Angebot des Fachbereichs E & I: Studium Flexibel

Studium Flexibel: Aus zwei mach' vier

Die meisten Studierenden in den so genannten MINT- Fächern schaffen ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit. Sie benötigen mehr Zeit. Sei es, weil der Lebensunterhalt durch Jobs gesichert werden muss, Prüfungen nicht im ersten Anlauf geschafft werden oder weil aufgrund unterschiedlicher schulischer Vorbildungen mehr Zeit für die Aufarbeitung von Wissensdefiziten in bestimmten Fächern benötigt wird. Auch psychische und körperliche Beeinträchtigungen können die Studienzeit verlängern. Gerade in den Ingenieurwissenschaften werfen zahlreiche Studierende schon kurz nach Studienbeginn das Handtuch und brechen ihr Studium ab.

Der Hagener Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik möchte hier Abhilfe schaffen durch ein neues Modell der Studienorganisation und der Begleitung während des Studiums. Die Prorektorin Prof. Dr. Marie-Theres Roeckerath-Ries erläutert das Programm „Studium Flexibel“, das für alle Bachelor-Studiengänge des Fachbereichs gilt: „Wir strecken die Studieninhalte der ersten beiden Semester auf vier Semester und haben einen alternativen Studienverlaufsplan entwickelt. Zusätzlich unterstützen wir die Studierenden, die an diesem Modell teilnehmen, durch verpflichtende Gespräche zur Klärung der persönlichen Studiensituation sowie durch ebenfalls verpflichtende Zusatztutorien in Mathematik und Physik oder Programmierung. Für die Beratungsgespräche steht Frau Katrin Nigge als zuständige Projektmitarbeiterin zur Verfügung. Die Zusatztutorien werden von speziell ausgebildeten Lehrkräften für besondere Aufgaben durchgeführt“.

Mit „Studium Flexibel“ möchte der Fachbereich in seinen Studiengängen die Abbrecher- und Durchfallquoten sowie die durchschnittliche Studiendauer reduzieren und gleichzeitig das selbstverantwortliche Handeln der Studienanfänger fördern. „Damit holen wir die Studierenden dort ab, wo sie stehen“, ist sich die Prorektorin sicher, „wir fördern mit diesem Programm Studierende aus unterschiedlichen sozialen Milieus, nehmen Rücksicht auf die divergierenden Schul-, Ausbildungs- und Berufsbiografien und auch Studierende mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen werden davon profitieren. Damit schaffen wir die Möglichkeit, in der durchschnittlichen Studiendauer erfolgreich zu studieren“.

Das neue Studienprogramm ist im WS 2012/13 mit insgesamt 26 Studierenden gestartet. Seitdem entscheiden sich jedes Jahr zahlreiche Studierende für das Programm. Die Teilnahme ist für die Studierenden durch einen Verpflichtungsvertrag verbindlich. Häufig werden auch die Eltern bei der Entscheidung für die Teilnahme mit einbezogen. Die bisherigen Rückmeldungen sind durchweg positiv. „Ohne das „Studium Flexibel“ hätte ich mein Studium schon abgebrochen“ ist häufig zu hören. Die Studierenden haben nach eigener Aussage damit die dringend notwendige Zeit für die Aufarbeitung von Wissenslücken. Studium und Prüfungsvorbereitung werden planbarer und sie sind Mitglieder einer geschlossenen Gruppe, was eine leichtere Vernetzung und stärkere Anbindung an die Hochschule begünstigt.

Neben dem Studium Flexibel bietet der Fachbereich E&I seit dem Sommersemester 2014 ein Lernzentrum an. Hier erhalten Studierende die Möglichkeit zum gemeinsamen oder individuellen Lernen. Für alle Fragestellungen der Grundlagenmodule steht ein Ansprechpartner zur Verfügung. Besonders ermutigt werden sollen Studierende des 1. und 2. Semesters, um den schwierigen Übergang von der Schule zur Hochschule zu meistern. Natürlich haben auch Studierende höherer Semester die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mathematische Sachverhalte zu diskutieren.