Vom Tellerwäscher zum begehrten Nachwuchs-Wissenschaftler

Die jungen Menschen, die an dieser Stelle zu Wort kommen, sind Wahl-Iserlohner. Sie sind hierher gezogen, um an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn zu studieren. Das Schlusswort unserer Serie gehört Daniel Faust (22). Er ist ein waschechter Tellerwäscher.

Er war sogar mal bei den Roosters. Und es hat ihm sogar richtig gut gefallen. „Die Stimmung war der Hammer“, sagt Daniel. „Kein Wunder. Schließlich haben wir die Anderen ordentlich nass gemacht“. Was Daniel meint, ist die Stimmung im Gästeblock. Daniel ist Berliner. Und er hatte seine Freude am Sieg der Eisbären Berlin gegen die Anderen. Die Anderen, das sind für Daniel die Iserlohn Roosters.

„Die sinnloseste Brücke der Welt“

Daniel ist direkt. Was er zu sagen hat, das sagt er deutlich. Und was er so deutlich sagt, das kann er zumeist auch ziemlich gut begründen. Beispiel eins: Die Seilerseebrücke bezeichnet Daniel als die „sinnloseste Brücke der Welt“. Nicht, weil er irgendwann mal irgendwas aufgeschnappt hat, sondern weil er genau weiß, wo die Autobahn anfängt, wo sie endet und wo sie dann doch noch weitergeht. Beispiel zwei: Den Iserlohner Weihnachtsmarkt findet Daniel „so was von schön“. Nicht, weil er dann nur wenige Minuten zu Fuß zum nächsten Glühweinstand braucht, sondern weil der Iserlohner Weihnachtsmarkt „kleiner und deshalb viel gemütlicher ist als die Märkte in Berlin“. Beispiel drei: Seine Männer-WG findet Daniel „nicht besonders ordentlich“. Nicht, weil zu selten aufgeräumt wird, sondern weil nur gründlich aufgeräumt wird, wenn seine Freundin übers Wochenende zu Besuch kommt.

Und das passiert eher selten. Daniels Freundin Madeleine wohnt in Berlin. Und wenn die beiden sich sehen, dann ist es zumeist Daniel, der die geografische Distanz überwindet. Daniel und Madeleine waren schon zwei Jahre ein Paar, als Daniel sich entschied zum Studieren nach Iserlohn zu ziehen. „Das war eine wahnsinnig schwere Entscheidung“, blickt Daniel zurück. „Ich beeil’ mich mit dem Studium“, hatte er sich und Madeleine damals immer wieder gesagt. Und wenn es ganz hart war, dann half immer noch die Durchhalteparole „wenn wir das zusammen schaffen, schaffen wir alles zusammen“. Doch bald hat das ein Ende. In spätestens einem Jahr will Daniel seinen Bachelor in Bio- und Nanotechnologien in der Tasche haben. Und dann? „Dann will ich erstens nach Berlin und zweitens in die Forschung“, sagt Daniel. Firmen, die ihn gebrauchen könnten, gebe es im Großraum Berlin schließlich genug. „Was man so hört, werden wir händeringend gesucht“, sagt Daniel.

„Bergig, waldig, hat was“

Wenn’s klappt hat Daniel ihn tatsächlich geschafft, den Aufstieg vom Tellerwäscher zum begehrten Nachwuchs-Wissenschaftler. Sechs Stunden die Woche wäscht er in der Mensa der Fachhochschule ab. Und Daniel mag seinen Job. „Weil er so praktisch in den Hochschul-Alltag passt“, sagt er. Und so viele anständige Jobs für Studenten gebe es in Iserlohn ja nun auch wieder nicht. Daniel ist zufrieden, zufrieden mit seinem Studium, zufrieden mit Iserlohn. Nicht gerade euphorisch, aber zufrieden. Als Naturwissenschaftler geht bei ihm ohnehin die Kurzformel vor der Jubelarie. Daniel, wie gefällt dir Iserlohn? „Bergig, waldig, hat was“, sagt er. Dann lacht er, als sei er sich unendlich sicher, den Nagel damit auf den Kopf getroffen zu haben.

Und auch über den Iserlohner an sich hat sich Daniel so seine Gedanken gemacht: „Mit den Leuten in Kontakt zu kommen, ist schwierig. Das geht in Berlin schneller“, sagt er. Er begründet das schlicht mit Verschiedenheiten in der Mentalität. Schließlich gingen so bedeutende Unterschiede wie Ost und West oder Stadt und Land nicht spurlos an den Charakteren der Menschen vorbei. Vereinfacht: Wer den Iserlohner mit dem Berliner vergleicht, der vergleicht Äpfel mit Birnen. Daniel tut es trotzdem: „Alles in allem ist der Iserlohner vielleicht freundlicher als der Berliner. Wenn man ihn dann mal kennt.“

„Alles in allem ist der Iserlohner vielleicht freundlicher als der Berliner.“

Wie gesagt, Daniel ist zufrieden mit Iserlohn. Und eigentlich kann Iserlohn auch zufrieden mit Daniel sein. Auch, wenn er nicht bleibt. Auch, wenn er bald wieder in Berlin wohnt. Daniel hat nicht nur in Iserlohn studiert, er hat sich auch ein Urteil gebildet. Er war auf dem Weihnachtsmarkt, er war auf dem Danzturm, er hat schon mal Luxuslärm gehört. Und er war sogar mal bei den Roosters.