Fachbereich Informatik und Naturwissenschaften Iserlohn

Die Dekanin im Interview

Seit dem 1. Oktober 2015 ist Professor Dr. Eva Eisenbarth Dekanin des Iserlohner Fachbereichs Informatik und Naturwissenschaften. Was sie jungen Frauen rät, die in die Forschung gehen wollen und worauf sie und ihr Dekanant sich freuen, lesen Sie im folgenden Interview.

1. Wie lange sind Sie bereits an der Fachhochschule Südwestfalen?

Ich bin im Jahr 2007 zur Fachhochschule Südwestfalen gekommen. Es wurde jemand für eine Lehrtätigkeit gesucht, der Kompetenzen in Werkstoffwissenschaften und Zellbiologie hat. Ich habe mich intensiv mit Nano- und Biotechnologie beschäftigt sowie dem Tissue-Engineering und brachte breit gefächerte, aber zugleich miteinander verwandte Kenntnisse mit. Ausschlaggebender Punkt nach Iserlohn zu gehen, war für mich das Kollegenumfeld. Hier herrscht ein freundlicher kollegialer Zusammenhalt und es gibt wenig Konkurrenzdenken. Das hat mich überzeugt.

2. Welche Fächer unterrichten Sie?

Ich unterrichte die Fächer Bionanotechnologie, Human- und Zellbiologie, Biomaterialien, Nanomedizin, Oberflächenanalytik und Biokompatibilitätsprüfung und Funktionswerkstoffe.

3. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Dekanin?

Ich bin für die Lehre im Fachbereich Informatik und Naturwissenschaften verantwortlich. Ich organisiere die Ressourcen, von den Dozenten über die finanziellen Mittel bis hin zu den räumlichen Voraussetzungen. Außerdem bin ich als Dekanin daran beteiligt, die Studierendenzahlen durch die Einführung von neuen Studiengängen und durch Kooperationen mit Schulen und Berufsakademien zu erhöhen.

4. Welche Herausforderungen warten auf Sie?

Wir stehen im Fachbereich I+N vor Veränderungen. Verbundstudiengänge, die parallel zu Ausbildung oder Beruf aufgenommen werden, entwickeln sich zu gefragten Studienmodellen. In unserem Fachbereich sind das seit letztem Jahr „Angewandte Informatik“ und zukünftig auch der Studiengang „Life-Science-Engineering“. Wir sind stolz, dass wir mit unserer hervorragenden Infrastruktur zeitgemäße Studiengänge anbieten können, die unsere Absolventen mit ihren Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt begehrt machen. Andererseits sind die Laborphasen eine logistische Herausforderung, denn die Labore müssen samstags für die Verbund-Studierenden vorbereitet und umgebaut werden. Zudem reduziert sich der persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden auf einen Tag in der Woche, was eine noch intensivere Betreuung nötig macht. Trotzdem freuen mein Dekanat und ich uns auf die Herausforderung, in unserem Fachbereich „Verbund“ als gleichwertiges Studienmodell zum klassischen Präsenzstudium zu etablieren.

5. Was gefällt Ihnen an der Fachhochschule Südwestfalen?

Es ist schön, dass man zwischen den verschiedenen Fachbereichen einen guten Zusammenhalt hat und man sich auch bei Auseinandersetzungen einigt. Außerdem finde ich es gut, dass wir keine „Massenhochschule“ sind. Der große Vorteil hier ist, dass wir uns den Studierenden persönlich annehmen können. Wer hier studiert, profitiert von einer guten Anleitung durch den Stundenplan und das persönliche Verhältnis zu den Dozenten. Die Studierenden haben an allen Standorten kurze Wege und eine gute Infrastruktur. Alles ist zentral erreichbar. Zudem ist der Anteil an Praktika und Projekten mit Unternehmen deutlich höher als an anderen Hochschulen. Das ist ein Vorteil.

6. Welche Tipps können Sie Studierenden für den Einstieg ins Berufsleben geben?

Die Studierenden sollten schon während ihres Studiums Kontakt zu Firmen und Industrie suchen. Um den Einstieg zu erleichtern bieten wir Ihnen eine Vielzahl an Möglichkeiten. Es gibt viele Kooperationen und Projekte mit externen Firmen. Wir bieten Exkursionen und Berufseinstiegs-Messen wie den Karrieretag Soest an. Auch die Teilnahme an Konferenzen bietet sich für Studierende an, um frühzeitig Kontakte zu knüpfen.

Besonders ans Herz legen möchte ich den Studierenden ein Praxissemester in einem Unternehmen. Die Erfahrungen und Einblicke sind sehr hilfreich für den persönlichen Werdegang. Darüber hinaus wird es mit 30 ECTS-Leistungspunkten als Studienleistung angerechnet. Man macht dann seinen Bachelor-Abschluss zwar in sieben statt sechs Semestern. Dafür kann man jedoch den dreisemestrigen Masterstudiengang anstelle des üblichen viersemestrigen Masterstudiengangs wählen. Ein weiterer Weg ins Berufsleben öffnet sich, wenn man seine Bachelor- oder Masterarbeit in einem Unternehmen schreibt. Oftmals bekommen die Absolventen die Möglichkeit, im Unternehmen zu bleiben.

7. Sie sind eine von verhältnismäßig wenigen Frauen, die ihrem Weg in die Wissenschaft treu geblieben sind. Was raten Sie weiblichen Studierenden für einen Einstieg als Nachwuchswissenschaftlerin?

Grundsätzlich halte ich neben einer großen Passion für das Fachgebiet ein starkes Netzwerk für das allerwichtigste, um Fuß in der Forschung zu fassen. Das gilt nicht nur für die Studentinnen sondern für alle Studierenden. Sie sollten unbedingt Kontakt halten mit ihren Kommilitonen, im Studium Freundschaften aufbauen, sich in Lerngruppen unterstützen und gemeinsam Probleme lösen. Das schweißt zusammen. Diese Kontakte sind für das spätere Forschungs- und Berufsleben Gold wert.

Frauen, die sich für den Einstieg als Forscherin oder Nachwuchswissenschaftlerin interessieren, empfehle ich, dass sie sich ihre Fähigkeiten und Stärken bewusst machen. Sie sollten sich auch nicht scheuen, Hilfe zu holen. Ich rate ihnen besonders, ein Kommunikationstraining zu machen, um sich besser präsentieren zu können, denn Frauen trauen sich oft einfach nicht zu sagen „Das kann ich gut.“

Mittlerweile ist aber in Wirtschaft und Wissenschaft angekommen, dass die weibliche Empathie ein großer Vorteil ist, weil Frauen andere Aspekte in die Arbeit einbringen und dass Teams mit gemischten Gruppen besser funktionieren und leistungsfähiger sind. Ich freue mich darüber, dass mittlerweile stärker gefördert wird, Frauen an der Führungsetage partizipieren zu lassen.