Mit dem Maschinenbaustudium kommt man weiter

Christin Niggemann studiert seit dem Wintersemester 2011/12 in Iserlohn Maschinenbau/Kunststofftechnik

Die übliche Rollenverteilung gibt es bei den Geschwistern Niggemann nicht. „Bei uns interessiere ich mich für Technik, während mein Bruder damit nichts am Hut hat und Geschichte studiert“, lacht Christin Niggemann, „sonst ist es ja eher umgekehrt“. Ihr Herz schlägt weniger für die Antike, das Mittelalter oder die Neuzeit, sondern für Tiefziehen, Zugprüfungen oder Vektorrechnungen.

„An der FH in Iserlohn bin ich noch ein Frischling, ich studiere erst seit Herbst letzen Jahres hier“, berichtet sie. In Sachen technische Ausbildung ist sie aber schon lange kein Frischling mehr. Denn Christin Niggemann hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung als Technische Produktdesignerin vorzuweisen.

Den ersten Kontakt zur Welt der Technik hat Christin Niggeman in der 9. Klasse der Realschule Breckerfeld. Ein Schülerpraktikum steht an und sie sucht sich eine Praktikumsstelle bei einem Architekten. Ihr Fazit: Dieser Beruf ist nicht der Richtige für mich. Dennoch nimmt sie für sich die Erfahrung mit, dass Zeichnen ihr Spaß macht. Ein erster Anhaltspunkt für die spätere Ausbildungssuche. Aber zunächst wechselt Christin Niggemann nach dem Realschulabschluss auf ein Hagener Gymnasium. Auch hier steht wieder ein Schülerpraktikum an. Die Erfahrungen des letzten Praktikums im Hinterkopf, sucht sie sich eine Stelle im Bereich des Technischen Zeichnens: „Das hat mir schon gut gefallen“. Bereits ein Jahr vor dem Abitur informiert sich Christin Niggemann über mögliche Ausbildungsgänge. Auf einer Jobmesse der Industrie- und Handelskammer stößt sie auf das neue Berufsfeld „Technischer Produktdesigner“. „Diese Ausbildung ersetzt quasi den früheren Ausbildungsberuf des Technischen Zeichners und entspricht den heutigen beruflichen Anforderungen besser“, erläutert sie.

Christin Niggemann macht sich auf die Suche nach einer Lehrstelle. „Das war dann doch schwieriger als gedacht, da viele Unternehmen die neue Ausbildung noch nicht kannten und doch eher Ausbildungsplätze zum Technischen Zeichner anboten“. Bei einem Unternehmen der Elektronikbranche wird sie schließlich fündig und schließt nach dem Abitur eine dreijährige Lehre an. In dem Unternehmen kommt sie auch zum ersten Mal in Kontakt mit der Kunststoffverarbeitung. Und macht eine weitere Erfahrung: „In meinem Ausbildungsbetrieb gab es eine relativ hohe Frauenquote, dort arbeiteten auch Ingenieurinnen, das hat mich zusätzlich motiviert“. Schnell wird ihr nach der Ausbildung klar, dass ihr das Erreichte nicht genügt: „Auf ewig wollte ich den Job nicht machen“.

Beim Infotag lernt sie das Studium des Maschinenbaus an der Fachhochschule in Iserlohn kennen. „Durch meine Ausbildung war ich schon orientierter und wusste in welche Richtung ich weiterstarten wollte“. Christin Niggemann überlegt kurz, ob sie sich zur Technikerin weiterqualifizieren soll, entscheidet sich dann aber für ein Studium: „Das bringt mich karrieremäßig weiter“, ist sie sich sicher. Ein Jahr arbeitet sie noch im erlernten Beruf, um sich für das Studium ein finanzielles Polster anzulegen.

Zum Wintersemester 2011/12 beginnt sie ihr Studium und stellt fest, dass sie zum ersten Mal geschlechtermäßig in der Minderheit ist. „In der Berufsschule waren wir etwa zur Hälfte Frauen, im Unternehmen arbeiteten auch viele Frauen, in meinem ersten Semester waren wir dagegen nur zu neun Frauen“. Christin Niggemann ist das egal. Ihr macht das Studium Spaß, das Studienfach ist das Richtige. „ An meinem Studium gefällt mir vor allen Dingen, dass wir viele praktische Übungen und Praktika durchführen. So wird es nie zu theoretisch und so bildet das Studium auch die spätere berufliche Wirklichkeit besser ab“. Die ersten Klausuren sind erfolgreich abgeschlossen und einen Job an der Fachhochschule hat sie auch schon. Sie ist studentische Hilfskraft bei Prof. Franz Wendl im Werkstoffkundelabor. Christin Niggemann ist angekommen. Zumindest vorläufig. Denn bei ihrer Power ist das Bachelorstudium bestimmt nicht die letzte Ausbildung in ihrem Leben.

Wer Christin Niggemann und die Werkstoffprüfung kennenlernen möchte, kann dies am Girls’ Day tun. Die Labore für CAE-Techniken und Werkstoffkunde nehmen an diesem Tag Turnstangen unter die Lupe nach dem Motto „Hält sie oder bricht sie?“. Modelliert wird eine „Zugprobe“ mit dem 3-D-CAD (Computer-Aided-Design) System CATIA V5. Für jede Schülerin steht ein Arbeitsplatz zur Verfügung. Zunächst wird die Kraft- und Längenänderung des 3-D-Modells virtuell am PC berechnet. Im Werkstoffkundelabor werden anschließend die Berechnungsergebnisse mittels praktischer Durchführung des Zug- und Härteversuchs überprüft.