Das Versuchsgut Merklingsen

Herzlich Willkommen!

Das landwirtschaftliche Versuchsgut Merklingsen des Fachbereiches Agrarwirtschaft Soest ermöglicht praxisnah, die Darstellung und Variation pflanzenbaulicher Produktionssysteme in Form von Experimenten. Dies ist eine sinnvolle Möglichkeit mit Demonstrationsbeispielen begleitend zu Vorlesungen, Übungen und Seminaren unsere Ziele einer hohe praxisnahen Ausbildung zu gewährleisten.

Aufgaben und Aktivitäten

Das landwirtschaftliche Versuchsgut Merklingsen des Fachbereiches Agrarwirtschaft Soest wurde 1993 vom damaligen Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW langfristig gepachtet, um eine verstärkte, am Bedarf der Praxis orientierte Ausbildung im pflanzenbaulichen Bereich zu gewährleisten. Darüber hinaus dient das Versuchsgut der Durchführung anwendungsbezogener Forschungsprojekte.

In regelmäßigen Abständen werden Lehrveranstaltungen aus den Bereichen Pflanzenproduktion, Bodenkunde, Feldversuchswesen und Landtechnik im Versuchsgut durchgeführt, die sich großer Beliebtheit bei den Studierenden erfreuen. Die Darstellung pflanzenbaulicher Produktionssysteme in Form von Feldversuchen und Demonstrationsbeispielen erfolgt begleitend zu Vorlesungen, Übungen und Seminaren. Die Praxisanbindung der Lehre wird dadurch in besonderer Weise gewährleistet.

Auch die nach wissenschaftlich-praktischen Prinzipien aufgebauten Feldversuche mit optimierten Parzellengrößen sind in diese Zielsetzung eingeordnet. In der Konzeption werden diese Versuchsanlagen durch das Versuchsgut in der praktischen Durchführung betreut und von Studierenden im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten ausgewertet, interpretiert und teilweise auch publiziert. Häufig handelt es sich dabei um Fragestellungen, die neue Entwicklungen im Bereich des Pflanzenbaues aufgreifen und auf Praxisrelevanz hin untersuchen. Davon haben sowohl die Studierenden Nutzen, die nach Abschluss ihres Studiums in die Praxis zurückkehren, als auch diejenigen, die ein Tätigkeitsfeld in der amtlichen Beratung, in der Landwirtschafts- und Finanzverwaltung, in der Industrie, der Pflanzenzüchtung oder auch im technischen Bereich der Forschung einnehmen.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich ein für das 5. bzw. 6. Semester des Bachelorstudienganges angelegter „Studentenversuch“, in dem die pflanzenbaulichen Fähigkeiten der teilnehmenden Studierenden in Form eines Wettbewerbes gefordert werden. Von der Aussaat über den Pflanzenschutz bis hin zur Düngung gestalten die Studierenden dabei die produktionstechnischen Maßnahmen. Die Gewinner des Wettbewerbes werden auf der Grundlage des ökonomischen Erfolges ermittelt und prämiert.

Neben der Lehre ist das Versuchsgut offen für Besucher und Diskussionspartner aus Praxis, Wissenschaft, Beratung, Pflanzenzüchtung, Pflanzenschutz- und Düngeindustrie sowie anderen interessierten Kreisen. Besuchstermine können mit den Unterzeichnern gerne vereinbart werden.

Über die Ausbildung hinaus - aber damit im Zusammenhang stehend - werden vom Versuchsgut in zunehmendem Maße Forschungs- und Entwicklungsvorhaben übernommen, die einerseits wissenschaftliche Qualifikation, andererseits einen sehr realen Praxisbezug erfordern. Die Einwerbung von Forschungsmitteln (Drittmittel) ist Voraussetzung für das Versuchsgut, um angewandte Forschung zu betreiben, da die Grundausstattung in personeller und finanzieller Hinsicht neben den Standardverpflichtungen kaum Spielraum lässt. Andererseits ist eine gute technische Ausstattung mit Maschinen und Geräten sowie einer Grundausstattung mit Labor- und Analyseneinrichtungen Grundlage für jede Forschungsaktivität.

Die konzeptionelle Ausrichtung der Bewirtschaftung des Versuchsgutes lässt sich mit dem Begriff "Nachhaltige Landwirtschaft" charakterisieren. Die "konventionelle" Produktionstechnik ist unter den Aspekten des Umweltschutzes neu zu überdenken, die Belange des Boden-, Luft- und Wasserschutzes sowie der Biodiversität sind vermehrt zu berücksichtigen. Dieser Ausrichtung wurde mit der Formulierung von betriebsspezifischen, standortgerechten Leitlinien (siehe „Soester Pflanzenbaukonzept“) Rechnung getragen, nach denen die Produktion auf den Betriebsflächen ausgerichtet wird.

