse haben die Projektteilnehmerinnen in einem gut 40 Seiten starken „Sprachförderkonzept“ formuliert. „Praxis und Wissenschaft haben sich in Augenhöhe auf den Weg gemacht“, lobt Professorin Dr. Lilian Fried von der TU Dortmund die fruchtbare Zusammenarbeit. Ein so noch nie dagewesener Ansatz: Die Wissenschaft habe die neuesten Ansichten zur kompetenten Sprachförderung geliefert, die Erzieherinnen dann das Wissen in der Praxis ausprobiert. Nicht immer hätten die Anwenderinnen die Theorie als sinnvoll empfunden und umgesetzt. „Das war ein richtiges Abenteuer. Aber so kann man zu Konzepten gekommen, die in der Praxis landen“, freut sich die Professorin über das neu entwickelte Standardwerk, was so nun auch von den Kitas mitgetragen wird.

„Bildungschancen hängen stark von der Sprachkompetenz ab“, so die Wissenschaftlerin weiter. Sie fordert, Erzählkompetenz bereits im Vorschulalter mehr zu fördern und den Focus dabei besonders auf Kinder aus sozial schwachen Familien zu legen. Nur möglichst viel zu sprechen, reiche dabei aber nicht aus. Vielmehr müssten die Erziehenden im qualifizierten Gespräch mehr fordern.

Sprachförderung dürfe nicht nebenbei laufen, sondern müsse professionell geplant werden, so Professorin Eva Briedigkeit, Leiterin des Wissenschaftlichen Zentrums Frühpädagogik (WZF) an der Fachhochschule Südwestfalen. Auf welcher Entwicklungsstufe steht das Kind, was ist das Ziel der Sprachförderung oder welche Materialien werden benötigt, das seien dabei nur einige Fragen. Sie weiß um die Belastung der pädagogischen Fachkräfte und die permanente Zeitnot. Dennoch: „Mehr Personal oder Geld in die Einrichtungen zu bringen, das allein hilft nicht!“ Ein hohes Maß an Management- und Prozessqualität sei gefragt. Im Studium Frühpädagogik seien diese Themen bereits fest im Lehrplan verankert. Das Sprachförderkonzept soll als Leitfaden verstanden werden und auch den pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen erste Ideen für die Praxis liefern.

www.fh-swf.de/wzf  |  www.kreis-soest.de

Bildunterschrift: Im Audimax der Soester Fachhochschule präsentierten Irmgard Soldat (Stellvertretende Landrätin Kreis Soest), Prof. Eva Briedigkeit (Leiterin Wiss. Zentrum Frühpädagogik, FH SWF), Gudrun Hengst (Leiterin Kreisjugendamt Soest), Prof. Dr. Lilian Fried (TU Dortmund), Diana Olthuis (Fachberatung für Kindertageseinrichtungen Kreis Soest), Angie Lämmerhirt (TU Dortmund) und Hans Ulrich Hensche (Vizepräsident FH SWF Standort Soest) das Sprachförderkonzept. Foto: Pösentrup | FH SWF