Finanzierung nach der Geburt

Elternzeit

Jedes arbeitende Elternteil hat Anspruch auf Elternzeit zur Betreuung und Erziehung eines Kindes. Während der Elternzeit ruhen die Hauptpflichten des Arbeitsverhältnisses. Die Elternzeit kann in drei Zeitabschnitte aufgeteilt werden, wobei 24 Monate auch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes genommen werden können, wenn betriebliche Gründe dem nicht entgegenstehen.

Im Studium ist die Anmeldung einer Elternzeit nur von Belang, wenn Sie ein Urlaubssemester beantragen wollen. Ihnen stehen zur Betreuung und Erziehung eines Kindes zusätzlich sechs Urlaubssemester zu.

Elterngeld

Basiselterngeld

Ein Elternteil kann mindestens zwei und maximal zwölf Basismonate in Anspruch nehmen. Zwei weitere Monate werden gewährt, wenn auch das andere Elternteil Elterngeld in Anspruch nimmt. Alleinerziehende, die das Elterngeld zum Ausgleich des wegfallenden Erwerbseinkommens beziehen, können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen.

Bezieht man Mutterschaftsleistungen nach der Geburt des Kindes, werden diese voll auf das Elterngeld angerechnet.

Die Berechnung des Elterngeldes (siehe Elterngeldrechner) orientiert sich am durchschnittlich monatlich verfügbaren Erwerbseinkommen in den 12 Monaten vor der Geburt des Kindes hatte. Es beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro und ist steuerfrei.

Wichtig: Ein Stipendium gilt nicht als Einkommen und wird bei der Elterngeldberechnung nicht berücksichtigt.

Den Mindestbetrag von 300 € erhalten Studierende auf Antrag unabhängig davon, ob Sie vor der Geburt erwerbstätig waren oder nicht und unabhängig davon, ob sie ihr Studium unterbrechen oder nicht. Es ist kein Stundennachweis erforderlich. Dieser Elterngeld-Mindestbetrag fällt unter den BAföG Freibetrag und darf somit nicht angerechnet werden.

ABER: Das Elterngeld, auch der Mindestbetrag von 300 Euro, wird beim Arbeitslosengeld I und II, bei der Sozialhilfe und beim Kinderzuschlag als Einkommen angerechnet. Eine Ausnahme besteht dann, wenn die Elterngeldberechtigten vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig waren – diese erhalten einen Elterngeldfreibetrag, höchstens aber 300 Euro. Bis zu dieser Höhe bleibt das Elterngeld bei den genannten Leistungen anrechnungsfrei und steht damit zusätzlich zur Verfügung.

Elterngeld Plus

Die Elterngeld-Plus Monate sind Bezugsmonate in der Höhe eines halben Basiselterngeldbetrages . Einen Lebensmonat des Kindes mit Basiselterngeld kann man sich auch in zwei Monatsbeträgen mit Elterngeld Plus auszahlen lassen. Basiselterngeld und Elterngeld Plus können variabel kombiniert werden. Sehr hilfreich ist bei der Planung der Elterngeldrechner des BMFSFJ.

Durch die Inanspruchnahme von Elterngeld Plus Monaten verlängert sich der Bezugszeitraum des Elterngeldes über den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus. Beantragt ein Elternteil beispielsweise ausschließlich Elterngeld Plus, kann sein Elterngeldbezug maximal 24 Monatsbeträge umfassen. Die allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen für Elterngeld müssen entsprechend auch bis zum Ende des Elterngeld Plus Bezuges erfüllt werden.

Ausführlichere Informationen finden Sie im Familien-Wegweiser.

Partnermonate

14 statt 12 Monate Elterngeld können gezahlt werden, wenn nicht nur ein Elternteil Elterngeld bezieht, sondern auch das zweite Elternteil für mindestens zwei Monate. Dies kann gleichzeitig oder nacheinander erfolgen. Anspruch auf zwei zusätzliche Elterngeldmonate besteht aber nur, wenn das Einkommen gemindert wird - und zwar im Vergleich zum Einkommen vor der Geburt. Das bedeutet also, dass mindestens ein Elternteil in den 12 Monaten vor der Geburt des Kindes Einkommen erzielt haben muss. Haben beide Elternteile in diesem Zeitraum kein Einkommen erwirtschaftet (z.B. wenn beide Eltern studieren), entfällt der Anspruch auf die Partnermonate.

Anspruch auf die Partnermonate – also auf zwei zusätzlichen Elterngeldmonate (d.h. 2 Monate Basiselterngeld, oder 4 Monate Elterngeld Plus), haben auch Alleinerziehende unter folgenden Voraussetzungen:

  • Weder Mutter noch Kind leben mit dem anderen Elternteil dauerhaft in einer Wohnung. Das Kind darf natürlich auch zeitweise (30%) beim anderen Teil leben.
  • Es bestehen die Voraussetzungen für den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Dafür muss mindestens ein Kind im Haushalt leben, für das Kindergeld (oder der Kinderfreibetrag) gezahlt wird. Wichtig: Den Entlastungsbetrag muss man beim Finanzamt beantragen.

