Sorgen? Nein, Sorgen macht Yoon-Cue sich nicht. Warum auch?

Die jungen Menschen, die an dieser Stelle zu Wort kommen, sind Wahl-Iserlohner. Sie sind hierher gezogen, um an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn zu studieren. Yoon-Cue Lee (22) hätte sich vorher fast vergriffen.

Sie lacht. Und lacht. Und lacht. „Ich weiß, ich bin komisch“, sagt Yoon-Cue Lee. Und lacht. Das ‚komisch’ gilt dem Satz davor. „Erst wollte ich in Köln Jura studieren“, hatte sie da gesagt. Yoon-Cue und Jura? Man muss diese junge Frau mit ihrer entwaffnend sympathischen Mixtur aus Spontaneität und unerschütterlichem Frohsinn eigentlich nur eine Handvoll Sätze erlebt haben, um zu ahnen, dass sie damit ungefähr so glücklich geworden wäre wie ein Paradiesvogel in den trockensten Ecken der Sahara. „Nein, das wäre nichts für mich gewesen“, sagt Yoon-Cue. Und lacht. Aber soweit ist es dann ja auch nicht gekommen. Yoon-Cue studiert Bio- und Nanotechnologien. In Iserlohn.

„Das ist aber ein süßer, kleiner Bahnhof. Und so sauber.“

Bevor Yoon-Cue nach Iserlohn zog, wohnte sie in Köln. Davor in Koblenz. Davor in Idar-Oberstein. Und davor in Frankfurt. Dort ist sie auch geboren. Weil ihre Eltern, beide Chinesen, sich ausgerechnet in Frankfurt kennengelernt hatten. Von Iserlohn wusste Yoon-Cue bis kurz vor ihrem Start ins Studium fast nichts. „Ich hab’ den Namen schon mal irgendwo gehört, wusste aber nicht, wo das liegt“, sagt sie. Dann erzählt sie von ihrer ersten Zugfahrt von Köln nach Iserlohn. „Das ist aber ein süßer, kleiner Bahnhof. Und so sauber“, hatte sie bei ihrer Ankunft gedacht. Dann habe sie sich aber ziemlich gewundert. „Ich hab’ mich gefragt, warum der Bahnhof quer vor den Gleisen steht“, sagt sie. Und lacht.

Dass der Bahnhof steht, wo er steht, ist Yoon-Cue inzwischen völlig egal. Sie fühlt sich wohl mit ihrem Leben in Iserlohn. „Ich weiß zwar nicht, warum sie die FH ausgerechnet hier oben auf den Berg gestellt haben, aber ich mag sie“, erzählt Yoon-Cue. Und lacht. Richtig Spaß macht ihr ihre Frauen-WG. Auch wenn das nicht immer so war. „Wir waren erst zu dritt, aber mit einem Mädel haben wir uns nicht verstanden“, sagt Yoon-Cue. Mit dem Auszug sei dann aber Harmonie eingekehrt. „Meine Mitbewohnerin ist super“, findet Yoon-Cue. „Wir machen auch am Wochenende was zusammen“.

Dann aber eher in Köln. Denn an den Wochenenden fährt Yoon-Cue oft zurück in die jüngste ehemalige Heimat. Nicht mit dem Auto, mit dem Zug. „Autofahren ist nicht so mein Ding“, sagt Yoon-Cue. In Köln wohnt sie dann bei ihrer Schwester. Ihre Eltern leben inzwischen in Malaysia. „Klar ist in Köln abends mehr los“, erzählt Yoon-Cue. Als Flucht ins Vergnügen will sie ihre Wochenendtripps aber nicht verstanden wissen. Schließlich könne man auch in Iserlohn was erleben. Den Henkelmann findet Yoon-Cue „okay“, die Schauburg immerhin „prima“ und die Studi-Nights im Abendrot nicht nur „super“, sondern auch „super lustig“.

„Oh, eine Asiatin“

Yoon-Cue mag auch die Iserlohner Innenstadt. Zwar sei „das Einkaufen viel zu früh vorbei“ und die Stadt „viel zu früh wie leer gefegt“, aber schön findet sie die Fußgängerzone trotzdem. Aber sie spürt auch diese Blicke. „In der Stadt gucken mich alle an“, sagt Yoon-Cue, „die denken bestimmt ,oh, eine Asiatin’“. Wirklich schlimm findet sie das nicht. „Ich falle hier eben auf“, sagt sie.

Im Studium ist das nicht anders. Aber hier ist es Absicht. Yoon-Cue hat einen Studiengang gesucht, den nicht jeder macht. Und eine Hochschule, an der man nicht in der Menge untergeht. Beides hat sie gefunden. Inzwischen ist sie im sechsten Semester und damit mittendrin in dem, was sie „Bachelor-Stress“ nennt. In keiner Phase des Studiums kollidieren Gegenwart und Zukunft so sehr wie in dieser. Das ist bei Yoon-Cue nicht anders. „Das Studium macht Spaß. Gerne würde ich den Master dranhängen“, sagt sie. Aber? „Es gibt ein ,aber’, gesteht Yoon-Cue. Sie redet jetzt leiser. „Für den Master brauche ich eine 2,5. Leider war ich nicht immer so motiviert, hätte fleißiger sein sollen. Es wird eng.“

Aber Sorgen? Nein, Sorgen macht Yoon-Cue sich nicht. Wann auch immer ihr Studium endet – sie weiß, wo die Reise danach hingehen soll. Weg. Weit weg. Nach Singapur. Um dort zu arbeiten. „Die Nanotechnologie ist dort ein mächtiger Wirtschaftszweig“, sagt Yoon-Cue. Und lacht.