Mit der thematischen Ausrichtung geht eine angepasste Versuchstechnik einher. Die typischen Kleinparzellenversuche werden für geeignete Fragestellungen nach wie vor verwendet, neue und aufwendige Anlagemethoden für Systemversuche werden jedoch verstärkt realisiert und bringen einen erheblichen Flächenbedarf mit sich. Die Flächen des Versuchsgutes reichen für diese Fragestellungen nicht mehr aus. Über "Nutzungsvereinbarungen" werden zusätzliche Flächen in der Umgebung verfügbar, dadurch befinden sich zurzeit rd. 100 ha in der Bewirtschaftung des Versuchsgutes.

Eine Zusammenführung vielfältiger Einzeluntersuchungen erfolgte im interdisziplinär angelegten Forschungsschwerpunkt "Bodenökologie, Bodenbearbeitung, Bodenschutz", (Förderung durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung), das von 2001 bis 2006 auf einer Fläche von rd. 15 ha durchgeführt wurde und danach bis 2010 in reduziertem Umfang zur Demonstration der stark differenzierenden Bodenbearbeitungsintensität genutzt wurde. Ziel war die Verbesserung und Prüfung von Bewirtschaftungssystemen, die dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht werden und aus ökonomischer Sicht Vorteile bieten. Eine ökonomische Effizienzanalyse, die neue Formen der Bodenbewirtschaftung in Kombination mit einer gezielt gestalteten aufgelockerten Fruchtfolge berücksichtigt, wurde über 4 Jahre im Rahmen des Projektes „Systemanalyse“ in einem bundesweiten Ansatz praktiziert (Abschluss: 2006).

Versuchsaktivitäten zur Verbesserung der Ertragsleistung und Ertragssicherheit von Körnerlegumionsen, insbesondere Körnerfuttererbsen, bildeten in den Jahren 2004 bis 2007 einen weiteren Schwerpunkt und zielten darauf ab, bessere Voraussetzungen für die Ausdehnung des Leguminosenanbaues zu schaffen sowie die Akzeptanz in der Praxis zu verbessern. Die Integration von Ackerbohnen in die Fruchtfolge des Versuchsbetriebes mit durchaus akzeptablen, überdurchschnittlichen Erträgen trägt der hohen Bedeutung dieser Kulturen im Rahmen der Fruchtfolgegestaltung speziell in Verbindung mit der Ausdehnung kostensparender Verfahren der pfluglosen Bodenbearbeitung Rechnung. Die Ertragsrelationen werden auch weiterhin beobachtet und bewertet.

Das Verbundprojekt zur Bewertung von Biomasse zur Erzeugung von Biogas wurde 2010 abgeschlossen. Hierbei ging es um die Optimierung der energetischen Leistung von Pflanzenmasse in verschiedenen Fruchtfolgen mit und ohne Silomais. Darüber hinaus stand die Entwicklung von Schnellmethoden im Focus, die für die züchterische Bearbeitung der verschiedenen Pflanzenarten hinsichtlich maximaler Gasausbeuten dringend benötigt werden.

Einen neuen, in die Zukunft gerichteten und anspruchsvollen Schwerpunkt in der anwendungsbezogenen Forschung wird durch das Anfang September von der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft genehmigte Forschungsprojekt „Optimierter Klimabetrieb“ gelegt. In diesem Forschungsvorhaben, das aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wird, sollen in Zusammenarbeit mit dem Julius-Kühn-Institut und dem von-Thünen-Institut in Braunschweig Anpassungsstrategien der landwirtschaftlichen Betriebe an den Klimawandel überprüft und Möglichkeiten zur Emissionsminderung von Treibhausgasen in verschiedenen Produktionssystemen untersucht werden. Die weitere Reduktion der Bodenbearbeitung bis hin zur Direktsaat, die Einsparung von mineralischem Stickstoff bei der Düngung durch den optimierten Einsatz von Wirtschaftsdüngern und den Anbau von Leguminosen sind hier erfolgsversprechende Ansatzpunkte. Dabei werden reine Marktfurchtfolgen und kombinierte Biogasfruchtfolgen im vier- und achtfeldrigen System miteinander verglichen. Die Modellbetriebe sind nicht nur hinsichtlich der Fruchtfolgen differenziert, sondern werden zudem in der Bodenbearbeitungsintensität variiert, die von der konventionellen Pflugsaat bis hin zur Direktsaat reicht.

Prof. Dr. Bernhard-Carl Schäfer (Wiss. Leitung)

Dipl. Ing. G. Stemann (Tech. Leitung)