Mehrlingsgeburten und Geschwisterbonus

Bei Mehrlingsgeburten besteht nur ein Anspruch auf Elterngeld sowie den Mehrlingszuschlag in Höhe von 300€ (seit 1. Januar 2015).

Es besteht zudem Anspruch auf einen Geschwisterbonus,

  • wenn ein Geschwisterkind noch nicht drei Jahre alt ist
  • bei mehr als zwei Kindern, von denen mindestens zwei unter sechs Jahre alt sind

Partnerschaftsbonus

Die maximale Bezugsdauer des Elterngeldes kann durch die Inanspruchnahme der vier neuen Partnerschaftsbonusmonate auf maximal 28 ausgedehnt werden. Voraussetzung dafür ist der Bezug wenigstens eines Elternteils von Elterngeld Plus ab dem 15. Lebensmonat des Kindes.

Wenn beide Elternteile für mindestens vier Monate gleichzeitig eine Arbeitszeit zwischen 25 und 30 Wochenstunden nachweisen, erhalten beide vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus. Der Partnerschaftsbonus kann während oder in unmittelbarem Anschluss an das Elterngeld (Plus) genommen werden.

Alleinerziehende Mütter und Väter haben Anspruch auf einen Bonus, der dem für Elternpaare entspricht.

Änderung des Elterngeldbezuges

Das Elterngeld-Gesetz regelt, dass die Festlegung der Elterngeld-Monate während des Elterngeldbezugs einmalig abgeändert werden kann. Die einzige Bedingung dabei ist: Eine Änderung ist nur für Monate möglich, in denen das Elterngeld noch nicht ausgezahlt wurde.

Die Änderung kann formlos schriftlich bei der Elterngeldstelle mitgeteilt werden. Ein neuer Antrag muss nicht noch einmal gestellt werden.

Kindergeld

Anspruch auf Kindergeld besteht für eigene Kinder (eheliche, nichteheliche, Adoptivkinder) oder Stief-, Enkel- oder Pflegekinder, die im eigenen Haushalt leben. Das Kindergeld wird unabhängig vom Einkommen der Eltern gewährt und beträgt 194 Euro für das erste und zweite Kind, 200 Euro für das dritte und 225 Euro für jedes weitere Kind. Siehe auch das Merkblatt Kindergeld des Bundeszentralamtes für Steuern.

Das Kindergeld muss bei der jeweiligen Familienkasse beantragt werden.

Erhalten Sie selber noch Kindergeld, beachten Sie bitte, dass die Zahlung eingestellt wird, wenn Sie ein Urlaubssemester beantragen!

BAföG-Sonderregelung bei Schwangerschaft und Kindererziehung

Schwangerschaftsbedingte Unterbrechung des Studiums

Bafög wird nur gezahlt bis zum Ende des dritten Kalendermonats der Unterbrechung (§ 15 Abs. 2a). Sobald absehbar ist, dass die drei Monate überschritten werden, muss das BAföG-Amt über die Unterbrechung des Studiums informiert werden.

Aufschub des Leistungsnachweises

Kommt es während der ersten vier Semester aufgrund einer Schwangerschaft oder der Erziehung eines Kindes unter zehn Jahren zu Verzögerungen im Studienverlauf, kann eine spätere Vorlage des Leistungsnachweises (ab dem 5. Semester) nach § 48 Abs. 2 BAföG bewilligt werden.

Kinderbetreuungszuschlag

Studierende, die mit ihren Kindern unter zehn Jahren in einem Haushalt leben, können einen Zuschuss von 130 Euro für jedes Kind erhalten.

Es zählen alle eigenen Kinder bis zu deren 10. Lebensjahr. Der Kinderbetreuungszuschlag wird als Zuschuss gewährt und muss daher nicht zurückgezahlt werden.

Steuerfreibetrag

Vom Einkommen des Studierenden wird für jedes Kind ein weiterer Freibetrag von 520 Euro gewährt. Einkünfte des Kindes, wie z.B. Unterhaltsleistungen, werden auf diesen Freibetrag angerechnet. Bei der Einkommenssteuererklärung des Ehepartners wird ebenfalls ein Freibetrag gewährt.

Altersgrenze und Förderungsdauer

Die Altersgrenze von 30 Jahren für einen Anspruch auf BAföG gilt nicht, wenn der Studierende sein Studium wegen der Erziehung eines Kindes unter zehn Jahren nicht rechtzeitig beginnen konnte.

