Keine Weltreise, aber immerhin ein Aufstieg

Die jungen Menschen, die an dieser Stelle zu Wort kommen, sind Wahl-Iserlohner. Sie sind hierher gezogen, um an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn zu studieren. Für Florian Feldmann (22) war das ein Aufstieg. Zumindest quantitativ.

Florian Feldmann kommt aus Oberkirchen. Nicht aus Mittelnkirchen in Niedersachsen und auch nicht aus Niederkirchen in der Pfalz. Nein, aus Oberkirchen. Das gehört zu Schmallenberg. Eigentlich keine Weltreise, trotzdem ist Florian für sein Studium aus dem Hochsauerlandkreis nach Iserlohn gezogen. Für ihn ist das ein Aufstieg. Zumindest quantitativ. „Da komme ich aus so einem Tausendseelendorf ins Riesen-Iserlohn“, sagt Florian. „Das muss man sich mal vorstellen.“

Kaum vorstellbar, Florian wäre in Köln gelandet. Oder in Hamburg. Oder in Berlin. „Nicht, dass ich da nicht klarkommen würde, aber das waren alles keine Alternativen“, winkt er ab. Florian wollte nur nach Iserlohn. Er wollte Bio- und Nanotechnologien studieren. „Und das gab’s eben nur in Iserlohn“, sagt er. Dann bemüht er das Bild von der Faust, die aufs Auge passt und argumentiert ohne jeden verbalen Schnörkel wie naheliegend das Ganze doch sei. Schließlich habe er schon in der Schule auf Naturwissenschaften gesetzt. Schließlich lerne er ja jetzt eine Querschnittstechnologie. Schließlich biete ein solches Studium beste berufliche Perspektiven.

„Ich bin gerne hier"

Gute Argumente. Keine Frage. Aber genauso bestens durchdacht wie sich das Ganze anhört, so hat es eben auch diesen kompromisslos alternativlosen Unterton. „Dass ich hier bin, liegt am Studiengang“, sagt Florian. „Die Stadt war zweitrangig“, ergänzt er und findet diese Gewichtung „völlig normal“ und „logisch“. Er sei dem guten Ruf des Studiengangs nach Iserlohn gefolgt. Ganz einfach. Und der Ruf der Stadt? „Der könnte besser sein“, da ist sich Florian sicher. Neid kam bei seinen Freunden in Oberkirchen jedenfalls nicht auf, als er erzählte, wohin ihn sein Studium führen würde.

Verstehen kann Florian das nicht. Er hat sich arrangiert. Es gefällt ihm sogar ganz gut in Iserlohn. „Ich bin gerne hier. Feiertechnisch ist zwar nichts los, aber das habe ich auch nicht erwartet“, sagt er. Seine Freundin habe ihm schon immer vorgeschwärmt, wie gut man in Iserlohn shoppen könne. Und auch er mag die Innenstadt. Wenn auch aus anderen Gründen. „Die ist super schön“, sagt er. Leute, die das anders sehen, könne er jedenfalls nicht verstehen.

„Bei unserem Schützenfest gibt es Iserlohner Bier“

Trotzdem. Freitag ist Abreisetag. Fast immer. Am Wochenende ist Florian in Oberkirchen. Weil er Oberkirchen mag. Und weil dann die Pflicht ruft. Florian ist in drei Vereinen. Einer davon: der Schützenverein. Hier ist sein Vater Erster Vorsitzender und er selbst Mitglied, seit er 16 ist. Und das Oberkirchener Schützenfest war es auch, bei dem Florian zum ersten Mal von Iserlohn hörte. Oder besser: las. Und zwar auf dem Glas. „Bei unserem Schützenfest gibt es Iserlohner Bier“, sagt er. Das wundert ihn. Werten will er die Sache aber lieber nicht. Einmal im Jahr drei Tage Iserlohner Bier am Stück seien jedenfalls durchaus machbar. Und das Iserlohner Schützenfest? „Da war ich noch nie. Das liegt mitten in der Klausurphase“, sagt Florian. Und auch die Sache mit den „hohen Eintrittspreisen“ sei mit seiner Vorstellung von Schützenfesten nicht kompatibel.

„Ich muss nicht weit weg. Alles ist möglich, gerne auch Iserlohn.“

Bald startet Florian in sein fünftes Semester. Der Bachelor ist greifbar, ans Ende seiner Studienzeit denkt er aber noch lange nicht. Gerade erst hat er eine Stelle als studentische Hilfskraft bekommen. Ein Grund mehr, zu bleiben. Ein weiterer: der Master. „Den will ich auf jeden Fall machen“. Und wo? „Sehr wahrscheinlich hier. Hier weiß man, was man hat.“ Keine Zweifel. Klare Antworten des Mannes, der täglich und seit zwei Jahren in der Mensa das isst, was auf dem Plan steht. Doch dann tauchen sie tatsächlich auf, die ersten echten Variablen in Florians Zukunftsplan. Was ist nach dem Master? „Keine Ahnung“, sagt Florian. „Ich muss nicht weit weg. Alles ist möglich, gerne auch Iserlohn.“ Und Oberkirchen? „Schwierig. Da wachsen die freien Stellen für Bio- und Nanotechnologen nicht gerade auf den Bäumen“.

Einen einzigen Weg hat Florian sich also so gut wie verbaut – den Weg zurück