Über die Förderungsdauer hinaus können weitere Leistungen beantragt werden, wenn sich der Studienabschluss durch eine Schwangerschaft oder die Erziehung eines Kindes unter zehn Jahren verzögert.
Wichtig: BAföG über die Förderungshöchstdauer hinaus gibt es nur auf Antrag nach Ablauf der Regelstudienzeit unter Bezugnahme auf §15 Abs. 3 BAföG.

Verlängerung der BAföG-Zahlung wegen Kindererziehung

Nach § 15 Abs. 3 Nr. 5 BAföG können zusätzliche Semester über die Regelstudienzeit hinaus gefördert werden:

  • für die Schwangerschaft: 1 Semester
  • bis zum 5. Lebensjahr: 1 Semester pro Lebensjahr
  • für das 6. und 7. Lebensjahr: 1 Semester
  • für das 8. – 10. Lebensjahr: 1 Semester

Die Eltern, unerheblich, ob sie verheiratet sind oder nicht, können sich die Zeit der Verlängerung der Förderhöchstdauer teilen, wenn beide Elternteile BAföG beziehen. Das verlängerte BAföG wird als Vollzuschuss gewährt.

Wenn das Kind während des Grundstudiums geboren wird, kann eine Verschiebung des Leistungsnachweises für die Zwischenprüfung um ein Semester beantragt werden.

Dem Grundsatz nach erhalten Studierende, die ihre Ausbildung mit einem Alter von 30 Jahren oder mehr Jahren beginnen, kein Bafög. Eine Ausnahme regelt § 10 Abs. 3 Nr. 3 BAföG: Eltern, die wegen der Erziehung eines Kindes unter 10 Jahren ihr Studium noch nicht begonnen haben, erhalten auch nach Überschreiten der Altersgrenze Bafög, wenn sie glaubhaft machen können, dass sie sich überwiegend um das Kind gekümmert haben. Davon ist bei einer Halbtagsberufstätigkeit grundsätzlich auszugehen. Bei Alleinerziehenden ist auch bei einer vollen Erwerbstätigkeit davon auszugehen, dass sie sich überwiegend um das Kind gekümmert haben.

Erleichterungen bei der BAföG-Rückzahlung

Auf Antrag (wichtig!) wird die monatliche Rückzahlungsrate gestundet, soweit die Betroffenen im jeweiligen Monat über kein oder nur ein geringes Einkommen verfügen.

Auf besonderen Antrag können Alleinstehende darüber hinaus die Kinderbetreuungskosten geltend machen. Achtung: Die Erleichterungsmöglichkeiten gelten nur, wenn der Bafög-Schuldner in dem betreffenden Monat entweder gar keine oder nur eine unwesentliche Erwerbstätigkeit ausübt. Davon ist gem. § 18b Abs. 5 Nr. 3 BAföG auszugehen, wenn die wöchentliche Arbeitszeit nicht mehr als 10 Stunden beträgt.

Alleinerziehende

Unterhalt

Der Vater eines nichtehelichen Kindes hat der Mutter bis zu drei Jahren nach der Geburt Unterhalt zu gewähren, wenn diese aufgrund der Pflege und Erziehung des Kindes keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Dies gilt auch im Falle einer Trennung.

Jedes minderjährige und jedes sich in einer Erstausbildung befindende Kind hat einen Rechtsanspruch auf Unterhalt gegenüber seinen Eltern, unabhängig davon, ob diese verheiratet sind oder nicht. Voraussetzung für den Unterhaltsanspruch ist, dass das Kind auch im Haushalt des betreuenden Elternteils lebt. Der andere Elternteil steht in der so genannten Barunterhaltspflicht, d. h. er ist verpflichtet von der Geburt des Kindes an Unterhaltszahlungen zu leisten. Dabei bemisst sich die Höhe des zu zahlenden Unterhalts am Einkommen des Unterhaltspflichtigen.

Unterhaltsvorschuss

Kommt der unterhaltspflichtige Elternteil seinen Unterhaltsverpflichtungen nicht oder nur unregelmäßig nach oder zahlt nicht mindestens Unterhalt in Höhe des Regelbetrags, so kann vom allein erziehenden Elternteil der Unterhaltsvorschuss für Kinder bis zum 12. Lebensjahr beim örtlichen Jugendamt beantragt werden. Die Höhe des Unterhaltsvorschusses richtet sich an den nach Altersstufe festgelegten Regelbeträgen. Der Unterhaltsvorschuss wird pro Kind für maximal 72 Monate gezahlt. Internationale Studierende, die eine Aufenthaltserlaubnis nur zum Zweck des Studiums haben, erhalten keinen Unterhaltsvorschuss für ihre Kinder. - Ausführlich zum Thema Unterhaltsvorschuss siehe die Broschüre des Bundesministeriums „Der Unterhaltsvorschuss - Eine Hilfe für Alleinerziehende

Vernetzen können sich Alleinerziehende im Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V.